Valentino Rossi: «Das ist auch eine Charaktersache»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Obwohl das Yamaha-Werksteam seit Juni 2017 kein MotoGP-Rennen gewann, ist Valentino Rossi immer noch gut gelaunt und zuversichtlich. «Ich habe schlimmere Phasen überstanden», sagt der 39-Jährige.

Das hoch dekorierte Movistar-Yamaha-Werksteam wird seit eineinhalb Jahren immer wieder mal von Johann Zarco auf der Gebraucht-Yamaha besiegt. Der letzte Sieg geschah in Assen Ende Juni 2017. Valentino Rossi liegt nach 11 von 19 Rennen in der MotoGP-WM bereits 59 Punkte hinter Leader Marc Márquez (Repsol Honda). Teamkollege Maverick Viñales hat sogar 88 Punkte auf Márquez eingebüßt. Und so mancher Experte fragt sich, was Yamaha dazu bewogen hat, dem zermürbten Spanier bereits im Januar einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag zu geben. Vielleicht hat Hauptsponsor Movistar mitgespielt, aber das spanische Mobilfunk-Unternehmen steigt nach fünf Jahren sowieso aus.

Auf jeden Fall sind die beiden japanischen Yamaha-Rennmanager Tsuji und Tsuya seit Monaten nur noch mit missmutigen Mienen im Fahrerlager zu sehen. Sie bekommen von Rossi und Viñales einiges zu hören. «Ich beklage mich seit einem Jahr, aber es ändert sich nichts», jammerte Rossi in Spielberg.

Er war im Qualifying 0,327 sec langsamer als im Vorjahr. Márquez, Dovizioso und Zarco fuhren dieselben Zeiten wie 2017.

Das heißt: Yamaha entwickelt sich nach hinten, das beweist auch die Startposition von Valentino: 14. Platz, im Vorjahr noch Siebter!

Valentino, Yamaha-Projektleiter Tsuya hat sich am Samstag in Spielberg für das schlechte Material bei den Fahrern entschuldigt. War das sinnvoll? Was war notwendig?


Es liegt nicht an mir, diese Frage zu beantworten.


Für mich ist es wichtiger, dass sie das Motorrad verbessern. Entschuldigungen bringen uns nicht weiter. (Er lacht). Das ist das einzige, was wichtig ist.

Du hast erklärt, dass du von Yamaha seit einem Jahr Taten forderst. Aber es hat sich nichts verändert. Die Situation wird langsam dramatisch. Die Yamaha-Ingenieure wirken überfordert? Müssen Leute wie Tsuji oder Tsuya ausgetauscht werden? Bist du zu 100 Prozent überzeugt, dass diese Personen das Problem lösen können?


(Er lacht verlegen). Ich kann darauf keine Antwort geben. Ich arbeite für Yamaha. Meine Arbeit ist es, aus dem Motorrad als Fahrer das Maximum herauszuholen. Außerdem muss ich Hinweise liefern, wie wir uns verbessern können. Ab diesem Punkt ist es nicht mehr mein Job.

Jetzt sind die Ingenieure gefordert. Sie müssen sich bemühen. Mein Input ist geleistet. Ich glaube nicht, dass das Senior-Management entlassen wird. Wir müssen versuchen, uns mit den vorhandenen Personen zu steigern. Ich glaube, das kann klappen.

Aber es muss auf die richtige Art und Weise und auf den richtigen Gebieten gearbeitet werden.


Warum bist du davon überzeugt, dass die Beschleunigungsprobleme der M1 in erster Linie von der Elektronik verursacht werden? Kann es nicht an der Hardware liegen – am Chassis oder am Motor?


Für mich ist unser Chassis in Ordnung. Aber es stimmt, es liegt nicht nur an der Elektronik, es hat auch mit dem Motor zu tun. Ja.
Wenn wir auf die Piste schauen: Honda und Ducati haben sich in den letzten eineinhalb Jahren stark verbessert. Es wurde viel verändert.

Es liegt an einer Kombination von ECU und Motor. Schwer zu sagen, welcher Prozentsatz mit der Motorsteuerung zu tun hat.


In der MotoGP-WM bist du in Spielberg mit 1 sec Rückstand auf dem 14. Platz. Anderseits hast du in Brünn den Podestplatz nur um 2 sec verspielt.

Auf dem Sachsenring habe ich den Sieg nur um 2,1 sec verpasst. Doch in Deutschland steckten die Ducati in Schwierigkeiten. In Brünn haben wir ein ähnliches Rennen erlebt. Der Unterschied: Die zwei Ducati-Werksfahrer waren sehr stark.


Das ist die aktuelle Realität.

So eine Veränderung der Kräfteverhältnisse haben wir in den letzten zehn Jahren nie erlebt. Die Unterschiede sind sehr gering.

Aber wir sind das Yamaha Factory Team. Wir müssen uns mit den Werksteams von Honda und Ducati vergleichen, nicht mit den restlichen Teams und Werken. Im Moment haben wir gegenüber Honda und Ducati Nachteile. Das ist ersichtlich.


Trotz der schwiegen Phase für Yamaha bist du immer noch gut gelaunt, zuversichtlich und entspannt. Maverick Viñales ist zutiefst deprimiert. Woran liegt das? An deinem Alter? An deiner Persönlichkeit? Woher nimmst du deine Zuversicht?

Das ist eine Frage der Erfahrung. Denn ich habe schon viele schlimmere Phasen in meiner Karriere durchgestanden und mitgemacht. Mehr als Maverick. Er ist viel jünger als ich.
Aber es ist auch eine Charaktersache.

Trotzdem bin ich überzeugt: Sobald uns beim Motorrad die nötigen Fortschritte gelingen, kann Maverick das erste Rennen gewinnen. Er ist nicht hoffnungslos verloren. Er hat das Fahren nicht verlernt. Er braucht nur ein besseres Bike. Sobald wir das haben, wird er im nächstbesten Training wieder vorne mitmischen. Ganz sicher.

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