Loris Capirossi: Ist Grand Prix am Montag denkbar?

Von Günther Wiesinger
Loris Capirossi

Loris Capirossi

Momentan sieht es in Katar gut aus – die Sonne blinzelt durch, es ist trocken. Aber Loris Capirossi, Mitglied der Race Direction, musste sich nach dem Samstag-Desaster viele Fragen gefallen lassen.

Immer noch ist es in Doha und in Losail in Katar am Sonntag gegen 12 Uhr Ortszeit trocken, es hat rund 25 Grad, der angesagte Regen ist bisher ausgeblieben.

Ob das so bleibt und ob der Grand Prix heute zum geplanten Termin in allen drei Klassen abgewickelt werden kann, werden die nächsten Stunden zeigen.

Ex-Weltmeister Loris Capirossi, Mitglied der Race Direction, sprach im Interview über die Problematik mit der nassen Fahrbahn auf dem Losail Circuit.

Loris, bisher ist man immer davon ausgegangen, dass es hier in der Wüste nie regnet. Jetzt ist der Grand Prix zum zweiten Mal nach 2009 ernsthaft durch Regen bedroht.

Ja, wir wollten eigentlich gestern am Samstag herausfinden, ob man hier bei Flutlicht auf nasser Fahrbahn fahren kann. Das hat nicht funktioniert, weil zu viel Wasser auf der Strecke und in den Auslaufzonen stand.
Leider hat sich diese Möglichkeit mit dem Ausprobieren dann nicht ergeben.
Wir wollen für 2018 eine Drainage haben, wie die GP-Fahrer vorgeschlagen haben. Außerdem möchten wir nächstes Jahr in den letzten 40 Minuten vor dem Ende des dreitägigen MotoGP-Tests hier due Piste künstlich bewässern und dann alle Fahrer im Nassen trainieren lassen.

Wenn es am Sonntag wieder regnet und die Fahrer dann nach einer Inspektionsfahrt sagen: «Im Nassen geht es nicht.» Was passiert dann?

Wenn die Fahrer zum Beispiel nach dem nassen Warm-up sagen würden, ein Rennen ist zumutbar, dann geht der Grand Prix wie geplant über die Bühne. Wenn es heute am Sonntagnachmittag wieder heftig regnet und wir ein Desaster erleben wie am Samstag, dann müssen wir auch die Action für Sonntag streichen. Dann werden wir überlegen, ob wir am Montag fahren – wie 2009 mit der MotoGP-Klasse.

Wie stark muss die Losail-Piste umgebaut werden? Braucht es neben der Drainage auch überhöhte Kurven? Was muss man zur Entwässerung der Sturzräume unternehmen?

Wir reden bereits mit dem Streckeneigentümer, damit für 2018 viele Dinge verbessert werden. Wir haben uns auch über den Asphaltbelag beschwert, denn er stammt aus dem Jahr 2004, als die Piste erbaut wurde. Wir haben bereits einige Pläne für nächstes Jahr.

Bildet der Kunstrasen rund um die Rennstrecke im Nassen keine zusätzliche Gefahr für die Piloten? Ist diese Oberfläche nicht zu rutschig?

Gut, in der Vergangenheit haben die Fahrer sehr häufig nach diesem Kunstrasen verlangt. Jetzt verlangen wir wieder eine Änderung... Es soll wieder alles umgestellt werden. Wir befassen uns damit. Vielleicht werden wir schmalere Kunstrasenbänder verlegen.

Es gibt zwei Probleme: 1. Kann man bei Flutlicht wegen der Spiegelungen hier auch im Nassen fahren? 2. Kann man hier im Nassen überhaupt auf nasser Fahrbahn fahren, weil die Drainage fehlt? Warum hat man nicht für Samstagfrüh einen Test organisiert?

So etwas lässt sich nicht so leicht organisieren. Samstagfrüh war kein Team und kein Fahrer im Paddock... Und Samstagmittag ist der heftige Regen gekommen, der fast drei Stunden gedauert hat.
Wir haben natürlich in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1 Uhr den Wolkenbruch erlebt. Aber normal kommen wir dann am nächsten Tag hierher und es ist fast 30 Grad heiß. Das wäre möglich gewesen. Mit einem starken Wind wäre die Piste also bald trocken gewesen. Dann hätten wir für Samstagfrüh 200 Leute vergeblich Samstagfrüh an die Piste beordert.
Wir wissen jetzt: Wenn wir viel Wasser auf der Piste haben, ist es sinnlos, einen Fahrer rauszuschicken. Es ist zu gefährlich. Dazu brauchen wir keinen Test; wir müssen nur mit dem Auto rausfahren und uns die Rinnsale und Pfützen anschauen.
Wir werden auch heute am Sonntag keinen Fahrer rausschicken, wenn viel Wasser auf der Piste steht. Wozu? Für uns steht die Sicherheit im Vordergrund. Wenn es zu gefährlich ist, stoppen wir die Action.

