Bagnaia über Duell mit Marquez: «Er hat mir sogar Ratschläge gegeben»
Francesco Bagnaia blickt auf das schwierige MotoGP-Jahr 2025 zurück, spricht über seine Lehren – und erklärt, warum das Verhältnis zu Ducati-Teamkollege Marc Marquez besser ist als viele denken.
Francesco Bagnaia hat ein turbulentes Kapitel seiner MotoGP-Karriere hinter sich. Der Italiener, der Ducati 2022 den ersten Titel seit 2007 bescherte und die MotoGP-Krone in der Saison 2023 erfolgreich verteidigte, galt lange als unangefochtener Teamleader der Werksmannschaft aus Borgo Panigale. Nach einer knappen Niederlage gegen Markenkollege Jorge Martin in der Saison 2024 folgte 2025 jedoch ein Jahr, in dem Bagnaia im internen Duell mit Neuzugang Marc Marquez komplett unterging.
Im Podcast von Gianluca Gazzoli blickte der 29-Jährige nun offen auf diese Phase zurück – und sprach über Fehler, Erkenntnisse und die überraschend gute Zusammenarbeit mit seinem berühmten Teamkollegen, der eine gewisse Vorgeschichte mit Bagnaia-Förderer Valentino Rossi hat.
Eine wichtige Lehre betrifft vor allem Bagnaias eigene Einstellung zu Erfolgen. Rückblickend erkennt der Italiener, dass er seine Resultate in der Vergangenheit oft nicht ausreichend zu schätzen wusste. «Vale hat mir geraten, meine Ergebnisse mehr zu genießen. Es war einer meiner Fehler, dass ich mich selbst nach einem dritten Platz geärgert habe», so die Startnummer 63.
Ungleiches Material bei Ducati? Bagnaia sorgt für Klarheit
Immer wieder kursierte während der Saison 2025 die Theorie, Ducati habe seinen früheren Teamleader zugunsten von Marquez benachteiligt. Für Bagnaia ist das jedoch absoluter Unsinn: «Ich wurde unglaublich gut vom Team unterstützt. Sie hatten keinen Grund, mir das Leben zu erschweren. Das wäre verrückt gewesen.»
Tatsächlich lag der Unterschied aus seiner Sicht vor allem in der außergewöhnlichen Anpassungsfähigkeit des Spaniers – und in der Kombination mit der Desmosedici GP25. Marquez gewann Rennen in Serie, während Bagnaia auf einigen Strecken große Mühe hatte, sein gewohntes Tempo zu finden.
«Marc hat immer gezeigt, dass er weiß, wie er sich anpassen muss – aber nur bis zu einem Punkt, denn er verließ Honda. Sein Fahrstil erlaubt es ihm, das Maximum aus einem Motorrad zu holen, das beim Bremsen stark schiebt. Das kann er sehr gut. Die GP25 bildete mit ihm eine dominante Paarung. Er hat alles gewonnen, während ich extreme Schwierigkeiten hatte», gestand Bagnaia.
Anstatt sich davon entmutigen zu lassen, versuchte Bagnaia jedoch, die Situation als Lernchance zu sehen. «Ich wollte das als Ansporn ansehen. Er und Valentino zählen zu den besten Fahrern der Geschichte. Man kann nur von Fahrern dieses Kalibers lernen», so Bagnaia.
Bagnaia erhielt von Marquez sogar Schützenhilfe
Überraschend offen sprach der Ducati-Star auch über die Beziehung zu Marquez. Als Ducati ihm mitteilte, dass der achtfache Weltmeister 2025 sein Teamkollege werden würde, reagierte Bagnaia gelassen. «Als sie mir mitteilten, dass er ins Team kommt, meinte ich, dass das für mich okay ist. Ich hatte nie Probleme mit meinen Teamkollegen. Marc ist eine intelligente Person. Wir hatten von Beginn an eine gute Beziehung. Wir haben oft Ideen ausgetauscht. Er hat mir sogar einige Ratschläge gegeben.»
Dass ausgerechnet Marquez ihm Tipps gab, überrascht viele Beobachter – schließlich gilt Bagnaia als einer der prominentesten Schützlinge der VR46 Academy von Valentino Rossi. Doch auch dieses Thema ordnet der Italiener nüchtern ein. «Als Teil der Academy spricht man automatisch Vales größte Fans an, aber auch seine Hater, die in der Minderheit sind, dafür aber sehr laut sind. Ich habe die Last von 2015 mitgebracht, auch wenn das nicht fair ist.»
Für Bagnaia ist klar: Die Erfahrungen aus dem schwierigen Jahr 2025 sollen ihm helfen, stärker zurückzukommen. Mit einem dominanten Teamkollegen im selben Stall sieht er vor allem eine Chance – nämlich täglich von einem der größten Fahrer der MotoGP-Geschichte zu lernen.
Beim Saisonauftakt 2026 stand Bagnaia erneut klar im Schatten seines Teamkollegen. Am Jahresende trennen sich die Wege der beiden Ausnahmekönner: Bagnaia steht vor einem Wechsel zu Aprilia, während Marquez noch mit Ducati über einen neuen Vertrag verhandelt.
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