MotoGP-Teams: Wer bezahlt die ganze Party?

Von Manuel Pecino
MotoGP
Die MotoGP-Fahrer für die Saison 2018

Die MotoGP-Fahrer für die Saison 2018

News aus Spanien: Wie finanzieren sich MotoGP-Teams? Welche Unterschiede gibt es beim Budget und den Sponsoren der Werks- und Kundenteams? Hier finden Sie die Antworten.

Antworten auf die Frage zu finden, wie sich die Teams im GP-Paddock finanzieren, ist fast unmöglich. Sobald das Wort Geld fällt, schließen sich sofort alle Münder. Doch es muss natürlich jemanden geben, der diese Party bezahlt.

Es gab schon immer Arme und Reiche auf dieser Welt, die MotoGP-WM bildet dabei keine Ausnahme. Darum ist der Unterschied beim Budget zwischen großen und kleinen MotoGP-Teams deutlich. Während ein Team aus der unteren Tabellenhälfte eine Saison mit 19 Rennwochenenden, sieben davon außerhalb von Europa, mit ungefähr 6 bis 8 Millionen Euro absolviert, stehen einem Werksteam im Normalfall etwa 30 Millionen pro Saison zur Verfügung. Naja, 30 Millionen und mehr. Tatsächlich bedeutet wirklich «und mehr», dass man diese Summe fast verdreifachen kann.

Nehmen wir die Kosten für die Fahrer als Referenz. Es ist wahr, dass in der MotoGP-WM keine Gehaltsobergrenze wie in der nordamerikanischen NBA vorgeschrieben ist, aber trotzdem scheint es eine zu geben. Lasst uns Ducati als Beispiel nehmen.

Die selbst auferlegte «Gehaltsobergrenze» liegt im Moment bei etwa 15 Millionen Euro, was den Hersteller aus Bologna seine beiden Fahrer im letzten Jahr wohl kosteten. Das sollte auch mehr oder weniger die Summe sein, die Honda und Yamaha für ihre beiden Werksfahrer bezahlten. Diese Zahlen gelten aber nur für die MotoGP-Elite.

Die erste Geldquelle ist unterschiedlich, wenn wir von Werksteams und Kundenteams sprechen. Während die Werksteams Kosten verursachen, sollen private Teams Geld einbringen. Die Werksteams sind ihr eigener Kunde, der Geldfluss kommt vom Hersteller, den es repräsentiert. Honda, Yamaha, Suzuki, KTM…

Die Rennabteilungen stellen das Budget. Es sind Multi-Millionen-Dollar-Investments, die neben den sportlichen Erfolgen auch für die Weiterentwicklung, Forschung und das Training von Ingenieuren in einem besonders anspruchsvollen Umfeld dienen. Es geht um die besten Technologien und die Verbreitung der Markenbotschaft rund um die Welt.

Das alles rechtfertigt die Millionen von Euro, welche die sechs MotoGP-Hersteller im Jahr ausgeben. Die Kosten werden durch den Beitrag von Sponsoren lediglich reduziert. Im Fall der großen Werke, also der japanischen, sind die Sponsoren mehr ein Marketing-Tool als eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Eine wichtige Bedingung ist daher auch, dass sich die Sponsoren nicht in die Arbeitsabläufe des Teams einmischen.

Es gibt Sponsoren, die direkt Geld bezahlen, andere sind technische Sponsoren, die mit der Motorsportwelt in Verbindung stehen und die Teams mit Material beliefern oder mit ihnen werben.

Eine weitere Einkommensquelle ist die Dorna. Sie bezahlt jeden Hersteller für jedes Motorrad, das er in der Weltmeisterschaft einsetzt.

Die Finanzierung von Kundenteams sieht ganz anders aus, denn sie existieren aus einem ganz anderen Grund. Es geht nicht um die technische Weiterentwicklung und Forschung, obwohl in manchen Fällen die Promotion des Herstellers eines der Ziele ist. Wie bei Pramac-Ducati. Die meisten Teams sind aber Firmen, deren letztendliches Ziel es ist, Geld zu verdienen. Eine Ausnahme stellt das Team von Marc van der Straten dar, der so glücklich ist, in ein finanziell privilegiertes Umfeld geboren zu sein. Er betreibt sein MotoGP-Team wegen seiner Freude daran, die Rennen an vorderster Front verfolgen zu können.

