Lukas Tulovic (KTM): «Ich muss konstanter werden»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Weil er zu viele Fehler machte und zu viele schwache Rennen zeigte, beendete Lukas Tulovic zwei Nachwuchsserien 2018 nur auf den Rängen 4 und 8. Vor der ersten Moto2-WM-Saison bei Kiefer ist ihm allerdings nicht bange.

Der 18-jährige Eberbacher Lukas Tulovic hat die Moto2-EM 2018 auf Platz 8 beendete, die spanische 600-Superstock-Meisterschaft schloss er als Gesamtvierter ab. Dazu nahm er an drei Moto2-WM-Rennen (Jerez, Le Mans und Valencia) teil, er landete auf den Rängen 20, 23 und 20 und bestreitet 2019 seine erste komplette Moto2-WM-Saison, er hat bei Kiefer Racing unterschrieben. Von 23. bis 25. November hat er die neue KTM mit dem 765-ccm-Dreizylinder-Einheitsmotor von Triumph getestet. Er landete auf Platz 20. Aber er verlor auf den besten KTM-Fahrer Brad Binder nur 0,451 Sekunden.

Doch der Südafrikaner Brad Binder, WM-Dritter und dreifache Saisonsieger 2018, dazu Moto3-Weltmeister 2016, ist dort als bester KTM-Fahrer nur auf Platz 13 gelandet. KTM-Rennchef Pit Beirer erklärte danach, man habe bei der Chassis-Steifigkeit übertrieben, man werde teilweise zum Material vom September zurückkehren.

Lukas, du hast im November in Jerez die neue KTM mit dem Triumph-Motor getestet. Wie war dein Eindruck?
War das Chassis für deinen Geschmack auch zu steif?

Ja, ich war ja im Januar bei KTM in Österreich, dort habe ich Brad Binder getroffen. Ich habe mit ihm über den Test gesprochen. Er hat mir erzählt, dass er in Jerez mit dem Motorrad richtig zu kämpfen hatte und sich dort nicht so wohl gefühlt hat.

Ich denke, wenn er mit dem Motorrad jetzt im Februar zufriedener ist, kann er deutlich schneller fahren.

Ich bin aus der Vergangenheit gewohnt, dass es hie und da mal ein bisschen Chattering gibt. Ein perfektes Bike hat man eigentlich nie.

In Kurve 8 in Jerez hatte ich auch Chattering, aber dort ist das normal, dort hat es eigentlich jeder. Deshalb war es für mich nichts Außergewöhnliches. Ich hatte deshalb auch nicht groß zu kämpfen damit.

Die anderen Fahrer hatten mit dem Chattering mehr Probleme als ich. Ich habe mich eigentlich in Jerez richtig gut gefühlt.

Du kommst als EM-Achter (mit zwei Podestplätzen) in die Weltmeisterschaft. In den vergangenen Jahren gab es einige CEV-Moto2-Champions wie Ramon Ramos, Edgar Pons und Jesko Raffin, die sich in der WM nicht durchgesetzt haben. Macht dir das Sorgen?

Meine Ergebnisse in der EM waren echt nicht so überragend, wenn man sie mit jenen von Raffin oder Pons vergleicht. Die beiden waren schon extrem konstant, ihre Rundenzeiten waren nicht so weit von den WM-Piloten entfernt.

Klar, meine EM-Saison war nicht ideal.

Ich bin viermal ausgefallen, viermal null Punkte. Was mich trotzdem aufbaut: Wenn ich angekommen bin, waren die Resultate nicht so schlecht. Ich war vom Speed her eigentlich ganz gut. Trotzdem: Ich habe zu viele Fehler gemacht, die Konstanz hat auf alle Fälle gefehlt. Deshalb hat es in der EM-Gesamtwertung nur zu Rang 8 gereicht.

Aber ich bin mit 18 Jahren noch jung bin und jetzt bei Kiefer in einem wirklich guten, coolen Team, bei dem alle richtig motiviert sind. In der Weltmeisterschaft kann ich viel mehr lernen und noch einen deutlichen Schritt nach vorne machen.

Man sieht es auch bei Remy Gardner. Er ist nur eine halbe Saison Moto2-EM gefahren, und inzwischen ist er in der WM richtig gut dabei. Man muß also die Moto2-Europameisterschaft nicht unbedingt gewinnen, um in der WM vorne mitmischen zu können. Es gibt viele verschiedene Wege, die ans Ziel führen.

Du bist 2018 auch die spanische Superstock-600-Meisterschaft mitgefahren.

Ja, ich habe die Meisterschaft am Anfang angeführt, dann hatte ich ein paar nicht so gute Rennen in Navarra, Aragón und Valencia. Ich war im Training von den Zeiten immer gut dabei, aber in den Rennen hat es dann nie so gut gepasst.

Beim Finale im Regen in Jerez hat es überhaupt nicht gut funktioniert. Da war ich im ersten Rennen 15. Da hat gar nichts gepasst. Das letzte Rennen habe ich dann gewonnen. Insgesamt bin ich Tabellenvierter geworden.

Wenn ich mit der R6-Yamaha nur zwei statt vier oder fünf schlechte Rennen gehabt hätte, hätte ich diese Meisterschaft gewinnen können. Ich hatte in dieser Serie ein paar wirklich gute Rennen, aber auch ein paar schlechte.

Und diese Unbeständigkeit, an der möchte ich arbeiten, da muss ich mich verbessern.

Du hast im Januar in Spanien trainiert.

Ja, ich habe eine CBR600-Honda-Supersport-Maschine und eine KTM-450-Supermoto in Valencia stehen. Mit der fahre ich auch Flat-Track, da stecken wir nur die Räder um auf Regenreifen. So habe ich drei Möglichkeiten für das Training.

Wir fliegen im Winter immer mal wieder runter und fahren eine Woche trainieren. Im Januar war ich zum Beispiel in Almeria.

Wie lautet dein Urteil über den Triumph-Motor?

Ich finde ihn richtig cool. Das ist der richtige Schritt in die richtiger Richtung.

Ich hatte bei den Honda-Motoren in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit dem Getriebe. Es sind oft die Gänge rausgesprungen, gerade in den schnellen Ecken. Das war beim schnellen hektischen Runterschalten sehr ärgerlich. Wenn man da beim Anbremsen vier Gänge auf einmal schalten musste, ist es ziemlich oft passiert, dass die Gänge rausgesprungen sind.

Beim Drei-Tage-Test mit den Triumph-Motoren gab es in Jerez in dieser Hinsicht bisher überhaupt kein Problem.

Allein das modernere Getriebe ist ein gutes Indiz dafür, dass wir beim neuen Triebwerk Vorteile haben. Du hast außerdem mehr Power unten raus, dazu einen geileren Sound. Auch die neue Elektronik macht mehr Spaß. Mit ihrer Hilfe können wir während des Rennens hie und da das Motor-Mapping ein bisschen umstellen, ein bisschen sanfter oder ein bisschen aggressiver. Oder mit mehr oder weniger Motorbremse. Die Launch-Control zum Starten gefällt mir gut. Und der Blipper, mit dem man ohne kuppeln hoch- und runterschalten kann, der ist echt cool.

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