Kein Red Bull-Team in der Moto3-WM 2018

Von Günther Wiesinger
Moto3
Riesenüberraschung in der Moto3-Klasse: Das Red Bull-KTM-Team von Aki Ajo wird es in dieser Form nicht mehr geben. Pit Beirer (KTM): «Wir müssen uns breiter aufstellen.»

Am Freitag wurde SPEEDWEEK.com beim Brünn-GP auf eine überraschende Neuigkeit aufmerksam: Bei Red Bull und KTM wurde entschieden, das Moto3-Team von Aki Ajo nach sechs Jahren in der Weltmeisterschaft 2018 nicht mehr in der diesjährigen Form zu unterstützen.


Das kommt überraschend, weil Ajo seit 2012 jedes Jahr um den Titel gefightet hat, mit Cortese, Salom, Miller, Oliveira und Binder, zweimal hat er die Fahrer-WM gewonnen – 2012 mit Cortese, 2016 mit Binder.
«Ja, dieses Gerücht habe ich auch schon gehört», entgegnete Pit Beirer Motorsport-Direktor von KTM, als er von SPEEDWEEK.com auf dieses Thema angesprochen wurde.

Und dann ging Beirer ausführlich auf die Problematik ein, die er in einigen Interviews in diesem Jahr schon deutlich erörtert hat.
«Uns fahren jetzt in der Moto3-WM dauernd etliche Red Bull KTM-Rookies wie Mir, Marti und Di Giannantonio um die Ohren, die alle schon bei uns waren. Aber jetzt sitzen sie auf Honda», ärgert sich Beirer.

Im Grund geht es darum, dass KTM bei den Moto3-Kundenteams künftig mehr Einfluss auf die Fahrerwahl nehmen will. Deshalb wurde ein neues Konzept überlegt.
Neben SKY VR46, RBA, Südmetall Schedl Racing (Öttl steigt eventuell in die Moto2 auf), Platinum Bay Real Estate und AGR ist für 2018 das Saxoprint-Team als KTM-Partner vorgesehen, auch CIP-Chef Alain Bronec hat angefragt und starkes Interesse gezeigt. Er fährt 2017 mit Mahindra und den Piloten Bezzecchi und Pagliani.
Beirer: «Aber die Teams müssen zuerst warten, ob sie ihre Plätze vom Selektions-Komitee wieder bekommen. Deshalb können wir momentan noch gar keine konkreten Verträge für das nächste Jahr unterschreiben.» 


Und warum könnte die Zusammenarbeit mit Aki Ajo beendet werden? Weil er 2017 mit Niccolò Antonelli und Bo Bendsneyder klar hinter den Erwartungen geblieben ist? Bendsneyder schaffte ja zu Beispiel in Brünn in seiner zweiten WM-Saison den vierten Rang.
«Nein, wenn wir über diese Entscheidung nachdenken, hat sie nichts mit der Person Aki Ajo zu tun», erklärte Pit Beirer. «Aber wir müssen uns in der Moto3-WM breiter aufstellen und unseren jungen Fahrern, die aus dem Rookies-Cup kommen, bessere Möglichkeiten für die Zukunft bieten. Wenn wir mit Red-Bull-Ajo immer nur ein Team haben, bei dem wir bei der Fahrerverpflichtung direkt mitreden, sind uns die Hände gebunden. Wir müssen unser Engagement ausdehnen. Bisher hatten die anderen Teams immer die Befürchtung, dass jenes Team, auf dem groß Red Bull und KTM steht, unser Werksteam ist, das bevorzugt wird. Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Denn das Reglement schreibt ja vor, dass alle Teams dasselbe Material bekommen, es gibt in dieser Klasse keine Werksmaschinen, nur Production-Racer.»


«Wir müssen den Rookies künftig Priorität einräumen», ergänzte Pit Beirer. «Wir müssen die besten Red Bull-Rookies im kommenden Jahr jeweils in einem KTM-WM-Team unterbringen; wir müssen sie auf dem Weg zur Weltspitze weiter begleiten.»


KTM will den Kundenteams in der Moto3-WM künftig eine engere Zusammenarbeit anbieten, wie es von Honda seit 2015 vorexerziert wird. Dort mischte sich HRC oft ein, wenn sich ein Team wie Gresini einen gewissen Topfahrer nicht leisten konnte. Die Japaner übernahmen dann die Gage oder senkten die Leasinggebühren – wie beim Racing Team Germany, bei Gresini, bei Marinelli Rivacold (für Fenati) und so weiter.


Beirer: «Wenn ein KTM-WM-Team künftig einen guten Fahrer aus dem Rookies-Cup aufnimmt, wenn sie uns also bei der Fahrerwahl wesentlich mitreden lassen, dann werden wir diesen Fahrer finanziell unterstützen. Diese Unterstützung wird also an den Fahrer gebunden sein; er bringt dieser Unterstützung ins Team mit.» 


Moto3-Zukunft bei Aki Ajo ungewiss

Dieses System wurde bisher nur bei Philipp Öttl im Südmetall Schedl Racing Team angewendet.
Ob Aki Ajo 2018 trotzdem ein KTM-Moto3-Team betreiben wird, ist ungewiss. Ihm stehen auf jedem Fall zwei Plätze zu.

Und Aki Ajo hat auch in der Moto2-WM mit Johann Zarco zwei Jahre lang erfolgreich einen Rennstall ohne Red Bull-Geld betrieben – und zweimal den WM-Titel gewonnen.

Die unerfreuliche Situation des Red Bull KTM-Teams 2017: Bendsneyder und Antonelli liegen in der WM auf den Rängen 13 und 19.


«Aki Ajo erwartet in der Moto3-Klasse von KTM Werksunterstützung. Die können wir ihm aber gar nicht gegen, weil es vom Reglement her nicht mehr erlaubt ist», betont Beirer. «Deshalb ist Aki in gewisser Weise unzufrieden. Gleichzeitig sind die Kundenteams alle unzufrieden, weil sie glauben, Akis Team werde bei uns bevorzugt. Es gibt aber keine Werksteams in diesem Moto3-Feld. Wir sind also politisch in einer Situation, in der wir uns nicht wohlfühlen. Deshalb werden wir unsere Beteiligung in der Moto3-Klasse neu aufsetzen. Wir werden generell überlegen, was wir in Zukunft in der Moto3 machen. Dass auch Fahrer aus anderen KTM-Teams schnell sein können, haben wir in diesem Jahr bei Migno, Guevara und Ramirez erlebt – auch gestern in Brünn. Wir freuen uns bei KTM über einen Podestplatz von Marcos Ramirez genauso wie über einen Erfolg eines Red Bull KTM-Piloten.»

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