Die Finanzierung privater Teams ist kompliziert. Die Kosten sind hoch, während der Unterschied der Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu Werksteam es schwierig macht, genug starke Sponsoren zu finden, die diese «Party» bezahlen. Da es über Jahre hinweg ein ständiges Problem war, das Budget zu decken, hilft die Dorna nun den Kundenteams mit 2,5 Milionen Euro pro Fahrer und Saison. Eine Hilfe, die im Grunde die Kosten für die Motorräder deckt. Also entspricht sie etwa 50 Prozent des Budgets.

Team Repsol Honda

• Honda Motorradhersteller (Japan)
• Repsol Treibstoffe (Spanien)
• Red Bull Energy Drink (Österreich)

Die Beziehung zwischen dem spanischen Ölkonzern Repsol und Honda besteht bereits seit 1995. Die Zusammenarbeit geht über die MotoGP-WM und einen einfachen Sponsoring-Deal hinaus, seit HRC den früheren Sponsor ELF durch die Spanier ersetzte. Red Bull ist seit 2015 auf der Verkleidung der HRC-Bikes zu sehen.

Team Movistar Yamaha

• Yamaha Motorradhersteller (Japan)
• Movistar Telekommunikation (Spanien)
• Monster Energy Drink (USA)

Nachdem sie mit Honda-Teams wie Gresini zusammenarbeiteten und die Weltmeisterschaft durch eine Hintertür verließen, was für die Japaner als Treulosigkeit galt, kehrte Movistar 2014 mit Yamaha in die Weltmeisterschaft zurück, um die neue hauseigene Pay-per-View-TV-Plattform zu promoten. Monster, wie bei Red Bull und Honda, landete nach den Lederkombis von Rossi und Lorenzo dann auf der Verkleidung der M1.

Team Suzuki Ecstar

• Suzuki Motorradhersteller (Japan)
• Ecstar Schmierstoffe (Japan)

Da sie dem Modell folgen, erst Sponsoren zu suchen, «wenn wir konkurrenzfähig sind», also aus Marketing-Sicht attraktiv, zahlt der Hersteller aus Hamamatsu die MotoGP-Rechnung selbst. Auf der Verkleidung prangt der Schriftzug Ecstar, Suzukis Schmiermittel-Marke. Falls sich jemand wundert, dass zwei Schmiermittelhersteller auf demselben Bike werben: Ecstar und Motul sind Schwestergesellschaften.

Team Ducati Corse

• Ducati Motorradhersteller (Italien)
• Philip Morris Tabak (multinational)
• Shell Mineralöl (Niederlande)

Ducatis Beziehung zu ihrem Reisebegleiter geht fast bis zu den Anfängen der niederländischen Mineralöl-Unternehmens zurück. Die Verbindung geht weit über das Sponsoring seit 1999 hinaus, denn es ist eine umfassende technische Kooperation. Die Zusammenarbeit mit der scheinbar abwesenden, aber eigentlich sehr präsenten Firma Phillip Morris, dem einflussreichsten Tabak-Konzern der Welt, begann schon bei der Geburt des MotoGP-Projekts. In der Superbike-WM war das L&M-Logo auf Ben Bostroms Bike zu sehen. Wow, wie die Zeit vergeht.

Team Red Bull KTM

• KTM Motorradhersteller (Österreich)
• Red Bull Energy Drink (Österreich)
• Motorex Schmiermittel (Schweiz)

«KTM und Red Bull sind zwei vom gleichen Schlag», erklärte KTM auf die Frage nach der Beziehung zum weltweit führenden Hersteller von Energy Drinks. Das Duo wird zusätzlich vom Schweizer Schmiermittelhersteller Motorex unterstützt, der von nun an auf dem KTM-Equipment aller drei Klassen zu sehen is. Zudem werden alle Motorräder aus Mattighofen nun mit den Schmierstoffen von Motorex ausgestattet. KTM, Red Bull und Motorex bilden nun eine solide Ehe von drei Firmen.

