Florian Alt: Mit kleinem Besteck aufs IDM-SBK-Podest

Von Esther Babel
IDM Superbike

Der Vize aus dem Vorjahr stattete der IDM Superbike auf dem Hockenheimring einen Besuch ab und zeigte mit seiner französischen Langstrecken-Mannschaft, dass er nichts verlernt hatte. Trotz zahlreicher Unbekannten.

Zum Finale der IDM am Hockenheimring brachte die Technik Crew vom Viltaïs Yamaha Racing eine schlechte Nachricht mit. Der für den Gaststart von Florian Alt extra neu gemachte Motor hatte den letzten Prüfstandslauf nicht unbeschadet überstanden, so dass in der Nacht zum Donnerstag ein komplett neuer Motor aufgebaut werden musste. In der verbliebenen Zeit konnte der Motor nicht bis aufs letzte Detail ausgereizt werden, so dass der Fokus auf Haltbarkeit statt auf Leistungsmaximum gelegt wurde.

Mit gedämpftem Optimismus startete man am Freitag in die Trainings-Sessions. Die große Unbekannte war die Wahl des besten Hinterreifens von Pirelli. In der IDM darf nur auf Pirelli gefahren werden und Alt ist von Hause aus ein Dunlop-Mann. Alles musste an diesem einen Wochenende sprichwörtlich erfahren werden. Nach den Qualifyings war er mit Rang 4 der beste Nicht-BMW-Fahrer.

In die Rennen am Sonntag ging das Team daher deutlich optimistischer hinein, als es die Tage zuvor noch ausgesehen hatte. Beim Start kam Alt allerdings nicht gut weg und bog als Sechster in die erste Kurve ein. Nach drei Runden konnte er sich auf den vierten Rang vorarbeiten. Kurz später war der erste BMW-Pilot fällig. Mit der bis dahin schnellsten Rennrunde und einem guten Windschatten auf der Geraden. «Ansonsten hatte ich gegen die leistungsstarken BWM nur in den Kurven eine Chance», erklärt Alt. «Auf der Geraden zogen sie mir nahezu mühelos davon.»

Aus der Verfolgungsjagd auf Mikhalchik und Mackels wurde nichts. Die für ihn unbekannten Reifen bauten rasch ab, so dass Alt sich gegen die aufholenden Verfolger zur Wehr setzten musste. «In der letzten Runde vor Einfahrt in die Sachskurve wurde ich durch ein sehr gewagtes Überholmanöver des Schweizers Dominic Schmitter auf den Vierten verdrängt», beschreibt Alt seine letzte Runde, der im Gegenzug eine Ecke später den Dritten wieder zurückeroberte. «Dazu noch schnellste Yamaha, schnellster Nicht-BMW-Fahrer und schnellste Rennrunden. In Anbetracht der Umstände ein absolutes Top-Ergebnis vor Tausenden von Zuschauern.»

Beim zweiten Start waren die Temperaturen gestiegen und die Bedenken in Sachen Reifenverschleiß und den damit verbundenen Grip-Verlust trieben dem Viltaïs-Crew-Chief die Sorgenfalten auf die Stirn. Er nahm sich nochmals das Mapping vor und Alt schlug vor, die Motorbremse zu reduzieren. Ausserdem kam eine weichere Feder am Federbein zum Einsatz, um den Reifen zu schonen.

Beim Start ins zweite Rennen hielt Alt seinen vierten Platz. An der Spitze setzten sich die beiden BMW-Piloten Mikhalchik und Mackels ab. Doch Alt schloss die Lücke wieder bis auf 0,7 Sekunden. Doch vor allem mit Julian Puffe wurde es ein heißer Kampf. «Ab Runde 11 baute der Reifen wieder stark ab, allen Einstellungen zum Trotz», lautet Alts Bericht. «Wieder in der letzten Runde erfolgte eine Attacke. Ich konnte mich nicht wirklich wehren. Puffe fuhr auf der Geraden einfach an mir vorbei, sein Leistungsvorsprung war eklatant und ich chancenlos.» Erneut war Alt bester Nicht-BMW-Fahrer und hatte den Rückstand auf den Sieger verkürzt.

«Das Wochenende hat das große Potential aufgezeigt», so Alts Fazit, «wenn die richtigen Menschen zusammenkommen und eine so gute Basis wie die der Yamaha R1 vorfinden. Das Team hat es geschafft, ohne jegliche Erfahrung aus einem Endurance-Bike ein konkurrenzfähiges Superbike aufzubauen.»

Alt hatte sich auch nach fast einjähriger IDM-Pause gleich wieder unter den Besten etabliert. «Der selbstgemachte Druck, ein gutes Resultat zu erzielen, war groß», meinte er anschließend. «Leider konnte ich kein Rennen gewinnen, dafür waren die Voraussetzungen dann doch nicht gegeben. «Ich bin hin- und hergerissen. Zum einen hat mein Team einen unglaublichen Job gemacht, hier mit kleinem Besteck zu arbeiten, dafür mit großem Enthusiasmus und Detailarbeit ein perfektes Fahrwerk hinzustellen. Ich war wirklich konkurrenzfähig. Andererseits mag es sich vermessen anhören, aber wenn wir mit dem guten Motor hätten starten und vorher noch die Reifen hätten testen können, wäre noch mehr drin gewesen. Die Erfahrung hat uns alle weitergebracht. Vielen Dank an die tolle Crew von Viltaïs Yamaha Racing für diese unglaubliche Leistung.»

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