Was kann jetzt am Sonntag noch erledigt werden?

Wir haben am Samstag zu viel Wasser in der Bremszone in Turn 1 gesehen, es gab kleine Probleme in Turn 3, dann beim Bremsen für Turn 4, auch Turn 10 war ein Problem.
Wir haben über Nacht einige Pumpen installiert, um das Wasser an den neuralgischen Stellen wegzupumpen.
Mehr können wir momentan nicht tun.

Was passiert in Zukunft, wenn man bei Regen hier wegen der Blendwirkung im Nassen nicht fahren kann? Wird dann wieder bei Tageslicht gefahren wie von 2004 bis 2007?

Zuerst möchten wir die Meinung der Fahrer hören. Wenn sie sagen, es ist unmöglich zu fahren im Nassen bei Flutlicht, dann müssen wir künftig vielleicht wieder bei Tageslicht fahren. Aber das lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Die Antwort steht noch aus.

Dani Pedrosa sagte, dass im Regen alle Lichtquellen viel zu stark reflektieren. Er kann sich nicht vorstellen, dass man unter solchen Umständen hier Motorradrennfahren kann. An manchen Stellen preschen ja die Piloten direkt auf die Lichtquellen zu – im Nassen im Blindflug.

Deshalb habe ich gesagt, wir wollen zuerst einmal die Meinung aller Fahrer anhören. Wir müssen sehen, wie sich das anfühlt, wenn 23 oder 30 Bikes auf der Piste sind.
Die Fahrer entscheiden. Ich will niemanden überreden. Ich mische mich da nicht ein.

Wolltest du am Samstag um 18.15 Uhr einfach mal die Moto3-Piloten losschicken als Versuchskaninchen? Stimmt das?

Wir hängen vom Wettergeschehen ab, wir können in so einem Fall nicht dauernd einen Plan B, C oder D machen. Wir müssen auf das Wetter reagieren. Die Wettervorhersagen sind meistens falsch. Deshalb müssen wir von Fall zu Fall reagieren. Vor drei Tagen hatte niemand die Absicht, hier bei Regen in der Nacht zu fahren. Dann haben wir gesagt, wir möchten rausfinden, ob das geht, also haben wir Dunlop ersucht, die Regenreifen für die zwei kleinen Klassen zu bringen.
Wenn es jetzt am Sonntagabend heute leicht regnet, können wir den Fahrern zumindest Regenreifen geben und erkunden, ob das Fahren zumutbar ist oder nicht. Und wenn es machbar ist, können wir versuchen, den Grand Prix bei solchen Verhältnissen abzuwickeln.
Ich weiß nichts darüber, dass man die Moto3-Fahrer am Samstag um 18.15 Uhr rausschocken wollte,

Ist eine Verschiebung des Grand Prix auf Montag eine Option?

Ja, wenn wir heute am Abend wieder ein komplettes Wetter-Desaster erleben, ist das eine Möglichkeit.

Es hätte keinen Sinn gemacht, die Rennen zum Beispiel für Sonntag 15 Uhr anzusetzen? Dann hätte man notfalls warten können und mehrmals verschieben, bis die Piste trocken ist...

Wir wissen nicht, ob wir im Nassen überhaupt fahren können. Deshalb machte es keinen Sinn, den Zeitplan für Sonntag völlig auf den Kopf zu stellen. Außerdem hieß es bei den Vorhersagen: Es wird nur bis 11 oder 14 Uhr regnen.
Es ist seltsam: Wir sind in Katar und haben so ein unberechenbares Wetter.

Es hat aber auch in der Vergangenheit hier geregnet. Warum wurde bisher nie über eine Entwässerungsanlage nachgedacht?

Weil wir hier noch nie so viel Regen erlebt haben wie an diesem Wochenende. Selbst 2009 war nach einer Stunde Regen alles vorbei. Es gab damals kein Problem mit stehendem Wasser, mit Pfützen und Seen in den Sturzräumen. Dieses Problem haben wir erst jetzt entdeckt, nach dem langen Regen am Samstag.

WICHTIG:

Jetzt gibt es einen neuen Zeitplan für Sonntag, 26. März
(Angaben in mitteleuropäischer Sommerzeit). An den TV-Übertragungszeiten der Rennen hat sich nichts geändert.

12.20 Uhr: Idemitsu Asia Talent Cup, Race 1 (14 Runden)
14.20 Uhr - 14.50 Uhr: Warm-up Moto3
15.05 - 15.35 Uhr: Warm-up Moto2
15.50 - 16.20 Uhr: Warm-up MotoGP
17.00 Uhr: Rennen Moto3 (18 Runden)
18.20 Uhr: Rennen Moto2 (20 Runden)
20.00 Uhr: Rennen MotoGP (22 Runden)

Nicht vergessen: In der Nacht auf Sonntag wurden die Uhren auf mitteleuropäische Sommerzeit umgestellt. Deshalb schrumpft der Zeitunterschied zu Katar von zwei Stunden auf eine Stunde.

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