Cal Crutchlow: «Turn 11 Sachsenring zu gefährlich»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
«Muss sich zuerst jemand schwer verletzen, bevor die Kurve 11 auf dem Sachsenring umgebaut wird», fragt Cal Crutchlow.

Auch beim deutschen WM-Lauf 2017 auf dem Sachsenring rückte die ominöse Kurve 11 bei den Fahrern wieder in den Mittelpunkt der Kritik. Diese Kurve forderte besonders in der MotoGP-Klasse wieder etliche Sturzopfer – von Scott Redding über Álvaro Bautista bis zu Johann Zarco und so weiter.

Seit der Saison 2013 wird dort über Änderungen nachgedacht und verhandelt, die Fahrer wettern regelmäßig, sie regen sich auf, sie beschweren sich, aber es passiert nichts. Auch durch den neuen Belag hat sich die Situation auf keinen Fall verbessert.

2014 stürzte dort Alex De Angelis im Moto2-Rennen, sein Motorrad wäre nachher beinahe mitten auf der Fahrbahn liegen geblieben.

Manche Fahrer behaupten, der Turn 11 sei die umstrittenste Stelle in der ganzen Weltmeisterschaft, dort passierten die meisten Stürze.

Diese besagte Kurve 11 gilt als schnellste Ecke des Sachsenrings. Sie geht rechtsrum und wird im fünften Gang beim ca. 200 km/h gefahren; sie folgt nach sieben Linkskurven. Vorher gibt es auf nur 250 Metern ein Gefälle von 21 Höhenmetern, das entspricht sieben Stockwerken. Und wie gesagt: Vorher müssen die Fahrer sieben Linkskurven bewältigen, das dauert rund 31 Sekunden, wie bei Ducati ausgerechnet wurde, die Reifen kühlen auf der rechten Seite stark ab.

Crutchlow kritisierte heftig den Turn 11, der in diesem Jahr wieder etliche Sturzopfer forderte. «Diese Kurve ist gefährlich, es ist einfach lächerlich», schimpfte Cal. «Irgendwann wird dort jemand schwer verletzt werden. Entweder ein Fahrer, oder wie man im Freitag-Training gesehen hat, es kann auch einen Streckenposten erwischen. Natürlich könnten sie die Fahrbahn ändern und sie zum Beispiel zwei Prozent weniger nach außen hängen lassen. Aber das würde nicht viel ändern, denn dann würden wir Fahrer dort das Gas um 0,2 Prozent mehr oder früher aufdrehen, um mehr Kurvenspeed zu erreichen, dann bist du erst recht wieder in Sturzgefahr. Es gibt nur eine Lösung: Sie müssen diese Kurve langsamer machen.»

Jetzt wird Turn 11 mit rund 200 km/h im fünften Gang gefahren – mit Reifen, die auf der rechten Seite völlig abgekühlt sind.
«Ich habe dort schon in der Moto2 nie wirklich viel riskiert», warf Johann Zarco ein. «Es ist zu gefährlich.» Der Franzose aus dem Tech3-Yamaha-Team wurde aber im FP3 trotzdem ein Turn-11-Opfer.

Cal Crutchlow ist überzeugt, man müsse diese Kurve 11 sicherer gestalten. «Das sei unmöglich, erzählt man uns dauernd. Trotzdem muss etwas geschehen. Beantworte mir diese Frage: Wenn dort jemand ernsthaft verletzt wird, wird dann etwas passieren? Yes! Warten wir also in Ruhe, bis etwas passiert? Dann müssten sie diese Kurve verändern. Das heißt: Es gibt schon jetzt Möglichkeiten, den Turn 11 zu entschärfen. Ich schlage deshalb vor, dass sie jetzt etwas machen müssen, denn es könnte schon morgen etwas Fürchterliches geschehen.»

Cal Crutchlow, auf dem Sachsenring in der MotoGP-Klasse schon zweimal Zweiter (2013 und 2016) redet sich in Rage. «Klar, wir alle fahren auf derselben Piste. Ich beschwere mich nicht darüber, dass wir auf dem Sachsenring fahren müssen wie das viele andere Fahrer tun. Aber ich glaube einfach nicht, dass man diese Kurve nicht umgestalten und entschärfen kann. Das Problem besteht darin, dass man keine Linkskurve daraus machen kann, wie zum Beispiel eine Schikane, denn auf der rechten Seite steht eine Mauer. Aber vielleicht könnte man den Belag im Turn 11 nach außen stärker überhöhen, in einem gewissen Winkel. Dazu wären allerdings massive Umbauarbeiten nötig, weil auch das gesamte Kiesbett erhöht werden müsste. Wir haben das Thema auf dem Sachsenring am Freitag in der Safety Commission diskutiert. Wir wissen nicht, was wir erreichen können. Aber ich bin der Ansicht, sie müssen für 2018 etwas ändern.»

Der Vorschlag von Cal Crutchlow: «Sie müssen die Rechtskurve langsamer machen, die Fahrer dort einbremsen. Wenn sie nur die Linkskurve vorher langsamer machen, werden wir im Turn 11 keine Spur langsamer fahren, weil wir dort das Gas sowieso nicht voll aufgedreht haben.»

Was ist der Unterschied zwischen dieser Kurve und anderen anspruchsvollen Kurven wie «Craner Curve» in Donington?

«Wir waren seit langer Zeit nicht mehr in der Craner Curve, die MotoGP ist dort seit 2009 nicht gefahren. Deshalb kann ich dir dort die Anzahl der Stürze nicht auswendig sagen», entgegnete der LCR-Honda-Pilot und zweifache MotoGP-Sieger (Brünn und Phillip Island 2016).

Muss die Kurve 11 in Sachsen also wegen der vielen Stürze umgebaut werden? «Gut, wir kommen jedes Jahr zum Sachsenring. Irgendwann hieß es: ‚Es liegt an den Bridgestone.’ Dann: ‚Es liegt an den Fahrern.’ Dann behauptete jemand: ‚Das passiert nur, wenn du auf eine langsamen Runde bist.’ Wie viele Stürze haben wir dort inzwischen erlebt? Vielleicht 50. Bei 50 unterschiedlichen Umständen haben wir 50 unterschiedliche Stürze gesehen. Auch mit den Michelin-Reifen hat sich nichts geändert. Die Umstände sind für uns Fahrer dort immer gleich.»

Der kritische Cal Crutchlow, der 2016 auch am Red Bull Ring viel auszusetzen hatte, wettert auch über den Circuit de Barcelona-Catalunya.

Muss dort für 2018 ein neuer Belag aufgebracht werden? «Ich habe keine Ahnung, ob wir 2018 in Catalunya fahren werden», hält der 31-jährige Brite fest. «Wir haben vier Grand Prix in Spanien. Es kümmert mich also nicht, ob wir dort fahren oder nicht. Wir können woanders hingehen.»

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