Schrötter-Crew-Chief: «Marcel wird es schaffen»

Von Sharleena Wirsing
Moto2
«Wir arbeiten eng mit Kalex zusammen, um Marcel bei der Umstellung zu helfen», erklärte Schrötters AGR-Crew-Chief im Interview mit SPEEDWEEK.com. Er rechnet schon bald mit Top-Ergebnissen.

Chus Sanchez, der bis 2015 für Axel Pons arbeitete, ist in der Saison 2016 der Crew-Chief von AGR-Neuling Marcel Schrötter. Der Bayer muss sich 2016 von der Mistral 610 des Tech3-Teams auf die neuste Version der Kalex und von Öhlins auf die Federelemente von WP umstellen.

Obwohl sich in Sachen Speed eine Steigerung in den ersten vier Rennen abzeichnete, konnte Schrötter noch kein Top-Resultat ins Ziel bringen. In Jerez stürmte er auf die fünfte Position nach vorne, stürzte auf Platz 7 liegend, rappelte sich auf und stürzte später erneut.

SPEEDWEEK.com sprach mit Schrötters Crew-Chief Chus Sanchez über seine Arbeit mit Schrötter, dessen Stärken und die weiteren Ziele.

Chus, du arbeitest nun seit einigen Monaten mit Marcel Schrötter zusammen. Welchen Eindruck hast du von ihm gewonnen?

Marcel ist ein sehr guter Fahrer, daher ist die Arbeit mit ihm sehr angenehm. Er ist sehr clever und hat ein gutes Gefühl für das Motorrad. Das merkt man überall: in langsamen und schnellen Kurven, am Kurveneingang sowie in der Mitte und am Kurvenausgang. Er ist ein erfahrener Pilot, der schon auf vielen unterschiedlichen Maschinen saß. Er hat also viel erlebt. Was seinen Charakter betrifft: Er ist ein sehr netter Kerl. Was ich sehr mag, ist die Tatsache, dass er sich nicht nur auf das Motorrad konzentriert, denn manche Fahrer denken nur an das Set-up. Er kann auch sagen: ‹Okay, das Bike ist nun so, ich arbeite damit.›

Kann er dir immer präzise mitteilen, woran gearbeitet werden muss?

Ja. Die Kommunikation mit ihm ist schon recht gut. Wenn er in die Box kommt, entspannt er sich kurz, denkt nach und erklärt dann, was passiert ist. Nach den Sessions arbeiten wir zusammen mit den Daten, bei der Kommunikation gibt es keinerlei Probleme.

2016 bietet eine große Chance für Marcel, denn erstmals hat er neben einem guten Team mit der Kalex auch ein konkurrenzfähiges Bike.

Ja, da stimme ich zu. Unser Team verbessert sich in jedem Jahr. Unser Ziel ist immer dasselbe: der Sieg. Jeder ist hier, um zu gewinnen. Realistisch gesehen, sind derzeit Top-10-Plätze mit beiden Fahrern sehr zufriedenstellend, denn diese Kategorie ist nicht einfach. Eine halbe Sekunde wirft dich auf Platz 13 oder 14 zurück. Das macht es nicht einfach.

Du hast viele Jahre mit Axel Pons zusammengearbeitet. Was unterscheidet ihn von Marcel?

Sie sind komplett unterschiedliche Fahrer, nicht unbedingt wegen des Fahrstils, sondern wegen ihrer Persönlichkeit. Axel und ich haben eine besondere Beziehung, weil ich schon vor 30 Jahren mit seinem Vater zusammenarbeitete. Vielleicht war es nicht das Beste, in dieser privaten Atmosphäre als Fahrer und Techniker zusammenzuarbeiten. Daher entschieden wir uns, dass er nun mit Alfred [Willeke] arbeitet und ich mit Marcel. Auf der Strecke ist Axel ein Fahrer, der viel beim Bremsen gutmachen will, er fährt sehr aggressiv. Marcel ist da etwas anders, er will eher ein Bike, das ihm eine gute Beschleunigung bietet, damit er viel Kurvenspeed fahren kann.

Kannst du anhand der Daten sehen, worin Marcels Stärken und Schwächen liegen?

Man kann keine klaren Stärken und Schwächen festmachen, da im Moment noch viel von der Strecke und von den Bedingungen abhängt. Man kann sicher nicht sagen, dass Marcel in einem gewissen Bereich schlecht wäre.

In den ersten Rennen hatte Marcel Schrötter etwas mehr erwartet. Er wollte es regelmäßig unter die Top-8 schaffen. Denkst du, dass er mit dem neuen Team, dem neuen Bike und der neuen Dämpfung einfach noch etwas mehr Zeit braucht?

Das Team weiß, dass er ein sehr guter Fahrer ist. Das konnte man schon oft sehen. In den letzten zwei Jahren fuhr er bei Tech3 ein anderes Bike. Anfangs ist es nicht einfach, das Bike zu wechseln. Zudem kommt man mit einem Arbeitssystem in ein neues Team, das man erst an die neuen Umstände anpassen muss. Wir arbeiten sehr eng mit Alex Baumgärtel von Kalex zusammen, um Marcel bei der Umstellung zu helfen. Eine Maschine ist nie perfekt, doch manchmal kann der Fahrer durch Anpassung noch mehr herausholen. Das ist derzeit unsere Herausforderung. Unsere Entwicklung ist gut, aber natürlich würden wir gerne weiter vorne liegen.

Marcel wurde in der Vergangenheit dafür kritisiert, in den ersten Runden nicht aggressiv genug ans Werk zu gehen. Kannst du das bestätigen?

Im Moment kann ich dem nicht zustimmen. Ich finde, er arbeitet am Start und in der Anfangsphase gut.

Wird er es in den nächsten Rennen weiter nach vorne schaffen?

Ja, davon gehen wir aus. Es gibt viele Fahrer, die in diesem Jahr sehr konkurrenzfähig sind. Wir reden hier nicht nur über Leistung, sondern auch ein bisschen von Glück. Es geht nur um wenige Zehntel, nur im Kleinigkeiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass er das Potenzial hat, es nach vorne zu schaffen.

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