Poncharal: «Folger könnte Deutschlands Held werden»

Von Sharleena Wirsing
MotoGP

Bevor Jonas Folger am 26. März in sein erstes MotoGP-Rennen starten wird, sprach SPEEDWEEK.com mit Tech3-Boss Hervé Poncharal über seine Mission, Druck und Konstanz.

Jonas Folger hat sehr viel natürliches Talent, er ist auf jedem Bike schnell, passt sich im Handumdrehen an neue Streckenbedingungen an und hat einen außerordentlichen Grundspeed. «Ja, genau. Das ist absolut korrekt», stimmt Tech3-Teamchef Hervé Poncharal zu. Worum man sich bei ihm Gedanken machen muss, ist die Konstanz. «Diesen Aspekt habe ich auch genau beobachtet und habe mit seinem ehemaligen Team darüber gesprochen. Natürlich haben wir dieselbe Sorge. Genau aus diesem Grund haben wir ihn bei den Tests so oft wie möglich Rennsimulationen und lange Runs fahren lassen. Okay, das waren bisher nur Tests, im Rennen herrscht mehr Druck. Aber bisher hat er die Konstanz. Er hat sie», freut sich Tech3-Teamchef Hervé Poncharal.

«Ich kann natürlich nur über die bisherigen Tests sprechen. Daher kann ich nicht sagen, in Katar werden wir dies und jenes erreichen. Wir werden unser Bestes tun. Niemand erwartet von ihm, dass er im ersten Jahr gewinnt. Das Ziel ist es, immer mehr zu lernen. Und natürlich bei jedem Rennen – von Lauf 1 bis 18 – ein noch besserer MotoGP-Fahrer zu werden.»

Derzeit wirkt Folger sehr entspannt. Er ist glücklich mit seinen Leistungen, dem Bike und dem Team. Was passiert, wenn er während der Saison unter Druck gerät? «Von diesen Bedenken wegen seinem Umgang mit Druck habe ich auch gehört. Bisher kann ich aus eigener Erfahrung darüber aber noch nichts sagen. Ich arbeite jedoch immer sehr offen mit meinem Team, sie sind wie meine Familie. Ein Fahrer ist für mich niemand, mit dem ich von 10 bis 11 Uhr im FP1 zusammenarbeite und dann von 14 bis 15 Uhr wieder. Mein Ziel, und das sage ich auch seiner Crew immer wieder, ist es, dass wir Jonas immer zu einem glücklichen jungen Mann machen. Ein Rennfahrer ist auch nur ein Mensch, der ein besonderes Talent für das Fahren eines Motorrads hat. Sie sind Menschen, meist sehr junge Menschen, die unter sehr großem Druck stehen. Unsere Aufgabe ist es daher, ihm das bestmögliche technische Paket bereitzustellen, aber ihm auch eine positive Einstellung zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass er sich um die Dinge außerhalb der Strecke nicht so viele Gedanken machen muss. Ich will, dass er immer lacht. Das ist nicht immer möglich, denn jeder Tag ist anders. Doch das ist unsere Mission», betont Poncharal.

«Die Beziehung und das Vertrauen im Team sind sehr wichtig, um ihm Gewicht von den Schultern zu nehmen. Ich habe ihm auch geraten, sich jemanden zu suchen, der ihn das gesamte Jahr begleitet und ihm zur Seite steht. Denn jeder im Team hat einen Job und kann sich nicht immer um den Fahrern kümmern. Er hat meinen Rat befolgt und nun einen jungen Mann Namens Sebi an seiner Seite. Dieser Junge ist ziemlich gut für ihn. Er steht Jonas nah und ist ein cleverer Kerl. Schau dir an, wie wichtig Uccio für Vale ist. Du musst dir ein Umfeld schaffen, das dir bei Problemen und Zweifeln helfen kann. Das ist vor allem für junge Fahrer sehr wichtig.»

Folger war beim Valencia-Test 2016 der beste MotoGP-Rookie seit Casey Stoner, wenn man den Rückstand zur Spitze betrachtet. Seine starken Leistungen setzte er auch bei den Tests 2017 fort. «Wir wissen, wie wichtig Deutschland in Europa und der Welt ist, wie stark die Wirtschaft ist und was für ein großer Event der Grand Prix auf dem Sachsenring ist. Daher bin ich stolz, dass wir vielleicht den besten deutschen MotoGP-Fahrer aller Zeiten in unserem Team haben. Vielleicht», bekräftigte der Franzose. 

«Ich bin stolz. Das ist eine Mission von uns. Ich würde es lieben, wenn die deutschen Fans einen Helden im Motorradsport erhalten, dem sie zujubeln können. Er könnte dieser Held werden. Ich weiß, dass in Deutschland die Autoindustrie sehr wichtig ist und daher im Motorsport meist nur das Aufmerksamkeit erhält, was vier Räder hat. Doch wir müssen es auch mit zwei Rädern versuchen. Mein Traum wäre es natürlich, wenn Jonas zum Helden wird und mehr Interesse für diesen Sport erzeugt. Dann könnte auch eine große deutsche Firma sich in unserem Sport engagieren und Titelsponsor werden. Das wäre ein Traumszenario», weiß Poncharal.

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