Miguel Oliveira: «Die BMW ist nicht weit von einem MotoGP-Bike entfernt»
Miguel Oliveira vergleicht das Fahrgefühl des BMW-Superbikes mit seinen Erinnerungen an die MotoGP und staunt, zu welchen Rundenzeiten die seriennahe M1000RR fähig ist.
Nach dem Ende seiner MotoGP-Karriere 2025 hat Miguel Oliveira ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der fünffache Grand-Prix-Sieger wechselte ins BMW-Werksteam der Superbike-WM. Der Portugiese, der von 2019 bis 2025 in der MotoGP fuhr – vier Jahre bei KTM (davon zwei als Werkspilot), zwei Jahre als Aprilia-Satellitenfahrer und zuletzt ein Jahr bei Pramac-Yamaha – sammelte bei den ersten Tests auf der BMW M1000RR bereits viele Eindrücke und hinterließ einen positiven Eindruck.
Der Umstieg vom Prototyp auf ein seriennahes Superbike fühlte sich für Oliveira zunächst radikal an. «Es war, als würde man nach England gehen und auf der rechten Straßenseite fahren. Alles war so anders, es fühlte sich seltsam an», beschrieb er seine ersten Kilometer im Exklusiv-Gespräch mit SPEEDWEEK.com-Chefredakteur Ivo Schützbach.
Die Umgewöhnung sei umfassend gewesen: «Man muss sich an das andere Feedback gewöhnen, das man von den Reifen, der Elektronik, dem Motor, den Bremsen – einfach von allem – bekommt.» Vieles habe zunächst nicht zu seinen gewohnten Referenzen gepasst, «sodass es eine Weile gedauert hat, bis sich mein Gehirn wieder an alles angepasst hat». Doch je mehr Vertrauen entstand, desto klarer wurde für Oliveira: «Sobald ich mich auf dem Bike wohler fühlte, hat es richtig Spaß gemacht, es zu fahren.»
Ein wesentlicher Unterschied zur MotoGP liegt im grundsätzlichen Konzept der Motorräder. Superbikes kommen ohne Ride-Height-Devices und viele der extremen Prototypen-Lösungen aus, die in der Königsklasse Standard sind. «Es ist definitiv eine andere Philosophie eines Motorrads», erklärte Oliveira.
Aus seiner bisherigen Beobachtung ergibt sich auch ein anderes Rennbild: «In der MotoGP ist jeder sehr dicht beieinander, das ganze Feld ist extrem eng zusammen. Im Superbike sehe ich, dass alle etwas weiter auseinandergezogen sind und es ein paar Überholmanöver mehr gibt.» Wie konkurrenzfähig er selbst sein wird, könne er erst nach den ersten Rennwochenenden beurteilen.
Die Rundenzeiten überraschen den Superbike-Rookie
Erstaunt zeigte sich Oliveira jedoch von der Performance des Superbikes im Vergleich zur MotoGP. «Es ist ziemlich überraschend, wie nah die Rundenzeiten an denen eines MotoGP-Bikes herankommen, wenn man bedenkt, dass dieses Motorrad von einem Serienbike abstammt. Das ist wirklich beeindruckend.»
Auch technisch haben moderne Superbikes für den Ex-MotoGP-Piloten nichts Anachronistisches mehr. «Es ist sehr beeindruckend, und die Bikes sind sich ähnlich, was den Umgang mit der Elektronik betrifft», sagte Oliveira. Durch die freiere Entwicklung von Software und Parametern sei man im Superbike-Bereich teilweise sogar offener als in der MotoGP – mit allen Chancen und Risiken. «Man kann sich das Leben ein bisschen komplizierter machen, ist aber gleichzeitig freier.»
Unterschiede bleiben dennoch klar spürbar, vor allem beim Bremsen und auf den Geraden. «Die Bremsen sind anders, und sie machen einen enormen Unterschied beim Verzögern», erklärte Oliveira mit Blick auf die klassischen Stahl-Bremsscheiben in der Superbike-WM.
Zwar sei die MotoGP «unbestreitbar schneller», doch die BMW habe ihn dennoch beeindruckt: «Für ein Motorrad, das von einem Serienbike abstammt, ist dieses Bike wirklich sehr gut, sehr beeindruckend in Bezug auf Geschwindigkeit und Leistungsentfaltung. Es ist tatsächlich nicht so weit von einem MotoGP-Bike entfernt – zumindest die BMW.»
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