Vorschlag Freudenberg: So kriegen wir nächsten Folger

Von Esther Babel
Moto3

Seit Philipp Öttl 2013 hat es kein Deutscher in den Grand-Prix-Sport geschafft. Woran liegt es, dass Talenten wie Florian Alt oder Tim Georgi der Durchbruch nicht gelingt? Teamchef Freudenberg auf Erklärungssuche.

Michael und Carsten Freudenberg, die Eigentümer des gleichnamigen Teams aus Sachsen, haben sich die letzten Jahre um den deutschen Nachwuchs verdient gemacht, wie kaum andere.

Dieses Jahr gewann sie mit Max Enderlein den Titel in der IDM Supersport und waren mit Luca Grünwald, Jan-Ole Jähnig und Max Kappler in der Supersport-300-WM am Start. Sehr erfolgreich, Grünwald wurde WM-Vierter!

Ihnen liegt es sehr am Herzen, endlich wieder einen Deutschen im Grand-Prix-Sport zu etablieren, seit Philipp Öttl 2013 ist das keinem gelungen.

Carsten Freudenberg schildert seine Ideen exklusiv auf SPEEDWEEK.com.

«Motorsport-Nachwuchs in Deutschland ist ein ganz schwieriges Thema. Zuerst möchte ich sagen, dass ich den höchsten Respekt vor allen Nachwuchsfahrern habe, auch deren Eltern, die im Pocket-Bike- und Mini-Bike- und später im Junior-Cup teilweise ihren kompletten Familien-Urlaub aufbrauchen und jede freie Minute in den Rennsport investieren. Nur damit die Kinder ihren Traum leben können. Vielleicht hat man so als Familie auch das geheime Ziel, mal Rossi und Co nachzueifern und in die Weltmeisterschaft einzusteigen.»

«Ich würde mir wünschen, dass unsere Nachwuchsfahrer, die in den nächsten Jahren hoffentlich weiterkommen möchten, eine professionelle Struktur vorfinden. Damit es nicht so wie jetzt ist, wo alles dem Zufall überlassen bleibt. Dass es nicht mehr oder weniger den Eltern und den Teams überlassen wird, die ganze Nachwuchsarbeit in Deutschland zu leisten. Es ist ein Armutszeugnis für den gesamten deutschen Motorsport. Wir sind eines der stärksten Wirtschaftsländer in Europa. Wenn wir so weitermachen, und wir über den DMSB und den ADAC keine professionelle Förderung auf die Reihe bekommen, werden wir eines Tages mit leeren Händen dastehen. Länder wie Spanien und Italien sind uns da weit voraus. Es wäre schade, wenn man bedenkt, was wir für namhafte Rennfahrer in unseren Reihen hatten und haben. Da brauche ich nur unseren legendären Waldi zu erwähnen oder auch Jonas Folger oder Marcel Schrötter. Das sollte allen Hoffnung geben und das sollten sie auch als Ansporn nehmen. Im Fußball, der DFB macht es vor, gibt es eine Scouting-Abteilung und man hat Nachwuchs-Zentren in den verschiedenen Bundesländern errichtet. Da werden Kinder und Jugendliche ganz professionell von unten im Amateurbereich beobachtet und gescoutet. Wenn sie sehen, dass da Talente dahinterstecken, werden sie in Richtung dieser Nachwuchszentren weiter gefördert.»

«Ich habe auf SPEEDWEEK.com den Artikel gelesen über die möglichen Kandidaten für die Red Bull Rookies Cup-Sichtung. Ich habe wie gesagt riesen Respekt für jeden Sportler, der dieses Hobby ausübt und alles investiert. Aber dann finde ich es schade und auch gegenüber den Fahrern und ihren Eltern mehr als bedenklich, wenn das nicht gewürdigt wird und wenig Aufmerksamkeit zurückkommt. Wenn ich diese Namen lese, muss ich sagen, dass ich sie vielleicht schon mal am Rand gehört habe, aber eigentlich kennt man diese Fahrer nicht. Da sind wir wieder bei dem Punkt. Der ADAC Junior Cup müsste wieder im Rahmen der IDM stattfinden. Dort war es in der Vergangenheit so, als ein Marcel Schrötter, Tom Lüthi oder auch Tim Georgi und Dirk Geiger im Cup unterwegs waren, dass wir alle Fahrer dort kennengelernt haben. Die etwas professionelleren Teams haben die Fahrer dort getroffen und konnten sie an der Strecke beobachten. Das war immer ganz wichtig, wenn man dort jemanden fördern wollte. So wie es jetzt ist, dass man lieber im Rahmen von irgendwelchen WM-Veranstaltungen oder auch der Britischen Superbike-Meisterschaft mitfährt, das ist nicht der richtige Weg.»

Zusammenlegung der Klassen

«Mein Vorschlag: Den Junior-Cup wieder in die IDM integrieren. Vielleicht gibt es da auch die Möglichkeit, die Supersport-300-Klasse und den Junior-Cup zusammen fahren zu lassen. Das sind ja vom Motorrad her dieselben Bikes. Das wäre keine schlechte Sache, denn da könnten die Cup-Fahrer schon von den IDM-Piloten lernen. Und umgekehrt wäre dann auch ein ordentliches Startfeld da. Das fände ich gut.»

