Hervé Poncharal (Tech3): «Sehr überrascht und happy»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

«Ich komme kaum zu Atem», sagt der französische Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal, der mit Jonas Folger und Johann Zarco einen großen Fang gemacht hat.

Nach den ausgezeichneten Testergebnissen von Jonas Folger und Johann Zarco erlebte der französische Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal, ein Urgestein unter den Teambesitzern und im Jahr 2000 mit Olivier Jacque Weltmeister in der 250-ccm-Klasse (auf Yamaha, Teamkollege Shinya Nakano wurde WM-Zweiter!), hatte auch beim Saisonauftakt auf dem Losail Circuit in Katar viel Grund zur Freude.

Zarco und Folger starteten von den Plätzen 4 und 8. Zarco führte im Rennen bis zur siebten Runde, Folger beendete sein viel beachtetes MotoGP-Debüt auf dem sauberen zehnten Platz.

Dabei wollte Poncharal 2017 gar nicht mit zwei Rookies aufmarschieren, es schien ihm zu riskant. Als sich Bradley Smith schon beim Katar-GP 2016 für KTM entschied, bemühte sich Tech3-Yamaha um eine Vertragsverlängerung von Pol Espargaró, der dort 2014 im ersten Jahr auf Anhieb WM-Sechster wurde, dann WM-Neunter, im Vorjahr WM-Siebter. Doch auch der Spanier lief lieber ins KTM-Werksteam über.


Heute kann Hervé Poncharal mit gewisser Genugtuung feststellen, dass sein neues Fahrerduo wesentlich besser abschneidet als seine Ex-Fahrer bei KTM.

Hervé, nach der letztjährigen Moto2-Saison von Jonas Folger haben wohl nur wenige Experten mit so einem fulminanten MotoGP-Debüt gerechnet. Du hattest 2016 zwischendurch auch gewisse Zweifel. Hast du so eine Performance erwartet?

Nein, nein. Wenn ich jetzt behaupten würde, ich habe das erwartet, dann würde ich lügen, dann würde ich protzen, dann wäre ich nicht ehrlich.

Aber das Gute im Leben, ganz generell, nicht nur im Motorsport, es existieren Dinge, die sich nicht erklären lassen.

Sicher wurde von vielen Leuten vor dem Start der 2016-Saison von Jonas erwartet, dass er nach dem Wechsel zu Intact-Team um den Moto2-Weltmeistertitel fighten würde. Ich gehörte auch dazu.


Er war 2016 hier in Katar unglaublich stark. Aber nachher haben sich die Dinge nicht so entwickelt, wie er sich das vorgestellt hat. Die Saison verlief dann nicht mehr so, wie alle erwartet oder erhofft haben.


Warum das so passiert ist, weiß ich nicht. Ich war nicht Teil dieses Teams. Selbst Jonas kann das nicht wirklich erklären.

Ich habe ihn gefragt. Er hat entgegnet: «Auf dem Moto2-Motorrad habe ich mich nie komfortabel gefühlt. Ich konnte damit nie so fahren, wie ich mir das vorgestellt habe. Als ich auf die Yamaha gestiegen bin, habe ich mich sofort zuhause gefühlt. Alles fühlte sich easy und natürlich an.»

Das ist alles, was ich dazu sagen kann.

Wir kennen die Gründe nicht. Ist es die zusätzliche Power? Ist es die stärker entwickelte Elektronik? Sind es die Michelin-Reifen? Ich weiß es nicht.

Es macht auch wenig Sinn, jetzt im Zusammenhang mit Jonas über 2016, 2015 oder 2014 zu reden. Es lässt sich nicht alles im Leben erklären. Und man muss auch nicht für alles eine Erklärung finden.


Das Einzige, was sicher ist: 1 und 1 ergibt 2.

Befassen wir uns lieber mit der Saison 2017.


Als Jonas im Ajo-Team und bei Martinez in den Klassen 125 ccm und Moto3 nicht die erwünschten Erfolge erreichte, die man von ihm wegen seines unbestrittenen Talents erwartete, hat er einmal eingeräumt: «Vielleicht habe ich mich manchmal zu sehr auf mein Talent verlassen.» Dann ist er mit seinem Kumpel Marcel Schrötter nach Spanien übersiedelt und hat das Training verschärft, inklusive Motocross, Dirt-Track und so weiter. Dieser Fleiß macht sich jetzt bezahlt?

Wie auch immer. Ich habe mich entschieden, Jonas unter Vertrag zu nehmen, weil ich auf ihn vertraut habe. Okay.

Habe ich diese Resultate erwartet? Nein.


Deshalb bin ich mehr als glücklich.


Nach der Papierform müsste der zweifache Moto2-Weltmeiser Johann Zarco wesentlich stärker sein als Jonas. Er hat in zwei Jahren 15 GP-Siege errungen, Folger drei, im Vorjahr nur einen. Trotzdem sind sie einander in der MotoGP ebenbürtig.


Ja, das lässt sich nicht immer vorhersagen. Sito Pons war so stark in der 250-ccm-Klasse, er ist zweimal Weltmeister geworden. In der 500-ccm-Klasse war er nie wirklich gut. Albert Puig hingegen war in der 250er-Klasse recht durchschnittlich, in der 500er-WM war er viel stärker. 


Das lässt sich nie wirklich vorhersagen.

Jedes Mal, wenn du die Klasse wechselst, beginnt eine neue Welt. 


Schau dir Rabat ab, er war Moto2-Weltmeister 2014, er hat 13 Moto2-WM-Rennen gewonnen. Man hat erwartet, dass er in der MotoGP-WM nicht so schlecht abschneidet. Und wo ist er? Er hat riesige Mühe.

Ich wiederhole: Ich bin unglaublich überrascht. Und sehr happy. 


Ich muss aber auch betonen: Bei dem, was wir momentan machen: Ich komme kaum zu Atem. 


Denn ich grüble dauernd: Wie wird das enden? 


Wir waren in Katar am Freitag im FP2 mit Folger und Zarco auf den Plätzen 3 und 4, also die besten zwei Yamaha. Das ist nicht normal. 


Man weiß ja: Je besser die Ergebnisse sind, desto höher wachsen die Erwartungen der Medien, des Teams, von allen. 


Wenn unsere Fahrer dauernd an 15. Stelle wären und dann im Rennen auf Platz 10 vorstoßen würden, müssten wir glücklich sein.

Aber wir haben gesehen, dass Jonas am Sonntag mit seinem zehnten Platz nicht besonders happy war. 


Wir sind jetzt jeden Tag mit neuen Situationen konfrontiert, mit neuen Zielen.

Mein Zugang bleibt sehr demütig. Top-Ten-Plätze werden mich auch während des Rests der Saison sehr glücklich machen. 


Wir wissen ja, wie stark die vielen Ducati sind, Dovizioso, Bautista, Redding, Petrucci, Baz – alle sind schnell. Und Lorenzo wird sich steigern. Die beiden Werks-Honda und die zwei Werks-Yamaha sollten auch vor uns sein. Die Top-Ten werden also nicht einfach werden.

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