Macht Marc Márquez die MotoGP-WM bald langweilig?

Kolumne von Michael Scott
MotoGP
Marc Márquez vor Dovizioso und Rossi: Bisher war die WM abwechslungsreich

Marc Márquez vor Dovizioso und Rossi: Bisher war die WM abwechslungsreich

Marc Márquez hat zwar 2018 schon fünf Rennen gewonnen, er liegt 46 Punkte vor Rossi. Aber die WM ist abwechslungsreich, alles ist enger zusammengerückt.

Nachdem die schönen Erinnerungen an die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland langsam abflammen, gibt es immer noch Wahrheiten, die man in der Glut finden kann. Diese haben mit Sport zu tun, mit Anzeigetafeln und mit der Essenz von Reinheit.

Wir alle lieben den Motorradrennsport. Es geht um Athletik, unendliches Potenzial für alle möglichen Arten von Überraschungen und viel hektische Action. Nicht zu vergessen: interessante Motoren und packende Technologie.

Aber für den Fußball habe ich persönlich nie Begeisterung aufbringen können für das, was die eingeschworenen Fans «das schöne Spiel» nennen.

Natürlich erkenne ich die Kunst der Ballkontrolle, die Agilität der Fußarbeit, das taktische Teamspiel... Ich sehe auch die Leidenschaft der Fans, die oft den Siedepunkt erreicht und oft sogar übersteigt.

Aber ich glaube, das Hauptproblem liegt darin, dass man selten überrascht wird. Das Nervige sind die langgezogenen Spiele und schlimmer noch die, in denen keine Tore geschossen werden. Viel scheinbar nutzloses herum rennen und den Ball vor sich her kicken, für gar nichts. Dann die Enttäuschung: Nach stundenlangem Geschick und unbelohnter Kunst wird das Resultat von beliebigem Glück oder Pech eines Penalty-Schießens entschieden.

Aus irgendeinem Grund hat aber die Fussball-WM in Russland bei einer großen Bandbreite an Menschen Interesse erweckt, unter anderem bei mir. Während ich das eine oder andere Match bei einem Public Viewing geguckt habe, habe ich mich laut gefragt: Wäre es nicht besser, wenn sie mehr Tore schiessen könnten? Es ist echt schwierig, den Ball ins Netz zu kriegen. Wieso kann man es nicht einfacher machen?

Wieso machen sie die Tore nicht einfach ein bisschen grösser?

Bei diesem Vorschlag haben die hartnäckigen Fans aufgeheult. Scheinbar habe ich das Thema verfehlt. Genauso wie die Spieler, die das Tor verfehlt haben. Eine solche Veränderung würde die Reinheit des schönen Spiels zerstören.

Ich habe es verstanden, als ich ein wenig später auf dem Heimweg war: Das ist tatsächlich das, was die Dorna getan hat. Das kontinuierliche Vereinfachen, zusammen mit permanentem Druck während der letzten fünf Jahre, hat die Spitze breiter gemacht, so wie man beim Fußball die Tore breiter machen sollte.

Die Motorräder sind einander alle ähnlicher geworden, mit den Zylinderzahlen und der vorgeschriebenen maximalen Bohrung, die die Motorleistungen der Werke bis zu einem gewissen Grad angleichen. Die MotoGP-Elektronik wurde vereinheitlicht und trotzdem benutzerfreundlicher gemacht, während sie gleichzeitig weniger raffiniert wurde, was die Kontrolle der Hardware und Software betrifft. Eine identsiche ECU für allen und einige Gebiete, in denen die Teams und Fahrer ihre eigenen Stärken und Schwächen austesten können, wurden zunichte gemacht.

Kurz gesagt: Auch wenn das Limit höher wird, weil sich die Technologie weiterentwickelt, wird es auch einfacher und sicherer, etwas zu erreichen.

Dani Pedrosa: «Wer ist ein guter Fahrer»

Repsol-Honda hat kürzlich ein überraschendes, kitschfreies Video von Dani Pedrosa veröffentlicht, in dem er sich selbst interviewt.

Das Ganze wurde mit Trick-Fotografie gemacht. Als Interviewer und Interviewter ist er ein sehr guter Fahrer, aber ein Einblick hat komplett ins Schwarze getroffen.

Dani sagte zu sich selbst: «Mit den Zweitaktern war es leicht, das Potenzial eines Fahrers zu erkennen. Heute, mit den Viertaktern, ist es schwierig, herauszufinden, wer ein guter Fahrer ist.»

Das ist die Konsequenz, wenn man das Finden des Limits einfacher macht.

Die Frage ist folgende: Hat das die Reinheit des Sports kaputt gemacht?

Diese Frage ist tatsächlich schwieriger zu beantworten als man sich vielleicht vorstellen kann.

Auf eine Art, ja. Es ist natürlich alles andere als einfach, die komplette Power aus einem Gaul mit mehr 250 PS herauszuholen, aber es wird den Menschen einfacher gemacht als je zuvor. Die Prüfung ist einfacher und die Anzahl an Personen, die die MotoGP-Prüfung mit Auszeichnung bestehen, dadurch deutlich höher.

Auf die andere Art, verdammt nochmal, nein.

Schaut euch einmal an, was dieses Jahr in Assen passiert ist. Die Top-15 waren so eng beieinander wie noch nie zuvor, sodass da ein Rekord gebrochen wurde; aber noch krasser war die Größe der Gruppe, die um den Sieg kämpfte und wie sie sich in jeder Runde verändert hat. Jemand hat behauptet, mehr als 200 Überholmanöver gezählt zu haben, obwohl ich mir nicht sicher bin, wie man das so genau zählen will. Und wie spannend war es, diesen extrem schnellen Motorrädern zuzuschauen, wie sie sich gegenseitig mit einer Heftigkeit bekämpften, die man sonst in der Moto3 erwartet.

Marc Márquez ist aus dem Kampf ausgestiegen und überließ es den anderen, sich gegenseitig abzuschießen. Das sagt viel über sein Talent aus.

Das bestätigt die Wahrheit über den Motorradsport: Egal, wie viel sich verändert, es gewinnen immer noch dieselben Leute.

2016 gab es eine Rekordzahl an verschiedenen Rennsiegern, nämlich neun. Aber das war eine Ausnahme. Letztes Jahr war es eine normale Saison – mit fünf unterschiedlichen Gewinnern. Márquez und Dovizioso haben je einen Drittel aller Rennen gewonnen – sechs von 18.

Dieses Jahr gab es bisher vier verschiedene Sieger in den ersten neun Rennen. Jeweils einer für Andrea Dovizioso und Cal Crutchlow, zwei für Lorenzo und die übrigen fünf Siege gingen an Márquez.

• Wenn ständig dieselbe Person gewinnt, aber die Fans traotzdem genug Spaß dabei haben, ist die MotoGP dann immer noch der schöne Sport?

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