Jack Miller: Moto2-Vertrag bei Marc VDS bis 2016!

Von Günther Wiesinger
Moto2
Jack Miller: In welcher Klasse fährt er 2015?

Jack Miller: In welcher Klasse fährt er 2015?

Das Tauziehen um Moto3-WM-Leader Jack Miller ist um eine Facettte reicher. Er hat im Vorjahr einen Drei-Jahres-Vertrag beim Marc-VDS-Team unterschrieben!

Hochbegabte Siegfahrer vom Kaliber eines Maverick Viñales (19), Romano Fenati (18) und Jack Miller (19) sind dünn gesät, vor allem im Teenager-Alter.

Und natürlich sind alle namhaften Teammanager und Teambesitzer und etliche Trittbrettfahrer hinter ihnen her.

Einer dieser kostbaren Rohdiamanten ist der Australier Jack Miller. Er hat jetzt seine Karriere in die Hände des erfahrenen Aki Ajo gelegt, es wurde ein Management-Vertrag unterschrieben.

Es gibt für den Australier Jack Miller Angebote für die Moto2-WM 2015, aber auch eine verlockende Anfrage von Honda. «Jumping Jack» könnte mit Hilfe eines langfristigen Vertrags über drei oder vier Jahre direkt in die Königsklasse aufsteigen. Entweder mit einer «Super Honda» für die Open Class (2015 neu mit pneumatischen Ventilen) oder gleich mit einem Prototyp – in einem Satelliten-Team wie Gresini oder LCR.

Der Haken an der Sache: Jack Miller hat 2013 einen Drei-Jahres-Vertrag beim belgischen Rennstall Marc VDS Racing unterschrieben. Das könnte jetzt einen Rechtsstreit zur Folge haben.

SPEEDWEEK.com hat Marc-VDS-Teammanager Michael Bartholemy zu diesem Thema exklusiv ein paar brisante Fragen gestellt.

Michael, dass Marc VDS vor einem Jahr mit Jack Miller verhandelt hat, ist kein Geheimnis. Er entschied sich dann aber für das Moto3-KTM-Team von Aki Ajo. Die Existenz dieses Drei-Jahres-Vertrags mit Marc VDS war in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt. Wie ist es dazu gekommen?

Dieser Vertrag wurde am Silverstone-Wochenende 2013 unterschrieben; er geht über drei Jahre.
Die Idee war, dass Jack 2014 bei uns als Moto3-WM-Siebter des Vorjahres 2014 sofort die Moto2 fährt. Jack sagte aber dann, er würde gerne noch ein weiteres Jahr Moto3 fahren, wofür ich Verständnis aufgebracht habe. Ich habe entgegnet: Hör mal, wenn du Moto3 fährst, dann bist du bei Aki Ajo besser aufgehoben als bei uns, denn unser Moto3-Projekt ist nicht für eine WM-Titeljagd gegründet worden, sondern um Livio Loi bei WM-Einstieg zu helfen.
Jack hat also bei Aki Ajo einen Ein-Jahres-Vertrag für die Moto3 unterschrieben.
Klar ist, dass er 2015 und 2016 bei Marc VDS Moto2 fährt.
Das ist die Wahrheit. Das sind Tatsachen.
Es gab zuerst einen Vorvertrag, danach folgte ein Hauptvertrag, den wir Jacks Eltern und ihm zugeschickt haben, er wurde von den Eltern und von Jack unterschrieben.
Dieser Finne hat dann versucht, den Deal ins Wackeln zu bringen. Aber rechtlich ist es ganz klar: Wenn Ajo will, dass Jack 2015 und 2016 nicht bei uns fährt, dann muss Geld zu uns fliessen. Das ist ein Fakt.
Aber uns geht es nicht vorrangig ums Geld, wir wollen den Fahrer haben, weil wir ihn gut finden, weil wir in diesen Fahrer Geld investieren wollen.
Wir haben deshalb Jack schon im Sommer 2013 ein gutes finanzielles Angebot gemacht. Ich denke, ich war damals schneller und cleverer als viele andere Leute. Wenn andere Teamchefs und Manager erst ein Jahr nach mir wach werden, kann ich nichts dafür.

War Jack Miller nach dem australischen Gesetz schon volljährig und zeichnungsberechtigt, als er diesen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat?

Wir haben die Unterschriften von allen, von den Eltern und von Jack. Wir sind eigentlich okay.