«Ein Riesenvorteil in der IDM ist nach wie vor, dass es genug Fahrzeit gibt. Das ist mir nach wie vor viel zu wenig im derzeitigen Junior-Cup. Da fahren die Freitagabend, wenn es dunkel wird 20 oder 30 Minuten, Samstag und Sonntag dann ein Rennen, wenn alle schon nach Hause gehen. Das findet meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Siegerehrung findet ja noch nicht mal auf dem offiziellen Podium statt, sondern irgendwo nebendran. Das sollte nicht so sein. Das stellt nicht den Wert der Veranstaltung dar und wirft kein gutes Licht auf Nachwuchsfahrer und auf die Sponsoren, die da vielleicht mal mit hinkommen.»

«In der IDM könnten sie ohne Probleme zwei Rennen fahren, hätten ordentlich Fahrzeiten. Freies Training am Freitag, Qualifying am Samstag und ein Warm-up. Jeder junge Fahrer kann sich nur weiterentwickeln, wenn er auf dem Motorrad sitzt und möglichst viele Kilometer auf der Rennstrecke absolviert. Das wäre eine coole Sache.»

«Mit Max Enderlein waren wir in diesem Jahr bei der IDM Supersport 600 dabei. Daher bin ich noch ein wenig in Kontakt mit dem Promoter. Sind wir ehrlich: Die geben sich Mühe, aber Wunder kann man keine erwarten. Ich finde, aus dem was sie zur Verfügung haben, machen sie das Beste. Sie haben auch ein offenes Ohr für die Teams und die Fahrer. Die Stimmung im Fahrerlager ist auch nicht ganz schlecht. Das sportliche Niveau ist sehr hoch. Die Superbike-Klasse, Supersport 600 und Supersport 300, das sind alles Klassen, die von den Zeiten her und auch sonst attraktiven Motorsport bieten. Es geht etwas unter, weil leider die ganze Berichterstattung im TV fehlt. Aber vielleicht wird es ja in den nächsten Jahren besser. Dann könnte man das auch wieder besser in den Medien darstellen.»

Georgi und Geiger könnten es schaffen

«Tim Georgi und Dirk Geiger sind für mich die beiden Fahrer, die es vielleicht noch mal schaffen könnten in Richtung Moto3-WM. Aber dann müsste eine professionelle Struktur her. In der Form, dass ADAC und DMSB so eine Art German Talent Team gründen, das dann fest stationiert ist, um die Fahrer auszubilden und sie ohne finanzielle Sorgen betreut werden. Und nicht, dass die Eltern größere finanzielle Mittel bereitstellen oder sogar Schulden aufnehmen müssen, um den Kindern den Rennsport zu ermöglichen. Das ist der falsche Weg. Das müsste auf dieser Ebene ablaufen.»

«Das nächste wäre, dass sie in einer Sportschule untergebracht sein müssten, und nicht mehr die ganze Woche zuhause in ihrem gewohnten Umfeld. Sondern eher so, wie es im Fußball gang und gebe ist. Wenn die Talente entdeckt werden, gehen sie auch in Sportschulen und sind die ganze Woche über unter Betreuung und der Sport, und alles was damit zusammenhängt, wird in den Vordergrund gestellt. Dann kann sich auch ein Profisportler entwickeln.»

«Für mich gibt es zwei Wege, um ganz nach oben zu kommen. Das wäre vom ADAC-Junior-Cup-Sieger über die IDM Supersport 300, wo man nach Möglichkeit den Titel holen sollte, um von dort in die Supersport-300-WM aufzusteigen. Das ist sicherlich der Weg, der finanziell am ehesten machbar ist. Der andere Weg wäre, als Junior-Cup-Sieger direkt nach Spanien in den European Talent Cup, der Honda-Standard-Klasse. Aber da reden wir schon wieder von Kosten, so zwischen 70 und 80.000 Euro. Wenn man dann dort im ETC vorne mit dabei ist, kann man in die Junior-WM aufsteigen, da reden wir dann schon über Kosten von über 200.000 Euro. Je nach Paket, wenn man richtiges Werksmaterial einsetzen will, können das auch gerne 250.000 Euro sein. Das kann beim besten Willen keine Familie mit ihrem Kind selber finanzieren. Da braucht man solche Partner wie den ADAC oder den DMSB, die ja die höchsten Organisationen in Deutschland sind, und die auch in der Lage wären, so was zu ermöglichen.»

«Wir sind mit Leib und Seele dabei und uns als Team Freudenberg tut es weh, dass keine deutschen Fahrer so richtig weiterkommen. Es geht nur über eine professionellere Struktur. Die Spanier und Italiener machen es vor. Wir haben nun mal keine VR46-Akademie wie Valentino Rossi, aber vielleicht kann man in Deutschland mal in der Richtung etwas installieren, wenn man die Industrie und alle Partner bündelt. Dort werden drei, vier Fahrer konsequent gefördert. Und nicht nur über ein paar Monate, sondern über zwei Jahre. Damit für die Fahrer ein Rückhalt und eine Sicherheit besteht. Und dann muss man an ihnen festhalten. Dann wird sich auch mal wieder ein neuer Grand-Prix-Fahrer aus Deutschland herausbilden.»

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