Sachsen-GP: ADAC reagiert auf Vorwürfe von Kretschmar

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Der ADAC liegt im Clinch mit den Sachsen

Der ADAC liegt im Clinch mit den Sachsen

Michael Kretschmar, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, sorgt sich um seinen wackligen Grand Prix. Er feuerte am Montag eine Breitseite gegen den ADAC ab. Jetzt kommt die Retourkutsche.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will das MotoGP-Rennen mit allen Mitteln in seiner Region halten. Aber statt zwischen den Streitparteien zu vermitteln und einen Konsens zu suchen, goss er noch mehr Öl ins Feuer.

Kretschmar kritisierte den ADAC scharf. «Mein Ziel ist, dass es dieses Rennen auch in den nächsten Jahren gibt. Ich glaube, dass natürlich die Region, aber der gesamte Freistaat von diesem Grand Prix profitiert», erklärte Kretschmer am Montagabend in Limbach-Oberfrohna. Es sei jetzt am ADAC Klarheit zu schaffen, was die wirtschaftlichen Interessen «für dieses sehr eigenartige Verhalten» seien.

Der ADAC hat bekanntlich den Fünfjahresvertrag mit der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM) vor zwei Wochen nach zwei von ursprünglich geplanten fünf Jahren gekündigt. Der Grand Prix 2018 ist von dieser Maßnahme freilich nicht betroffen.

Der ADAC e.V. hat von der Dorna bis inklusive 2021 das Recht, den Motorrad-GP von Deutschland zu vergeben. In diesem Vertrag ist kein Standort und kein Promoter festgeschrieben.

Das heißt: Ohne Partnerschaft mit dem ADAC wird in den nächsten drei Jahren in Sachsen kein Motorrad-GP stattfinden.

Offenbar hatte die in finanziellen Schwierigkeiten steckende SRM GmbH die Bankbürgschaft für 2019 in der Höhe von ca. 3,8 Millionen Euro nicht rechtzeitig bereitstellen können.

Jetzt sucht der ADAC einen neuen Veranstalter und sieht sich gleichzeitig nach einem alternativen Standort für den Motorrad-GP von Deutschland um. Obwohl sich alle Beteiligten bewusst sind: Der Sachsenring wäre der bevorzugte Schauplatz.

Aber nach dem Zuschauerdesaster von 2017 und einem Verlust von rund 900.000 Euro droht 2018 ein ähnliches Finanzdebakel.

Deshalb will der ADAC e.V. eine nachhaltige Lösung für den zuschauerträchtigsten Motorsport-Event Deutschlands suchen.

MotoGP-Rechte-Inhaber Dorna Sports kann sich auch einen alternierenden Standort vorstellen – Sachsenring und Nürburgring könnten den Grand Prix abwechselnd beherbergen.

«Wir haben mit der Region und der SRM GmbH einen Partner, der unglaublich verlässlich, professionell und auch mit sehr niedrigen Kosten diese Veranstaltung organisiert», sprach der womöglich etwas blauäugige sächsische Regierungschef. Er stellte die Frage, warum der «ADAC so einen Zirkus mache».

Dann wärmte er sinnigerweise den vier Jahre alten Skandal auf, als der ADAC beim Automobilpreis «Gelber Engel» bei der Anzahl der abgegebenen Stimmen und der Rangfolge der Autos manipuliert hatte. Außerdem hatten sich Mitglieder des ADAC-Präsidiums mit Rettungshubschraubern des Vereins zu verschiedenen Veranstaltungen fliegen lasssen.

«Wenn ich ADAC wäre und so eine Geschichte der letzten Jahre hinter mir hätte, wo so viel Vertrauen verloren ist, würde ich mich jetzt ein bisschen anders verhalten», lautete die kryptische und schulmeisternde Aussage des CDU-Politikers.

Michael Kretschmer steht mit den Lokalpolitikern der umliegenden Gemeinden im Gespräch über die Zukunft des Sachsenrings: «Wir halten da zusammen.» Man lasse sich nicht für dumm verkaufen, ergänzte CDU-Mann. «Ich möchte dieses Rennen. Ich möchte nicht nur dieses Jahr kommen dürfen, sondern auch in den nächsten Jahren.»

Aber der Ball liegt jetzt beim ADAC und dessen Sportpräsident Hermann Tomczyk, der als Dorna-Partner seit 1992 das volle Vertrauen von CEO Carmelo Ezpeleta genießt.

Der ADAC reagierte heute auf die nicht gerade von Diplomatie getragenen Sprüche von Ministerpräsident Kretschmar.

«Wir sind verwundert von den Aussagen von Ministerpräsident Kretschmar zur Vertragsauflösung mit der SRM. Die sächsische Staatskanzlei war über die drohende Vertragskündigung dauerhaft informiert und hätte eingreifen können. Bei unseren Bemühungen, gemeinsam mit der SRM und Vertretern der sächsischen Staatskanzlei eine konstruktive Lösung zu finden, um die Vertragskündigung zu vermeiden, haben wir stets mit offenen Karten gespielt. Unser vorrangiges Ziel ist es weiterhin, die Zukunft des deutschen Motorrad-Grand-Prix über das Jahr 2018 hinaus zu sichern, im Idealfall auf dem Sachsenring», sagte ein ADAC-Sprecher gegenüber SPEEDWEEK.com.

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