Schrötter-Crewchief: «98 Prozent reichen nicht!»

Von Sharleena Wirsing
Moto2
Nicolas Reynier, Tech3-Crewchief für Marcel Schrötter, sprach mit SPEEDWEEK.com über die Probleme der Mistral 610 und worin sich Schrötter verbessern muss.

Im letzten Jahr erlebte Tech3-Boss Hervé Poncharal die beste Saison mit der Eigenbau-Mistral 610 und dem Tech3-Team seit 2012. Dafür sorgte Moto2-Pilot Marcel Schrötter mit WM-Rang 10. Sein bestes Resultat war Platz 7 auf Philipp Island.

Nachdem Schrötter und das Tech3-Team 2014 mit WM-Rang 10 glänzten, setzte sich die Truppe um den schnellen Bayern für 2015 hohe Ziele. Regelmäßige Top-5-Platzierungen und Highlights waren geplant. Doch nach den ersten sechs Saisonrennen 2015 stellte sich Ernüchterung ein.

Das neue Mistral 610-Chassis erwies sich als schwierig abzustimmen. «Wir haben für 2015 zwei Chassivarianten bekommen. Eines ist einen ganzen Schritt weicher. Egal mit welchem der beiden Chassis man fährt, es sind dieselben Probleme», berichtete Schrötter nach den ersten Rennen 2015.

Schrötter sammelte in sechs Rennen nur zwölf Punkte und belegt derzeit WM-Rang 20. Seit dem Le Mans-GP häuften sich beim 22-Jährigen Stürze über das Vorderrad. «Sobald ich pushe, verliert die Maschine das Vorderrad», erklärte Schrötter, für den Stürze sonst eher untypisch sind. Das Problem sind starke Vibrationen an beiden Rädern, das Turning und mangelnder Topspeed.

«Meine Mechaniker haben derzeit viel zu tun. Wir müssen uns jetzt gegenseitig aufbauen und zusammenhalten», lautete die Durchhalteparole von Schrötter in Mugello.

SPEEDWEEK.com sprach mit Crewchief Nicolas Reynier, der mit «GP Precision» seine eigene Firma für Race Engineering, Entwicklung und Design betreibt, über die Probleme des Tech3-Teams.

Nicolas, vom neuen Mistral 610-Chassis für 2015 liegen euch unterschiedliche Varianten vor?

Wir haben für 2015 ein neues Chassis erhalten, von dem es unterschiedliche Varianten gibt, die insgesamt jedoch sehr nah beieinander liegen. Es ist dieselbe Basis, aber unterschiedliche Rahmen.

Worin bestehen eure derzeitigen Probleme mit dem Bike?

Ich würde sagen, dass wir eine bessere Balance zwischen dem Turning des Bikes und dem Grip finden müssen. Wir scheinen dabei wählen zu müssen. Damit haben wir Probleme. Das Bike muss beim Turning am Kurveneingang etwas besser werden, damit Marcel besser aus den Kurven herauskommt.

Auch der mangelnde Topspeed wird von Marcel Schrötter beklagt.

Darüber mache ich mir weniger Sorgen, denn wenn er gut aus den Kurven herauskommt und mehr Traktion hat, dann wird auch der Topspeed passen. Ich denke, dass fehlende Traktion am Kurvenausgang die Ursache ist.

In welchen Bereichen kann sich Marcel verbessern und an sich arbeiten?

Ich denke, ein Rennfahrer muss bis zu seinem Karriereende an sich arbeiten. Er ist noch sehr jung und muss noch einiges lernen. Wir haben nun sechs Rennen hinter uns. In den ersten drei Rennen hätte er besser sein können, ohne etwas am Bike zu verändern. Seine mentale Einstellung war nicht zu hundert Prozent perfekt. Er muss akzeptieren, dass man hundert Prozent gibt oder nicht. Es gibt keine 98 oder 95 Prozent, das ist nicht genug. Das hat er nun verstanden. Dann kamen Jerez und Frankreich. Wir konnten das Bike verbessern, aber es fehlt im Vergleich zu den Gegnern immer noch beim Turning. Da die Moto2-Klasse so eng ist, wird die Lücke sehr groß, wenn man eine halbe Zehntel pro Kurve bei zwölf Kurven pro Runde verliert.

Welche der aktuellen Moto2-Maschinen ist die beste? Kalex, Speed-Up?

Warum erwähnst du Tech3 nicht? [lacht]

Also habt ihr die falschen Fahrer?

Nein, nein. Marcel ist ein sehr guter Fahrer. Ich bewerte ihn sehr hoch. Ich denke, dass die Maschinen sehr ähnlich sind, aber die kleinen Dinge machen den Unterschied. Das Feld liegt sehr eng zusammen. Ich weiß nicht, welches Bike das beste ist, aber der Hersteller, der die meisten Fahrer auf seinem Bike hat, hat große Vorteile bei den Entwicklung.

Kalex befindet sich in diesem Jahr in dieser Situation, weil sie einen sehr, sehr guten Job gemacht haben. Ich denke nicht, dass das gut für die Weltmeisterschaft ist, aber das ist ein anderes Thema. Sie können in einem Rennen so viele Settings testen wie wir in einer halben Saison. Daher können sie die Informationen besser filtern und so eine Entwicklungsrichtung finden.

Ist es für Tech3 nun einfacher, da auch Louis Rossi aus dem Team Tasca Racing 2015 auf einer Mistral 610 unterwegs ist?

Ja, wir hatten erst zwei Fahrer, nun haben wir in diesem Jahr drei. Ich bin sehr dankbar, dass Louis und sein Team uns nun helfen. Marcel ist bisher viel besser als die anderen, was die Resultate betrifft. Das machte es für uns aber auch sehr schwer, eine Richtung zu finden und dann Settings zu testen.

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