Valentino Rossi: Gepflegte Feindschaften als Antrieb

Von Günther Wiesinger
MotoGP
2017 kehrte Sete Gibernau als Riding-Coach und Manager von Dani Pedrosa ins Fahrerlager zurück. Seine Rivalität mit Valentino Rossi bleibt unvergessen. Vale stritt mit fast allen Gegnern auch neben der Piste.

«Viel Feind, viel Ehr'», scheint das Motto von Valentino Rossi zu sein, der immer wieder Feindschaften suchte, um das letzte Quäntchen an Motivation aus sich herauszukitzeln. Biaggi, Gibernau, Stoner, Lorenzo und Márquez, das sind jene Bäumchen, an denen sich der Italiener mit Vorliebe rieb.

Sich in der Motorrad-Weltmeisterschaft mehr als 20 Jahre an der Spitze zu halten und beim 383. Grand Prix wie in Valencia 2018 immer noch in Führung zu liegen, verlangt einen speziellen Treibstoff. Bei Valentino Rossi kommen als Antrieb noch die penibel gehegten Animositäten gegenüber anderen Fahrern hinzu. 


Der Spanier Sete Gibernau büßte 2005 für einen Protest seines Teams gegen Rossi aus 2004. Rossis Yamaha-Team hatte damalks in Katar den Startplatz gesäubert, was den Vorschriften widersprach, deshalb wurde er auf den letzten Startplatz versetzt. Rossi stürzte dann bei der Aufholjagd. Gibernaus WM-Chancen stiegen. Aber Rossi gewann den Titel trotzdem – in seinem ersten Jahr bei Yamaha. Und Sete gewann nie mehr ein Rennen.

Als Dank für den Protest strafte Rossi den Spanier Gibernau jahrelang mit Nichtbeachtung. Und 2005 rammte er den Vorjahressieger in der letzten Runde des Jerez-GP in der Zielkurve einfach von innen, Gibernau musste einen Ausflug ins Kiesbett machen. Rossi siegte 8,6 sec vor Gibernau, die Fans pfiffen den Italiener wütend aus und beschimpften ihn als Hurensohn.

Gegen den Australier Casey Stoner waren es permanente Bosheiten über divergierende Ansichten zum Thema Ducati (Stoner war damit erfolgreich, Rossi nicht). Das innigste Psychomatch entspann sich mit Rossis Teamkollegen Jorge Lorenzo, der 2008
nach zwei 250-ccm-WM-Titeln zum Yamaha-Werksteam stieß.

Rossi betrachtete den Spanier als lästigen Eindringling, der seine
Vormacht bedrohte und bestand deshalb auf der exklusiven
Nutzung der siegreichen Bridgestone-Reifen – Lorenzo bekam
nur das Konkurrenzprodukt von Michelin. Damit ertlebte Lorenzo einige schlimme Highsider. Zudem ließ Rossi in der Yamaha-Box eine Mauer zwischen sich und Lorenzo aufrichten, um einen Ideentransfer zu verhindern.

Manchmal schreckte Rossi auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurück. Nach dem 500-ccm-GP in Barcelona 2001 (Rossi siegte 2,5 sec vor Max Biaggi) kam es auf dem Stiegenaufgang zum Podest zu einem Wortgefecht mit Biaggi. Der treffsichere Rossi brachte mit dem Helm in der Hand einen gekonnten Schlag an, Max erlitt eine blutende Platzwunde unter dem Auge. «Ein Moskito-Stich», erzählte Biaggi später den Journalisten.

2015 kämpfte Rossi erneut gegen seinen Yamaha-Teamkollegen Lorenzo um den Titel. Beim drittletzten Rennen in
Australien war er der Ansicht, der bereits chancenlose spanische
Weltmeister Marc Márquez leiste seinem Landsmann Lorenzo
durch inaktive Fahrweise Schützenhilfe. Diese Ansicht tat Rossi am Donnerstag vor dem folgenden Grand Prix in Sepang auch gegenüber den überraschten Journalisten kund. Heute weiß jeder bei Yamaha: Das war der schwerste Fehler in Rossis Laufbahn.

Denn Márquez tat danach im Rennen in Sepang tatsächlich nur das Nötigste, er hielt den Italiener in jeder Kurve auf, fuhr fast eine Sekunde langsamer als im Training und ließ Dani Pedrosa in Ruhe gewinnen, worauf der genervte Rossi Márquez auf den schmutzigen Teil der Strecke bugsierte und der Spanier stürzte. Sogar ein Beinstoß wurde Rossi zur Last gelegt,  aber dieser ließ sich nicht zweifelsfrei feststellen. Trotzdem wurde Rossi im finalen Saisonrennen in Valencia auf den letzten Startplatz strafversetzt – und er verspielte den Titel gegen Lorenzo um fünf Punkte.

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