MotoGP-WM-Zukunft: Die Suche nach neuen Partnern

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Marc Márquez: Dreimal Weltmeister in vier Jahren

Marc Márquez: Dreimal Weltmeister in vier Jahren

In der MotoGP-Saison 2018 sollten alle sechs Werke ein Kundenteam ausrüsten. Aber LCR und Marc VDS fühlen sich bei Honda gut aufgehoben. Avintia liebäugelt mit Suzuki. Aprilia und KTM könnten sich schwer tun.

In der MotoGP-Weltmeisterschaft hat Honda in den letzten vier Jahren dreimal den Titel mit Marc Márquez gewonnen – 2013, 2014 und 2016.

Aber oft war nur der überragende Marc Márquez mit seinem überragenden Fahrtalent und seiner außergewöhnlichen Risikobereitschaft in der Lage, den Stars von Yamaha und Ducati Paroli zu bieten. Denn die Honda RC213V war nicht immer das schlagkräftigste Paket.

Und als der Spanier 2014 die ersten zehn Rennen gewann, zweigte HRC wahrscheinlich zu viele Entwicklungs-Kapazitäten für die Moto3-WM ab.

Denn HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto und der gesamte HRC-Vorstand waren völlig verärgert, als KTM in dieser Kategorie plötzlich 27 Rennen hintereinander gewann.

Bei Honda sind einige Experten der Ansicht, man habe damals wegen der eigentlich nebensächlichen Moto3 die MotoGP-Entwicklung vorübergehend vernachlässigt.

Shinichi Kokubu, General Manager von HRC Technology und somit Chefentwickler für die GP-Maschinen NSF 250RW und RC213V, sei eine Zeitlang durch das Moto3-Programm abgelenkt gewesen, ist zu hören. Er war wochenlang bei Moto3-Tests in Almeria unterwegs...

Als weltweit grösser Motorradhersteller mit riesigen verkauften Stückzahlen in den kleinen Hubraumklassen wollte sich Honda in der 250-ccm-Viertaktklasse vom einstigen Zweitakt- und Offroad-Spezialisten KTM nicht ewig auf der Nase rumtanzen lassen.

Die Ablenkung von Kokubu führte zum Verlust der MotoGP-WM 2015 an Yamaha und Jorge Lorenzo, alle drei WM-Titel gingen an die Konkurrenz – Fahrer, Marken, Team.

Erst im Laufe der Saison 2016 mauserte sich die RC213V wieder zum Weltmeister-Motorrad, vier von fünf Piloten gewannen damit zumindest einen Grand Prix: Márquez, Pedrosa, Crutchlow und Miller. Nur Tito Rabat ging leer aus.

Honda setzt 2017 im Feld der 23 Fahrer wieder fünf Maschinen ein, nur Ducati hat mehr Bikes am Start – nämlich acht.

Das Marc VDS-Honda-Team hat mit den Japanern einen Drei-Jahres-Vertrag bis Ende 2017 für die MotoGP-WM.

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello hat seinen Vertrag für 2017 verlängert, er arbeitet seit 2006 in der Königsklasse mit Honda zusammen und will 2018 am liebsten zwei Fahrer einsetzen – wie 2015 mit MIller und Crutchlow.

«Was mich betrifft, so möchte ich auch nach der Saison 2017 mit Honda weitermachen», erklärte Cecchinello gegenüber SPEEDWEEK.com. «Wenn ein Team von Honda weggehen muss, dann hoffe und denke ich, dass es nicht LCR sein wird.»

Im Idealfall möchte Dorna-CEO für 2018 jeden der sechs Hersteller überreden, auch ein Kundenteam einzusetzen, sodass die 24 Plätze von sechs Werksteams und deren sechs Kundenteams beschlagnahmt werden. Aber da sich bisher kein Team für Aprilia-Bikes interessiert und Suzuki bisher die Logistik für ein Kundenteam nicht auf die Reihe bringt, könnte zwar zum Beispiel eines der zwei Ducati-Kundenteams (Avintia und Pull & Bear Aspar) zu KTM überlaufen, aber Honda könnte trotzdem mit drei Teams weitermachen.

Denn auch KTM muss zuerst einmal konkurrenzfähig sein, ehe sich ein renommiertes MotoGP-Team als Partner finden lässt. Avintia hingegen hat bereits Suzuki Avancen gemacht, vorläufig noch ohne sichtbaren Erfolg.

Tech3-Yamaha-Chef Hervé Poncharal sagt zwar, er sei für Angebote offen, aber er ist bei Yamaha seit dem Jahr 2000 in guten Händen. Und Pramac will sich nicht von Ducati trennen – die Kooperation begann bereits 2005.

Die Kundenteams haben gute Karten. Die Auswahl und das Angebot ist grösser geworden, deshalb sinken die Leasingkosten.

Ducati verlangt für die zwei 2017-Bikes von Petrucci bei Pramac rund 2,2 Millionen. Ein 2016-Motorrad dürfte 1,6 Millionen kosten, eine GP15 rund 1,2 Millionen.

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