Marcel Schrötter: «Katar hat mich überrascht»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Marcel Schrötter auf der SAG-Kalex

Marcel Schrötter auf der SAG-Kalex

Marcel Schrötter war in Katar schneller als Moto3-Weltmeister Sandro Cortese. Das war kaum zu erwarten, denn er hat drei schwierige Jahre hinter sich.

Marcel Schrötter (20) gewann die IDM 125 in den Jahren 2008 und 2009 im Vorbeigehen, dazu die Achtelliter-EM 2009, er wurde von Toni Mang gefördert, aber in den folgenden drei WM-Jahren blieb «Celly» trotz seines unbestrittenen Talents hinter den Erwartungen zurück. 2010 war die Honda 125 nicht mehr konkurrenzfähig, dann mühte er sich eineinhalb Jahre bei Mahindra ab, ab Brünn 2012 mit der Moto2-Bimota. In Katar machte der kampfstarke Schrötter sowohl im Training (9. Startplatz) als auch im Rennen (Platz 13 trotz Ausritts) von sich reden. Er liess Sandro Cortese hinter sich.



Marcel, du hast in Katar bei deinem Renndebüt mit der Kalex Feind und Freund überrascht. Nach diesem schwierigen Winter mit der lange ungewissen Zukunft und der geringst möglichen Anzahl an Testkilometern hat dir das keiner zugetraut. Was hat du dir selber für Katar ausgerechnet?

Auf dem Hinflug nach Doha habe ich selber nicht damit gerechnet, dass es dort so gut laufen wird. Denn wir hatten einen beträchtlichen Rückstand an Testtagen. Wir konnten nur beim letzten Jerez-Test richtig fahren, und dort habe ich auch nicht besonders geglänzt.
Aber mein Chefmechaniker und ich, eigentlich das ganze Team, wir waren uns einig, dass wir uns wegen den fehlenden Tests keinen Druck machen. Erstens kann man von Tests eh nicht immer irgendwelche Resultate ableiten. Zweitens haben wir den Testrückstand gehabt und wussten, das lässt sich nicht ändern.
Deshalb dachten wir, es bringt nichts, wenn wir uns deswegen gross Druck machen. Wir haben gesagt: Wir versuchen Schritt für Schritt nach vorne zu kommen, dort hin, wo wir hinwollen. Das heisst in die Top 15. Dass es vom ersten Training an so gut gelaufen ist, war überraschend.
Aber ich habe mich einfach super wohl gefühlt mit dem Motorrad auf der Strecke. Sicher taugt mir die Strecke sehr. Sie hat mir in den letzten Jahren auch getaugt, aber wenn man das Material nicht hat... Jetzt haben wir es. Dann sieht man, was möglich ist. Deswegen ist es einigermassen gut gelaufen.

Du fährst eine 2012-Kalex. Der Unterschied zum 2013er-Modell ist nicht so gewaltig?

Der Alex von Kalex sagt, es ist ein Unterschied, aber es ist kein grosser Unterschied. Es gibt Fahrer, die die 2013-Version bevorzugen, es gibt aber auch Fahrer, die würden vielleicht das 2012er bevorzugen. Das neue Chassis ist einen Tick steifer, was vielleicht ein bisschen mehr Grip bringen soll.
Mein Teamkollege Xavier Simeon hat eine 2012er-Kalex mit einer neuen Schwinge und ein paar neue Teile dazu, damit das alles zusammenpasst. Er meint, für ihn war das ein grosser Unterschied.
Aber momentan befasse ich mich nicht damit. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.
Die Maschine ist schnell genug, das hat man in den letzten Jahren gesehen. Wenn ich die Zeiten fahren kann, die Pol Espargaró vor einem Jahr damit gefahren ist, kann ich zufrieden sein.

Wie schwierig war es im Winter, die Motivation aufrecht zu halten? Du bist wochenlang in Spanien gewesen, hast Motocross, Rennrad und Mountainbike trainiert, ohne zu wissen, ob es mit dem Moto2-Vertrag im SAG-Team von Edy Perales klappt.

Erst in der ersten Februar-Hälfte hat sich abgezeichnet, dass Michael Kories mein neuer Manager wird und sich um die Sponsorship kümmert. Wir hatten vor dem ersten Valencia-Test ein Treffen, das ging alles sehr kurzfristig und schnell. Es ging um viel Geld.
Deshalb haben wir abgemacht: Wir warten den Valencia-Test ab und schauen, wie es läuft.
Es ist dort sehr unglücklich gelaufen, denn ich habe das Motorrad nach 20 Runden demoliert und konnte an den restlichen zwei Tagen nicht mehr fahren. Es gab kein Material mehr für mich.

Hast du nach dem Crash befürchtet, dass sich das Team einen anderen Fahrer sucht?

Ich hatte in erster Linie ein sehr schlechtes Gewissen, weil alles so kurzfristig war, andere Leute haben geholfen, dass ich ein Motorrad bekomme und bei diesem Test überhaupt mitfahren kann. Es war in dem Moment nicht sicher, dass es weitergeht, denn der Test war nicht unbedingt positiv.
Kurz darauf hat aber Michael Kories versichert, dass dieser Sturz an seiner Entscheidung nichts ändert. Schlussendlich kann er jetzt sehr zufrieden sein; das betont er auch immer wieder. Umso schöner war es, dass das erste Rennen so gut gelaufen ist. Das ist der Beweis, dass alles passt. Und eine Genugtuung für die Leute, die immer noch daran geglaubt haben, dass ich es noch kann.

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