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DMSB-Affäre: Jetzt spricht der DMV-Präsident

Von - 09.03.2017 20:36

Nach den Beschwerden zahlreicher Lizenznehmer über den Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) nimmt jetzt DMV-Präsident Wilhelm A. Weidlich zu den Vorwürfen und Kritikpunkten Stellung.

Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) ist nicht nur wegen seiner merkwürdigen Gepflogenheiten im Umgang mit den Lizenznehmern, über deren Anzahl übrigens keine Angaben gemacht werden, ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

SPEEDWEEK.com unterhielt sich mit Wilhelm A. Weidlich, er ist Präsident des DMSB-Trägerverbands DMV.

Der Österreicher hat natürlich mitbekommen, dass zum Beispiel die Internationale Deutsche Motorrad Meisterschaft (IDM) vom DMSB-Trägerverband ADAC weitgehend im Stich gelassen wurde.

Die DMSB-Funktionäre und die Funktionäre der Trägerverbände haben die Berichte auf SPEEDWEEK.com gelesen, aber es will niemand gern offiziell Stellung nehmen, man schickt sich die Links zu den Storys per E-Mail gegenseitig zu – und schweigt beharrlich.

DMV-Präsident Wilhelm Weidlich, einst jahrelang Generalsekretär beim DMV, wundert sich über so manche Vorkommnisse im Dunstkreis des Landesverbandes.

Aber man weiss: Der DMV ist nur ein kleiner Fisch im DMSB-Meer, der Riese ADAC hat dort das grosse Sagen und die wahre Macht.

Die Insider sind sich einig: Das Dilemma kann nur durch radikale Reformen beseitigt werden. Aber der DMSB hat sich im Faulbett des Monopols gemütlich eingerichtet. Querschüsse von Medien wie von SPEEDWEEK.com werden geflissentlich übergangen, die Stimmen der Aktiven und Teams werden kaum gehört und nicht wirklich ernst genommen.

Die Reformwilligen im Verband sind zu schwach, um sich gegen das etablierte System durchzusetzen. Das aufgeblähte DMSB-System muss offenbar durch immer hinrissigere Ideen zur Gewinnoptimierung herhalten, um alle Ausgaben finanzieren zu können, deren Sinnhaftigkeit offenbar nicht ausreichend hinterfragt wird.

Herr Weidlich, was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Kritiken am deutschen Landesverband hören?

Ich möchte dazu öffentlich nicht Stellung nehmen. Wenn ich Kritik zu äußern habe, werde ich das in den entsprechenden Gremien tun. Als DMSB-Präsidiumsmitglied bin ich gewissermaßen Partei. Nur wenn ich von wirklich unlogischen Vorkommnissen höre, kann ich mich dazu äußern.
Wir sind jedoch guter Hoffnung, dass wir dem Breitensport mehr Gehör verschaffen und die Entwicklung im Motorradsport eine bessere Position findet, dank der DMSB-Vorstände Hans-Robert Kreutz und Wolfgang Wagner-Sachs.

Aber die WM-Fahrer regen sich nicht ungerechtfertigt über den DMSB auf. Wenn es laut FIM-Artikel 1.10.1 heißt, die A-Lizenzen müssen für die WM-Fahrer ohne Zusatzkosten ausgestellt werden, warum verlangt dann der DMSB 299 Euro? Warum müssen WM-Piloten eine Pflichtversicherung für 49 Euro abschließen, wenn sie diese nationale Lizenz das ganze Jahr nie in Anspruch nehmen?

Der DMSB muss seine Aufwändungen für den Sport auf viele Schultern verteilen und die Gebühren entsprechend kalkulieren. Man könnte annehmen, dass die besser gestellten Veranstalter oder auch Rennfahrerprofis mehr zum Aufwand und zu den Gesamtkosten beitragen müssen als die Amateure. Ob das gerecht ist, ist eine andere Frage.

Das FIM-Reglement wird dabei einfach außer Kraft gesetzt und missachtet? DMSB-Mitarbeiter verlangen kategorisch  Barzahlungen – 105 Euro cash ins Briefkuvert für eine Auslandsstartgenehmigung im Jahr 2016. Der Lizenznehmer beteuerte, er habe nie eine Quittung oder Rechnung erhalten. Das sind keine Einzelfälle. Alles im Sinne des Verbands?

Da kann ich nichts dazu sagen. Aber sicher sollte der DMSB über moderne Zahlungsmodalitäten verfügen und diese auch anwenden.

Stefan Bradl musste zwei Wochen vor dem Superbike-WM-Start rund 1300 in bar in der DMSB-Zentrale in Frankfurt entrichten, sonst hätte er keine WM-Lizenz erhalten. Sieht so ein Dienstleistungsbetrieb im Jahr 2017 aus?

