LaGlisse weg? Maria Herrera bangt um GP-Zukunft

Von Günther Wiesinger
Moto3
Maria Herrera

Maria Herrera

Erleben wir in der Moto3-WM 2016 nur elf statt 13 KTM? Und ist es mit der Frauen-Power vorbei? Denn das LaGlisse-Team steht vor dem Zusperren.

Das spanische LaGlisse-Team blickt auf eine wechselhafte Vergangenheit zurück. Es gab etliche Ungereimtheiten, aber auch den Moto3-Titelgewinn 2013 mit Maverick Vinales auf KTM.

Im Vorjahr ging das Team unter, die Sponsoren und Topfahrer fehlten. Und jetzt ist die Finanzierung für 2016 nicht gesichert, in Spanien wird der Rennstall bereits als zahlungsunfähig bezeichnet.

LaGlisse muss bis 5. Februar entscheiden, ob sie an der WM teilnehmen oder nicht. Bei einem Rückzug wären Maria Herrera und Lorenzo Dalla Porta arbeitslos.

In der Moto3-Weltmeisterschaft 2015 bildete die Truppe von LaGlisse-Teambesitzer Jaime Fernández-Avilés noch das Husqvarna Factory Team, das 2014 Aki Ajo anvertraut war.

Die Saison 2015 wurde mit Isaac Vinales und Maria Herrera begonnen, doch Vinales wurde wegen nicht geleisteter Sponsorship-Mitgift und schwankender Leistungen im Juli durch Lorenzo Dalla Porta ersetzt.

In der Saison 2014 trat LaGlisse noch unter der Bezeichnung Calvo-Team mit Jakub Kornfeil und Isaac Vinales auf. Aber dann ging Sponsor Calvo verloren, Teammanager Pablo Nieto wanderte zum Sky VR46-KTM-Team von Valentino Rossi ab, wo er dem ehemaligen Ducati-Manager Vittoriano Guareschi nachfolgte. Seither war das Geld knapp bei LaGlisse.

Pablo Nieto hatte 2013 bei LaGlisse das Ruder übernommen, weil Teambesitzer Jaime Fernández-Avilés wegen Betrugsverdachts eine Gefängnisstrafe drohte. Ihm wurde vorgeworfen, er habe in der Spanischen Meisterschaft zu den Zeiten von Luis d'Antin einen Team-Lkw durch Urkundenfälschung unrechtmässig in seinen Besitz gebracht.

Aber die LaGlisse-Mannschaft erlebte auch rosige Zeiten: 2013 gewann sie beim Finale in Valencia mit Maverick Vinales die Moto3-Weltmeisterschaft – gleich im ersten Jahr mit KTM und im Kampf gegen das Red Bull-KTM-Ajo-Werksteam mit Luis Salom und gegen das Estrella Galicia-0,0-KTM-Team von Alzamora mit Alex Rins.

Zuletzt fehlten die grossen Sponsoren, deshalb musste LaGlisse wieder kleinere Brötchen backen. 2016 sollte nach dem Rückzug von Husqvarna wieder auf KTM gefahren werden, das Fahrerduo mit Dalla Porta und der tüchtigen Maria Herrera sollte unverändert bleiben...

Vor bald drei Jahren gab es in der Moto3-Weltmeisterschaft einen Knallefffekt: Der damalige JHK-T-Shirt-LaGlisse-Teambesitzer Jaime Fernández-Avilés wurde wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 52.000 Euro verurteilt.

Das Team von Fernández-Avilés hatte 2012 die Moto3-WM mit Efren Vazquez und Adrian Martin (auf FTR-Honda) bestritten und wollte dann höher hinaus. Deshalb engagierte es den Titelfavoriten Maverick Viñales und sicherte sich Werksmaschinen von KTM.

Doch Teamchef Jaime Fernández-Avilés wurde von Sünden aus der Vergangenheit eingeholt. Er hatte 2005 einen 48.000 Euro teuren Lkw für sein Rennteam gemietet und ihn dann nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurückgebracht. Ihm wurde später vorgeworfen, er haben stattdessen einen Kaufvertrag gefälscht, um das Fahrzeug auf illegale Weise auf seinen Namen anmelden zu können. Jaime Fernández-Avilés wurde im Februar 2013 wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 52.000 Euro verurteilt. Er sollte damals seine Haftstrafe am 12. März 2013 antreten. Er rechne damit, nur drei bis vier Monate absitzen zu müssen, liess Fernández-Avilés gegenüber spanischen Journalisten durchblicken.

Der Teambesitzer war über den ehemaligen MotoGP-Teamchef Luis d'Antin zum Motorradsport gekommen und hatte einst dessen Team in der Spanischen Meisterschaft geleitet, ehe die Ermittlungen gegen ihn begannen.

Die Ermittlungen erstreckten sich über Jahre hin, Fernández-Avilés legte immer wieder Einsprüche ein und zog das Verfahren zur nächsten Instanz. Aber im Winter 2012/2013 wurde die letzte Beschwerde der Rechtsanwälte abgewiesen.

Der Teambesitzer ist ein Gambler, der im Fahrerlager gerne seinen 3,5-Liter-Mercedes CLS zur Schau stellt. Im November 2012 hatte er Kopfschütteln geerntet, als er sich im Gegensatz zu Red-Bull-Teambesitzer Aki Ajo bereit erklärte, die von Blusens-BQR-Teamchef Raul Romero und Viñales-Manager Ricard Jové geforderte Ablösesumme von rund 450.000 Euro für Ausnahmekönner Maverick Viñales zu bezahlen.

Jaime Fernández-Avilés pokerte damals hoch und hoffte, dank Titelanwärter Viñales viele Sponsoren anlocken und sich dadurch sanieren zu können. Mit der 16-jährigen Ana Carrasco brachte er eine junge Rennfahrerin in die WM, auch das garantierte Publicity.

Die Verurteilung traf ihn dann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Die Haft blieb dem Teamchef nicht erspart, auch wenn er im Gefängnis tagsüber Freigang erhielt und nur die Nächte dort verbringen musste. Aber Fernández-Avilés durfte Europa ein ganzes Jahr lang nicht verlassen.

Jaime Fernández-Avilés entfernte sich damals selbst aus dem Schussfeld und zog sich etwas aus dem Rampenlicht zurück. Er übergab die Führung des Teams im März 2013 an LaGlisse-Sportdirektor Pablo Nieto, der das Überleben des Teams absicherte.

Denn mit einem verurteilten Straftäter wie Jaime Fernández-Avilés und einem Skandalteam wollte kein Werk wie KTM oder irgendein Sponsor etwas zu tun haben. Pablo Nieto, Sohn des 13-fachen Weltmeister Angel Nieto, führte selber bereits einige GP-Teams und hatte als ehemaliger KTM-125-Werksfahrer beste Beziehungen nach Mattighofen. Unter seinem Management wurde gleich im ersten Jahr mit Vinales der WM-Titel gewonnen. Aber im Herbst 2014 übernahm Pablo das Management des Sky VR 46-KTM-Teams von Rossi. Danach ging es mit LaGlisse steil bergab.

Die triste Bilanz 2015: Lorenzo Dalla Porta landete auf dem 25. WM-Rang, Maria Herrera auf dem 29.

Und wenn kein Wunder passiert, gehen bei LaGlisse in wenigen Tagen ganz die Lichter aus. Und dann droht nach Ana Carrasco auch Maria Herrera das Aus in der Moto3-WM.

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