Carlos Checa: «Lorenzos Wandlung ist unglaublich»

Von Frank Aday
MotoGP
Norick Abe, Carlos Checa und Sete Gibernau beim Jarama-GP 1998

Norick Abe, Carlos Checa und Sete Gibernau beim Jarama-GP 1998

Ex-GP-Pilot Carlos Checa lobte die Beständigkeit von Marc Márquez und neue Stärke von Jorge Lorenzo. Der Spanier analysierte zudem die Kräfteverhältnisse in der MotoGP-Klasse und gab seinen Weltmeister-Tipp ab.

Der Spanier Carlos Checa gab sein GP-Debüt 1993 und erlebte auch den Wechsel von der 500-ccm- zur MotoGP-Klasse mit. Vor dem Grand Prix von Assen sprach Checa über die Entwicklung der Königsklasse in den vergangenen Jahren und die MotoGP-Saison 2018.

Carlos, du hast den Wechsel von der 500-ccm- zur MotoGP-Klasse miterlebt. Wie wirkte er sich aus? Und was hältst du von den heutigen MotoGP-Bikes?

Die 500-ccm-Maschinen vereinten nicht so viel Technik in sich. Du musstest sehr vorsichtig mit dem Gasgriff umgehen, obwohl sie nicht so viel Power hatten. Woran die Leute meistens nicht denken, sind die Reifen. In diesem Bereich war der Unterschied groß, als die MotoGP-Klasse eingeführt wurde. Die größte Veränderung war aber ohne Zweifel der Einsatz der Elektronik. Sie hat sich seitdem deutlich weiterentwickelt. Die MotoGP-Maschinen haben mehr Power, wodurch eine gute elektronische Steuerung notwendig wird. Zudem tummeln sich nun neue Hersteller in dieser Klasse. Das trägt zum Wachstum der Weltmeisterschaft bei.

Wie bewertest du die ersten sieben Rennen der Saison?

Diese Klasse ist sehr interessant. Offensichtlich besteht ein großer Unterschied zwischen Márquez und dem Rest. Abgesehen von seinem Sturz in Mugello war Marc sehr konstant und konnte viele Stürze abfangen. Seine Gegner waren nicht so beständig wie er. Nun hat sich Lorenzo verbessert. Seine Wandlung in den letzten Rennen war unglaublich. Ich denke, Valentino [Rossi] hält weiter mit, während Viñales seinen Weg noch nicht gefunden hat. Wie auch Pedrosa. Aprilia und KTM haben nicht die nötige Pace. Es sieht trotzdem nach einer spannenden Saison aus.

Du bist für Honda, Yamaha und Ducati gefahren. Wie schätzt du diese drei Hersteller nun ein?


Sie sind sich recht ebenbürtig. Ich würde sagen, dass die Ducati vielleicht die Maschine ist, die im Moment am besten funktioniert. Yamaha hat auf einigen Strecken Schwierigkeiten. Die Honda macht in der Kombination mit Marc den Unterschied. Aber insgesamt befinden sich diese Hersteller auf einem ähnlichen Level. Auch Suzuki steht nicht schlecht da, aber ihnen fehlt es an Motorkraft. Das Projekt von KTM ist noch sehr jung. Die Aprilia ist wahrscheinlich das Bike, das im Moment am weitesten hinten liegt. Ich denke, die neuen Regeln und die Reifen haben dazu beigetragen, das Kräfteverhältnis ausgeglichener zu gestalten. Den Unterschied macht nun, wie gut sich der Fahrer fühlt. Und das ist von der Strecke und den Bedingungen abhängig.

Hast du mit einem zweiten Sieg in Folge für Lorenzo gerechnet?

Ich habe gedacht, dass Lorenzo schon 2017 siegen würde. Das war nicht der Fall und eine große Enttäuschung für ihn und das Werk. Es ist schade, dass die Resultate genau in dem Moment kamen, als sich Ducati gegen ihn entschieden hatte. Doch niemand hat damit gerechnet, dass er das schafft. Wenn er damit gerechnet hätte, dann hätte ihm Ducati wohl vertraut und etwas länger gewartet. Bis Brünn beispielsweise. Ich weiß nicht, was nun passiert, denn nun kommen schwierigere Strecke für ihn und das Bike. Darum erwarte ich Rennen, in denen mehrere Fahrer um den Sieg kämpfen können.

Wie bewertest du Márquez’ Verhalten, als er Platz 2 sicherte, da Jorge nicht zu schlagen war?

Marc ist einer der besten und begabtesten Fahrer im Moment. In Barcelona hatte er noch seinen Fehler aus Mugello im Kopf. Darum war es richtig und klug, den zweiten Platz zu sichern. Der Versuch, Lorenzo einzuholen, der aktuell nicht Teil des Titelkampfes ist, wäre ein Fehler gewesen. Marc zeigt nun mehr Reife als in den letzten Jahren.

Dani Pedrosa hat in den letzten 16 Jahren in jeder Saison zumindest einen Sieg gefeiert. Was kannst du über ihn sagen?

Dani ist ein großartiger Fahrer, aber vielleicht schränkt ihn seine Statur in dieser Klasse ein. Er war immer schnell, aber seine Verletzungen haben es ihm nicht erlaubt, einen Titel zu holen. Dani wäre für jeden Hersteller eine Garantie, denn er ist immer vorne dabei und ein fleißiger Arbeiter. Im Moment macht er mit Marc zusammen einen hervorragenden Job, obwohl ihn Marc in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund drängte.

Welche Voraussagen kannst du über den Assen-GP treffen?

Alles kann passieren. Wir werden sehen, welche Voraussetzungen sich bieten, aber im Trockenen können Lorenzo und Ducati wieder sehr stark sein. Márquez wird auch vorne dabei sein. Und die Yamaha funktioniert dort sehr gut. Es ist eine gute Strecke für Valentino.

Welche Fahrer bilden deiner Meinung nach am Ende der Saison die Top-3 der Gesamtwertung?

Ich sehe Marc als Sieger im Titelkampf. Zweiter wird, wenn sich nichts ändert, voraussichtlich Rossi. Ich schwanke aber bei meiner Wahl für Platz 3. Im Moment Lorenzo. Wenn er allerdings so weitermacht, dann könnte er auch Platz 2 schaffen.

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