Ich wiederhole: Ich kann das nicht glauben. Aber ich werde den DMSB bitten, mir darüber Auskunft zu geben.
Es kann ja nicht angehen, dass unsere Klientel, die Lizenznehmer und Veranstalter, durch solche Berichte verunsichert werden.
Wir haben uns bei der Gründung des DMSB vor 20 Jahren eigentlich vorgestellt, dass man mit einem einzigen Verband für Autos und Motorräder, vorher gab es ja getrennt die ONS und die OMK, die deutsche Motorsportlandschaft auch befriedet und fördert.
In diesem Punkt ist der DMSB noch nicht so weit, wie man sich das vorgestellt hat. Die Einflüsse der Trägerverbände sind unterschiedlich, der DMV ist natürlich sehr klein im Vergleich zum ADAC, und der DMSB entwickelt auch ein Eigenleben.

Es gibt so viele groteske Themen. Wieso braucht ein deutscher Lizenznehmer eine Auslandsstartgenehmigung für Nachbarländer wie Belgien oder Österreich? Das steht doch im Widerspruch zu allen EU-Gesetzen? Da wird doch ein Monopol illegal ausgenützt?

(Er zögert). Es existieren für jedes Land eigene Sportverbände.

Aber wenn ich gegen das System von sinnlosen Auslandsstartgenehmigungen als Fahrer eine Klage einreiche, habe ich beste Chancen auf einen Erfolg beim EU-Gericht.

Es wäre interessant, das einmal herauszufinden. Es gibt ja noch die FIM Europe. Dieser Verband könnte einmal versuchen, eine Vereinheitlichung in Europa zu erreichen. Es wird wohl darum gehen, dass jemand seine Rechte aufgibt oder irgendwo zusammenführt.

Motorrad-WM- und EM-Fahrer brauchen drei Lizenzen für eine einzige Rennserie, manche Bahnfahrer sogar vier Lizenzen im Jahr. Und dann schreibt DMSB-Präsident Hans Stuck, der DMSB wolle im 20. Bestandsjahr näher an die Aktiven heranrücken. Ist das alles ein vorbildlicher Dienst am Kunden?

Das ist ein schönes Thema für die künftigen Fahrervertreter.

Spitzenfahrer wie Bradl, Cortese oder Enduro-Legende Arnulf Teuchert haben doch einen anderen Umgang mit ihrem Verband verdient. Teuchert versicherte, er werde nie mehr eine DMSB-Lizenz lösen. Er brauchte eine 173 Euro teure Jahreslizenz für ein dreitägiges Six-Days-Revival in Italien. Eine Hobby-Veranstaltung.

Auch hier ist die Situation verbesserungswürdig. Anscheinend gibt es für solche Events noch keine passenden Lizenzen. Wir erkennen da sehr viele Anhaltspunkte, wo man etwas verbessern und erleichtern könnte. Der DMV ist an der Arbeit, um auf der Motorradseite den einfachen Sport zu ermöglichen.

Und worum hat sich der DMSB dann in den ersten 20 Jahren gekümmert?

(Er seufzt). Was meine Person betrifft, so teile ich mein Lob und meine Kritik intern mit.

Hans Stuck verkündet im Editorial des Vorstart-Magazins, man werde im 20. Jahr näher an die Aktiven heranrücken. Eine Erkenntnis, die reichlich spät kommt. «Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube», hat Goethe geschrieben.

Sie beziehen sich auf die von Stuck angekündigte Umstrukturierung in den Ausschüssen. Diese ist jetzt in Gang gekommen und wird im Sommer umgesetzt sein. Dann liegt es zunächst mal an den Leuten selbst, sich für Verbesserungen stark zu machen.

Fahrer und Teams wundern sich seit 2013, wo das von der Dorna an die FIM und von dort an den DMSB weitergeleitete Geld für den Breitensport gelandet ist. Laut Dorna und FIM handelt es sich um ca. 2,7 Millionen Euro. Seit 2013 hält der DMSB hier den Mantel des Schweigens darüber.

Diese Auskünfte können Sie nur über das Hauptamt erfahren, über Herrn Schacht. Ich weiß nicht, ob er sich zu den Finanzen öffentlich äußern will.

Der DMSB hat zwar eine Wirtschafts-GmbH gegründet, die Lizenzen stellt aber immer noch der DMSB e.V. aus.

Ja, er hat das Recht dazu. Der DMSB hat von der FIM und von den Trägerverbänden das Recht bekommen, diese sportrechtlichen Belange auszuüben. Er kann als gemeinnütziger Verband diese Rechte aber abtreten.

Die IDM steht auch vor dem Abgrund. Das kann ja einen DMV-Vorsitzenden auch nicht zufrieden stellen?

Mit dieser Situation bin ich sehr unglücklich, weil wir ja vom DMV einen sehr potenten Veranstalter in Hockenheim haben. Wir haben schon dringend darauf hingewiesen und warten auf Entscheidungen. Das ist beim Deutschen Rundstrecken-Cup (DRC) nicht anders, bei dem wir als DMV direkt involviert sind. Vorlage und Ausschreibungen gibt es, deren Bestätigung ist überfällig. Ich kann im Moment nicht sagen, woran es hängt.

Wird im Jahr 2017 eine IDM stattfinden?

(Er lacht). Ich muss jetzt – nein, ich will sagen: Ja.

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