Aber Jack Miller hat jetzt einen Management-Vertrag bei Aki Ajo unterschrieben.

Der Aki verpflichtet ja heute anscheinend alle Fahrer, die es auf dieser Erde gibt. Maverick Viñales ist auch bei ihm.

Hat Aki Ajo wegen Jack Millers Zukunft schon Kontakt zu Marc VDS aufgenommen?

Nein, niemals. Ich habe einen bestehenden Vertrag mit Jack Miller. Aki kann jederzeit Kontakt mit mir aufnehmen, ich bin da total offen.
Aber ich habe gehört, dass Jack Miller vor zwei Wochen gesagt hat: «Ich fahre 100-prozentig nächstes Jahr Moto2 bei MarcVDS. Aber mein neuer Manager muss noch einmal mit Michael Bartholemy über die Gage sprechen, denn ich bin jetzt finanziell mehr wert.»
Okay, aber der Vertrag wurde in Silverstone 2013 unterschrieben. Damals war Jack WM-Siebter. Jack war damals das wert, was ich ihm angeboten habe.
Das ist eine sehr, sehr gute Gage, auch wenn sie stark auf Resultaten basiert, also auf Erfolgsprämien.
Als wir mit Jack verhandelt haben, hat es geheissen, er passt bei Ajo nicht ins Konzept, er sei zu wild. Also haben wir den Schritt gemacht, als klar wurde, das Racing Team Germany kann ihn aus finanziellen Gründen nicht halten.
Wir haben ihm ein sehr, sehr gutes Angebot für drei Jahre gemacht. Wenn Jack drei Jahre lang gute Resultate bringt, verdient er eine schöne Stange Geld.

Jetzt hat aber sogar Honda Interesse an Jack Miller. Er soll direkt von der Moto3 in die MotoGP-Klasse transferiert werden.

Wenn Honda so ein Angebot für die MotoGP-WM macht, ist das für mich okay. Jack ist ein guter Fahrer. Aber: Auch die Honda-Manager können meinen Vertrag nicht übergehen. Wir sollten in diesem Geschäft fair bleiben und Verträge respektieren.
Ich habe vor einem Jahr zu Jack gesagt: «Du bist für mich ein Fahrer, der im besten Team fahren muss. Die besten Teams in der Moto3-WM sind Ajo und die Monlau-Truppe von Emilio Alzamora mit Rins und Márquez. Ich sehe ein, wenn du in eines dieser Moto3-Teams gehst. Wenn du gewinnen willst, ist das der richtige Weg. Und wenn du raufwillst in die Moto2, dann gibt es keinen Weg vorbei an Marc VDS.»

Gilt dein Vertrag mit Miller nur für die Moto2? Wenn er 2015 MotoGP-WM fahren will, ist der Deal hinfällig? Vielleicht ist das der Grund, warum Ajo und Miller über den direkten Aufstieg nachdenken?

Das ist eine Scheissfrage, die du mit jetzt stellst, Günther...
Ich habe ja gesagt, es gibt einen sehr starken Vorvertrag. Aber es gibt Details, die in einem Hauptvertrag noch einmal ausführlich besprochen werden müssten. In diesen Hauptvertrag müsste dann diese Klausel rein, die das alles regeln würde: «Bei einem direkten Aufstieg bist du frei für die MotoGP-Klasse.»
Aber der Hauptvertrag wurde von beiden Elternteilen und von Jack schriftlich bestätigt.

Seit dem Australier Garry McCoy, der als WM-Siebter nach der 125er-WM-Saison 1997 auf eine 500-ccm-V2-Honda umstieg, ist kein Fahrer mehr direkt in die Königsklasse umgestiegen. Es wäre ein reizvolles Experiment. Wie siehst du das?

Wenn ich der Manager von Jack Miller wäre, was ich ja nicht bin, würde ich für zwei Jahre Moto2 plädieren. Er ist jung, er ist schnell. Sogar von der Moto3 auf die Moto2 ist es ein Riesenschritt. Das sieht man auch bei Luis Salom und Maverick Viñales; das sind ja auch keine schlechten Fahrer. Man sieht es auch beim ehemaligen Moto3-Weltmeister Sandro Cortese, bei dem läuft es auch nicht immer...
Ich denke, man sollte den üblichen Weg beschreiten. Moto3, Moto2, dann sollte man in die MotoGP aufsteigen.

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