Alex De Angelis: «Wieso wurde Sandro nicht verwarnt?»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Die Kollision zwischen Sandro Cortese und Alex De Angelis in der Schlussrunde von Aragón hat Folgen. De Angelis geht mit Krücken, Race-Director Mike Webb sieht sich die Videos noch einmal genau an.

Aus der Sicht von Sandro Cortese hörte sich der Vorfall am Sonntag unmittelbar nach dem Rennen folgendermassen an: «Ich konnte gar nichts tun, ich war bereits am Gas», berichtete Cortese am Sonntag. «De Angelis ist in der letzten Runde viel zu schnell in die Schikane reingestochen. Er ist rausgefahren, ich habe meine Linie gehalten, bin ans Gas und habe dann nur von der Seite einen Schlag gehört.»

Der unmittelbar hinter Alex De Angelis und Sandro Cortese nachfolgende Schweizer Dominique Aegerter (23) hatte eine etwas andere Wahrnehmung von dem Vorfall. «Ich lag in der letzten Runde auf Rang 11, als unmittelbar vor mir Cortese seinen Gegner De Angelis attackiert und berührt hat, worauf dieser direkt vor meinem Vorderrad gestürzt ist. Mein Vorderrad hat die Maschine von De Angelis berührt. Aber wie durch ein Wunder konnte ich im Sattel bleiben und noch 13. werden», schilderte der Schweizer Suter-Pilot.

Und was sagte Alex De Angelis im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com? Der Sanmarineser war in Rimini beim Physiotherapeuten, als wir ihn am Dienstagnachmittag am Telefon erreichten. Er klagte über Schmerzen, doch die Untersuchung im lokalen Krankenhaus förderte keine sichtbare Verletzung ans Tageslicht.

«Ich kann nur mit Krücken gehen», erklärte De Angelis. «Ich kann mein Bein nicht richtig ausstrecken; es verursacht sehr starke Schmerzen. Denn die Muskulatur ist geschwollen, sie drückt auf die Nerven. Abgesehen davon muss ich sagen, dass ich bei diesem Crash Glück im Unglück gehabt habe. Dieser Sturz hätte viel schlimmer ausgehen können. In dem Moment, als ich stürzte, war ich überzeugt, dass ich einen Beinbruch erlitten habe. Denn ich konnte das Bein unterhalb des Knies nicht mehr bewegen; ich spürte keine Reaktion. Erst später habe ich gespürt, dass ich die Zehen bewegen kann. Da keimte die Hoffnung auf, dass ich ohne grossen Schaden davon gekommen bin. Ich werde beim nächsten Rennen in Malaysia wieder an der Start gehen. Ganz normal.»

Und wie ist es zu diesem Crash gekommen? De Angelis: «Das war ein grimmiges Gefecht. In der letzten Runde wurde es noch grimmiger. In dieser Schikane habe ich Cortese überholt, unsere Linien haben sich überschnitten... Als ich voll auf dem Bordstein war, habe ich einen Knall gehört. Ich ging zu Boden, Aegerter fuhr über meinen Fuss. Cortese hätte nur warten müssen, er hätte seine Position sowieso wieder zurückgewonnen, denn wir waren auf unterschiedlichen Linien, er wäre schneller als ich auf die Gerade rausgekommen. Er hätte nur eine Sekunde warten müssen... Mein Team hat mir gesagt, dass Sandro in unsere Box gekommen ist, um sich zu entschuldigen. Aber ich war noch in der Clinica Mobile.»

«Ich war überrascht, dass die Race Direction keine Massnahme gegen Cortese ergriffen hat», fuhr De Angelis fort. «Eine Verwarnung wäre angebracht gewesen. Ich denke, eine Verwarnung hätte gereicht. So etwas sollte passieren. Wozu gibt es den neuen Strafenkatalog?»

«Wir haben mit De Angelis gesprochen. Er hat keinen Protest gemacht und keine Untersuchung gefordert», erklärte Race-Director Mike Webb gegenüber SPEEDWEEK.com. «Aber ich werde mir diesen Moto2-Zwischenfall noch einmal genau ansehen. Nach dem Rennen in Aragón ergab sich keine Gelegenheit. Zuerst haben wir den ersten medizinischen Bericht zu De Angelis erhalten. Nachher musste ich auf den MotoGP-Startplatz. Und nach dem MotoGP-Rennen ging es drunter und drüber... Ich werde mir die Videos also in Sepang anschauen. Bis dahin gibt es keine Entscheidung in irgendeiner Hinsicht.»

Im schlimmsten Fall werden Sandro Cortese ein oder zwei Strafpunkte aufgebrummt. Bei vier Strafpunkten in einer Saison muss der Fahrer einmal vom letzten Startplatz losfahren.

Sandro Cortese ist sich keiner Schuld bewusst. «Ich bin in die Forward-Box gegangen, weil ich mich informieren wollte, wie es ihm geht, denn ich habe ja mitgekriegt, dass er gestürzt ist und der Krankenwagen kam», erzählte er zwei Tage nach dem Zwischenfall. «Ich wollte ihm nur sagen, dass das natürlich keine Absicht war, was da passiert ist. Ich habe nicht mehr reagieren können, denn ich war am Gas und habe ihn nicht mehr sehen können. Es ist relativ blöd gelaufen. De Angelis hat mich an ungünstiger Stelle überholt, als ich schon am Einlenken war. Und beim Einlenken beschleunigt man dort zur Schikane raus. Ich habe ihn nicht mehr gesehen, weil er eigentlich schon über die Curbs rausgefahren war. Ich bin dann mit ihm kollidiert. Ich habe aber noch nie jemanden mit Absicht irgendwie berührt oder rausgeschickt. Deshalb habe ich mich nachher vergewissert, ob es ihm gut geht und ob nichts Schlimmeres passiert ist.»

Rechnet Cortese mit einer Bestrafung? «Die haben ja 100 verschiedene Kameras, da wird aus jedem Winkel gefilmt», weiss Sandro. «Da werden sie auch sehen, dass mich De Angelis an einer ungünstigen Stelle überholt hat. Ich war beim Einlenken vor ihm... Er war an dieser Stelle viel zu schnell. Ich habe meine Linie verteidigt und sie nicht verlassen. Ich habe nichts getan, um ihn zu Sturz zu bringen. Der Fehler ging von ihm aus.»
Mitarbeit: Nereo Balanzin

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