Team Aprilia Racing Gresini

• Aprilia Motorradhersteller (Italien)
• Now TV Sky TV-Sender (Italien)
• Tribul Mastercard Kreditinstitut (multinational)

Die einflussreiche Piaggio Group steht hinter dem Aprilia-Projekt. Die Teamplätze gehören aber Fausto Gresini. Now TV, die Sky-Alternative zu Netflix, steht ihnen schon seit einigen Jahren zur Seite. Ende 2017 kam Tribul Mastercard hinzu.

Team LCR Honda

• Givi Zubehör für Motorräder (Italien)
• Castrol Schmiermittel (Großbritannien)
• Rizoma Zubehör für Motorräder (Italien)
• Bei Takaaki Nakagami auch Idemitsu Schmieröle (Japan)

Ein spezieller Fall ist Lucio Cecchinellos Team. Ein wahrer Sponsoren-Drahtseilakt zwang das Team dazu, die Verkleidung der Bikes für jeden Grand Prix neu zu gestalten. Bei Takaaki Nakagami, der als zweiter Fahrer für 2018 zum Team stieß, kam Idemitsu hinzu. Der wohl einzige Sponsor für seine Seite des Teams. Dieser japanische Sponsor gilt als treuer Partner von Honda.

Team EG 0,0 Marc VDS

• Marc VDS Mäzen (Belgien)
• Estrella Galicia Bierbrauerei (Spanien)
• Total Oil (Frankreich)

Ein einzigartiges Projekt von Teambesitzer Marc van der Straten. Ein Bier-Milliardär und belgischer Unternehmer, der das Budget für sein MotoGP-Team aus eigener Tasche zahlen kann. Seltsamerweise ist ihr Hauptsponsor eine Bierbrauerei aus Spanien, die unter der Führung von Emilio Alzamora und Marc Márquez in die Weltmeisterschaft kam. Ein Projekt wie jenes von van der Straten ist sicherlich eine Seltenheit.

Team Alma Pramac Ducati

• Pramac Generatoren (Italien)
• Alma Personalmanagement (Italien)
• FIAMM Batterien (Italien)

Das «Junior Team» von Ducati ist ein privates Team, das Pramac-Chef Paolo Campinoti gehört und von einer Firma gemanagt wird, die es als globale Werbung für die eigene Marke nutzt.

Team Reale Avintia

• Reale Seguros Versicherungen (Spanien)
• Avintia Bauunternehmen (Spanien)
• Croisi Europe Tourismus (Belgien)

Nachdem ein Teamteilhaber, der auch Besitzer des Bauunternehmens Avintia ist, das Team verlassen hat, wurde Reale Seguros, eine Tochtergestellschaft von Generali, 2017 zum Hauptsponsor des Rennstalls von Raúl Romero. In dieser Saison kam Croisi Europe durch Xavier Siméon als Geldgeber hinzu, eine belgische Firma, die auf Flusskreuzfahrten spezialisiert ist. Tito Rabat steuert auch einen guten Teil zum Budget bei, um eine 2017-Ducati zu erhalten.

Team Ángel Nieto

• Pull & Bear Bekleidung (Spanien)
• Gaviota Sonnenschutz (Spanien)

Das Aspar-Martinez-Team, das für 2018 zu Ehren von Ángel Nieto umbenannt wurde, wartet noch auf den Abschluss eines Deals mit einem dritten Sponsor, um das Budget für 2018 zu komplettieren. Das frühere Aspar-Team nimmt Geld durch einem Bezahlfahrer ein. Er bezahlt, um den zweiten Platz im Team zu erhalten: Karel Abraham.

Team Tech3 Yamaha

• Monster Energy Drink (USA)
• De Walt Elektrowerkzeug (USA)
• Motul Schmiermittel (Frankreich)

Eines der solidesten Kundenteams in der MotoGP-WM. Die Professionalität, mit der Hervé Poncharal sein Team betreibt, sorgt dafür, dass die Sponsoren-Deals über viele Jahre halten. Darum war das auch die Tür, an die KTM für ihr erstes MotoGP-Satelliten-Team klopfte.

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