Marc Márquez: Volles Risiko, Haarausfall & Dovizioso

Von Sharleena Wirsing
MotoGP
Nach dem Gewinn seines vierten MotoGP-Titels verriet Honda-Star Marc Márquez, wie ihn 27 Stürze und volles Risiko zum Weltmeistertitel 2017 führten. «Großer Respekt an Ducati», lobte Márquez seine Gegner.

Nach 27 «und einem halben Sturz», wie Marc Márquez selbst bemerkte, gewann der 24-jährige Spanier seinen vierten MotoGP-Titel für Repsol-Honda und den sechsten insgesamt. Márquez ist der jüngste Fahrer in der Geschichte der Motorrad-WM, der sechs Titel sichern konnte. Mit 298 Punkten liegt Márquez nach 18 Rennen 37 Punkte vor Andrea Dovizioso und 68 vor Maverick Viñales. Er gewann sechs Rennen und stand sechs weitere Male auf dem Podest.

Marc Márquez hat viele Namen. Die Spanische Presse nennt ihn «El Niño», das Kind. Die englischen Journalisten haben ihn «Smiling Assassin», also der lächelnde Meuchelmörder, getauft. Diesen Namen erhielt er, da er im normalen Leben ein netter Kerl ist, aber auf der Strecke durch Killerinstinkt glänzt. Andere nennen ihn «Márquez the Merciless», also den Gnadenlosen. All diese Bezeichnungen zeigen, dass man sich in einem Punkt einig ist: der 24-jährige Spanier ist ein Phänomen.

Sein Fahrstil ist so spektakulär wie seine Erfolge. Márquez kratzt mit dem Ellbogenschleifer über den Asphalt, reißt die Maschine nach oben und verschwindet unter einem lauten Aufschrei des Motors seiner Repsol-Honda. So kennen Fans und Beobachter den furchtlos wirkenden Spanier.

Nach drei Siegen für Yamaha-Pilot Maverick Viñales in den ersten fünf Rennen hatte selbst Márquez Zweifel an seiner Chance auf dem MotoGP-Titel. Der Spanier kämpfte sich zurück, bekam es in der zweiten Saisonhälfte jedoch mit einem neuen Gegner zu tun: Andrea Dovizioso auf der Ducati. «Das war eine wirklich, wirklich harte Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Ich möchte mich bei meinem Team und allen Menschen bedanken, die mich unterstützt haben. Sie haben mir in diesem Jahr sehr geholfen – vor allem in der ersten Saisonhälfte. Die ersten Rennen waren hart für mich. Nach Barcelona ließ ich mir die Haare schneiden. Meine Friseurin fragte mich, was mit mir los sei, denn mir würden die Haare ausfallen. Ich sagte: ‹Unmöglich, ich bin erst 24. Mein Vater und mein Großvater haben volles Haar.› Doch ich ging trotzdem zu Dr. Charte. Und er sagte mir, dass mein Körper zu gestresst ist. Er riet mir, meine Herangehensweise an die Rennen zu ändern. Ich lächle zwar immer, aber in mir... Wir sind alle Menschen, wir stehen unter Druck. Wenn du aber so ein gutes Team um dich hast, dann hilft das sehr. Selbst wenn du in ein Loch fällst, helfen sie dir heraus. Dann wirst du besser.»

«Die zweite Saisonhälfte lief viel besser. Wir hatten alles mehr im Griff und schafften es außer in Silverstone und Malaysia immer auf das Podest. Natürlich habe ich meine Herangehensweise angepasst, aber vor allem änderte sich mein Gefühl für die Maschine. Wir mussten eine große Veränderung am Bike vornehmen, um mir wieder das richtige Gefühl beim Fahren zu geben. Ich genoss es wieder, die Honda zu fahren. Nach Le Mans fuhr ich mit Emilio [Alzamora] zum Flughafen. Ich sagte, dass ich das Fahren nicht genießen kann. Dann änderten wir unsere Herangehensweise. Unsere Priorität lag dann darauf, dass ich Spaß auf dem Motorrad habe. Wir schlugen diesen Weg ein. An jedem Testtag fuhr ich mehr als hundert Runden. Ja, ich erlebte viele Stürze. Das ist für einen Fahrer schwierig zu verstehen und zu vergessen. Doch ich schaffte es Dank meines Teams. Nach einem Sturz sagten sie: ‹Das ist gut, so langweilen wir uns am Nachmittag nicht.› Wenn du ein so großartiges Team hast, ist alles einfacher. Wenn du das richtige Team um dich hast, ist es auch in den schwierigsten Situationen der beste Mentaltrainer.»

