Honda und LCR: Lucio Cecchinello gewährt exklusive Einblicke
Die Macht von Honda bei LCR ist über die Jahre deutlich gewachsen: Teamchef Lucio Cecchinello spricht über MotoGP-Rookie Diogo Moreira und die Struktur seines Teams.
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Mit Moto2-Weltmeister Diogo Moreira erhält 2026 ein vielversprechender Rookie seine Chance in der MotoGP. Honda verkündete noch vor dem Titelgewinn des Brasilianers den Aufstieg in die Königsklasse und platzierte ihn im LCR-Team von Lucio Cecchinello. Bisher zeigte Moreira gute Leistungen und freute sich beim Auftakt in Thailand über seine ersten WM-Punkte.
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Erstmals seit vielen Jahren ging der zweite Platz im LCR-Team nicht an einen asiatischen Fahrer. Zuvor behauptete Takaaki Nakagami über mehrere Jahre den zweiten Platz in der Honda-Satelliten-Mannschaft. Im vergangenen Jahr übernahm Somkiat Chantra, wurde aber nach nur einer Saison aussortiert und ins Superbike-Projekt abgeschoben. Gleichzeitig wurde auch die Struktur rund um die zweite LCR-Maschine angepasst. Statt des langjährigen Partners Idemitsu tritt nun Honda selbst mit der Marke Pro Honda als Werbepartner auf.
MotoGP-Vertrag mit Perspektive Moreira besitzt allerdings keinen klassischen Teamvertrag mit LCR, sondern steht direkt bei Honda Racing Corporation (HRC) unter Vertrag. Cecchinello stellt deshalb klar, dass sein Engagement im Team formal zunächst auf die kommende Saison begrenzt ist.
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«Diogo Moreira hat einen Vertrag mit HRC für zwei Jahre mit der Option auf eine weitere Saison. Das bedeutet, dass er an HRC gebunden ist. HRC hat ihn für die Saison 2026 meinem Team zugeteilt. Die Realität ist also: Ja, der Plan ist, dass wir auch 2027 mit ihm weitermachen, aber die Entscheidung liegt letztlich bei HRC», so Cecchinello.
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Theoretisch könnte Honda den Brasilianer also jederzeit ins Werksteam befördern. «In der Theorie ja», bestätigte Ceccinello im Gespräch mit SPEEDWEEK.com-Chefredakteur Ivo Schützbach. Cecchinello betont jedoch, dass solche Entscheidungen nicht überraschend fallen würden.
«In Wirklichkeit arbeiten wir eng mit HRC zusammen. Es ist nicht so, dass ich in letzter Minute informiert werde und dann in Panik einen Ersatz suchen muss. Das wäre eine Entscheidung, die mit ausreichend Vorlauf geplant wird. Und wenn so etwas passiert, wird HRC sicher auch nach einer anderen Fahrer suchen.» HRC hat alle Honda-Piloten unter Vertrag Die aktuelle Honda-Struktur unterscheidet sich dabei kaum von anderen Herstellern im Fahrerlager. Alle vier Honda-Piloten stehen direkt bei HRC unter Vertrag. «Korrekt – so wie bei den meisten Herstellern, bei denen die Fahrer ebenfalls direkt beim Werk unter Vertrag stehen», so Cecchinello.
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Bei der Fahrerplanung ist LCR trotzdem eingebunden. «Wenn ich sage, dass wir es gemeinsam machen, bedeutet das: HRC informiert mich über ihre Absichten, und dann entscheiden wir zusammen über einen größeren Plan.» Geduld für den Rookie Der Schritt von der Moto2 in die MotoGP ist eine Herausforderung – traditionell eine der größten Umstellungen im Grand-Prix-Sport. Dazu kommt, dass die Honda RC213V zuletzt als eines der anspruchsvollsten Motorräder im Feld galt. Parallel arbeitet der Hersteller bereits an der 850-ccm-Generation für 2027.
Cecchinello erwartet deshalb keine sofortigen Spitzenergebnisse vom Rookie und mahnt zur Geduld. Der Italiener hofft parallel auf eine erfolgreiche Zukunft mit Honda: «Ich denke, das Hauptziel von Honda ist es, wieder der stärkste Hersteller der MotoGP zu werden. Und ich glaube, Honda wird alles daransetzen, allen vier Fahrern – wann immer möglich – das gleiche Material zur Verfügung zu stellen.»
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Neue Struktur beim zweiten Bike Mit Moreiras Verpflichtung wurde auch die kommerzielle Struktur des Teams angepasst. Statt des japanischen Energieunternehmens Idemitsu tritt nun Honda selbst als Partner auf der zweiten Maschine auf. Cecchinello erklärt, dass er in die frühere Beziehung zwischen Honda und Idemitsu nie direkt eingebunden war. «Ich war nie Teil der früheren Zusammenarbeit zwischen Honda und Idemitsu und kenne deshalb nicht alle Details. Mir wurde einfach mitgeteilt, dass sie die Zusammenarbeit beenden und ein neues Projekt starten würden.» Eines sei jedoch klar: Honda wollte immer großen Einfluss auf den zweiten Fahrer im LCR-Team behalten. «Ich kann nur bestätigen, dass Honda immer sehr motiviert war, den zweiten Fahrer in meinem Team zu betreuen und dort eine gewisse Kontrolle zu haben», verriet er. Das wirtschaftliche Modell bleibt dabei zweigeteilt: Während Cecchinello für den ersten Fahrer selbst die Sponsoren akquiriert, wird das zweite Motorrad stärker vom Hersteller gesteuert.
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«Sagen wir so: Für den ersten Fahrer liegt die Verantwortung stärker bei uns. Beim zweiten Fahrer kaufen sie im Grunde Werbefläche bei uns ein, und wir gleichen damit einen Teil der Teamkosten aus», schilderte der LCR-Chef. Mit Rookie Moreira begann für LCR im Winter ein neues Kapitel – sportlich wie strukturell. Und sollte der Brasilianer den Erwartungen gerecht werden, könnte der nächste Karriereschritt bereits innerhalb der Honda-Familie auf ihn warten.
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