Dass ein Fahrer 27 Stürze in einer Saison hinnehmen muss und trotzdem Weltmeister wird, ist außergewöhnlich. «27 und ein halber», spielte Márquez herzlich lachend auf seinen «Save» im Valencia-Rennen an. «Das bedeutet, dass der Titelgewinn nicht einfach war. Ich pushte in jedem Training. Die ganze Saison ging ich volles Risiko – ab dem FP1. Ich ging raus und gab alles, um schnell zu sein. Das müssen wir für die Zukunft aber ändern. Wir sind sehr glücklich über den Titel, aber es gibt ein paar Aspekte, die wir im Hinblick auf 2018 verbessern müssen. Nun werden wir den Titel genießen, aber beim Test am Dienstag beginnt die neue Saison. Nun darf ich die Probleme aber für zwei Tage vergessen.»

Mit Andrea Dovizioso hatte Márquez einen herausragenden Gegner, der den Spanier auch im direkten Zweikampf wie in Österreich und Japan niederringen konnte. «Ich bin enttäuscht, dass er nicht ins Ziel kam und nicht mit uns auf dem Podest feiern konnte. Er ist ein unglaublicher Gegner und ein wunderbarer Mensch. Ich habe eine sehr gute Beziehung mit ihm. Ich sah, dass die Jungs von Ducati zu meiner Box gingen und meinem Team gratulierten. Großer Respekt an sie. Das ist sehr schön. Ich habe viel von Andrea gelernt. Vor allem mentale Dinge. Über den Weg, wie man GP-Wochenenden und Rennen angeht. Er zeigte mir, dass du alles gut verstehen musst und alles andere vergessen musst. Das ist etwas, das nicht viele Menschen können. Er ist einer der Besten oder der Beste, wenn es darum geht, das im Griff zu haben.»

In seinen bisher 90 MotoGP-Rennen erzielte Marc Márquez 35 Siege, 45 Pole-Positions und insgesamt 63 Podestplätze.

Auch in der Saison 2018 rechnet Márquez mit starken Gegnern. «Das nächste Jahr ist eine andere Geschichte. Bis zum 1. Januar bin ich Weltmeister, danach bin ich ein neuer Fahrer. Es wird ein neues Jahr sein, in dem wir erneut um den Titel kämpfen wollen. Wir werden in der Vorsaison alles dafür tun. In diesem Jahr zeigte sich, dass man auf viele Fahrer ein Auge haben muss. Johann [Zarco] ist sehr schnell und schloss die Saison stark ab. Auch mit Dovi und Ducati insgesamt ist zu rechnen. Wir müssen zudem abwarten, wie hoch das Level der Yamaha-Fahrer sein wird. Ich will in der Vorsaison besser verstehen, warum es zu den vielen Stürzen kam und ein besseres Gefühl für die Front erzeugen.»

«In der letzten Saison waren wir sehr gut vorbereitet, starteten stark, schufen einen Vorsprung und verwalteten ihn. In diesem Jahr lagen zur Sommerpause fünf Fahrer innerhalb von 20 Punkten», betonte Márquez. «Es war an der Zeit zu attackieren. Unser Problem war, dass Dovizioso einfach sehr schnell war. Wenn ich Zweiter wurde, gewann er. Wenn ich siegte, wurde er Zweiter. In Brünn konnte ich einen Vorsprung herausfahren, aber durch den Motorschaden in Silverstone war er wieder dahin. Darauf haben wir aber sehr gut reagiert. Wir schafften es dann in allen Rennen außer Malaysia auf das Podest. Das war entscheidend. Es war sehr eng. Ich musste immer volles Risiko gehen. Beispiele dafür sind die jeweils letzte Runde in Österreich und Japan. Obwohl ich mich nicht ganz wohlfühlte, habe ich es versucht.»

Welcher war der wichtigste Sieg in dieser Saison? «Ich denke, das waren die Siege auf dem Sachsenring und in Brünn. Der eine war vor der Sommerpause, der andere danach. Es ist wichtig, mit einem guten Gefühl in die Sommerpause zu gehen und wieder stark in die zweite Saisonhälfte zu starten. Das waren die wichtigsten Siege für mich», erklärte der MotoGP-Weltmeister von 2013, 2014, 2016 und 2017.

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