Massimo Rivola: «Wir erwarten schwierige Zeiten»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Massimo Rivola

Massimo Rivola

Der neue Aprilia-MotoGP-Rennchef Massimo Rivola hat eine Mammutaufgabe übernommen. Aprilia hat das kleinste Budget aller Werke, trotzdem muss 2020 eine Trendwende gelingen. «Mit einem komplett neuen Bike», sagt er.

Die beiden Aprilia-MotoGP-Werksfahrer Aleix Espargaró und Andrea Iannone liegen bei Halbzeit der Weltmeisterschaft mit 46 und 32 Punkten auf den enttäuschenden Rängen 14 und 15. Aprilia hat 2019 erst vier Top-Ten-Plätze errungen. In der Marken-WM hält sich KTM wie schon 2017 und 2018 an sechster und letzter Stelle hinter KTM. Die Österreicher halten bei 88 Punkten, Aprilia bei 66.

Seit dem Saisonbeginn ist Massimo Rivola beim Aprilia Racing als neuer CEO tätig. Sein Vorgänger Leo Mercanti hat diese Funktion quasi nebenberuflich ausgeübt, denn er ist auch als Geschäftsführer im Kerngeschäft Motorradverkauf tätig. Rivola kommt aus der Formel 1, er war bei der Scuderia Toro Rosso und bei Ferrari tätig und fand in der MotoGP-WM bei Aprilia einige Baustellen vor.

Aleix Espargaró sicherte sich erst in Aragón wieder einen Topt-Ten-Platz, von Argentinien weg hatte er das nie geschafft und in dieser Phase oft über das Material und die stillstehende Entwicklung bei Aprilia gelästert. Er verfüge im Grunde seit drei Jahren über das gleiche Material, lästerte der 29-jährige Spanier.

Dabei hat Aprilia im fünften Jahr der MotoGP-Rückkehr mit Bradley Smith wenigstens einen ernsthaften Testfahrer engagiert. Die Flops mit den langsamen Testfahrern Mike di Meglio und Matteo Baiocco, die von 2016 bis 2018 unterwegs waren, hatten viel zum technischen Stillstand beigetragen.

«Die Verpflichtung von Bradley war nützlich», versichert Rivola. «Anderseits hätten wir ihn gerne mehr eingesetzt. Dazu hätten wir aber mehr technische Neuheiten gebraucht. Aber im Vergleich zur Vergangenheit haben wir mit dem Testteam 2019 eine Schritt nach vorne gemacht. Aber ich stimme zu: Wir müssen auch in diesem Bereich einen weiteren Schritt nach vorne machen.»

Bradley Smith sollte mit der Aprilia RS-GP 19 eigentlich fünf Wildcard-Einsätze bestreiten. Aber er unterschrieb dann einen gutdotierten MotoE-Vertrag beim Petronas-Team – und musste dann seinen Terminplan ändern.

So konnte der Brite nicht in Misano fahren und muss auch auf Valencia verzichten – wegen des MotoE-Deals.

Die Aufgaben des bisheriges Aprilia-Racing-Teamprinzipals Romano Albesiano wurde nach der Ankunft von Rivola auf die Funktion des Technical Directors zusammengestutzt. Bis dahin hatte er sich als Alleinherrscher gebärdet und etliche umstrittene Entscheidungen getroffen. Sam Lowes, Scott Redding und Andrea Iannone waren sicher nicht die weitsichtigsten und zukunftsträchtigsten Fahrerengagements von Aprilia.

Dazu machte Aprilia (bisher 54 WM-Titel gewonnen) bis Ende 2017 in der Superbike-WM weiter, ohne sinnvolles Konzept, ohne anständiges Budget, ohne Weiterentwicklung und ohne Werksteam.

Gleichzeitig jammerte Albesiano, das MotoGP-Budget reiche im Vergleich zu jenem von KTM (30 Millionen im Jahr) nicht aus.  Auch das Fehlen eines Hauptsponsors wurde beklagt. Aber die Aprilia-Resultate waren nie dazu angetan, einen Millionensponsor anzulocken.

Gleichzeitig wurde jedoch schon 2017 ein wahnwitziges Ziel verkündet: «Wir wollen in der MotoGP-WM unter die Top-5 fahren.»

Piaggio-Group-CEO Roberto Colaninno posaunte damals: «Wir können uns nicht vornehmen, dass wir Marc Márquez besiegen. Aber hinter ihm werden wir für Überraschungen sorgen.»

Albesiano ergänzte gerne: «Unser Motorrad hat keine Schwachstellen.»

Rivola: «Das aktuelle Bike ist am Ende»

Massimo Rivola gibt sich wesentlich bescheidener und realistischer. «Ich habe jedenfalls verlangt, das Motorrad für nächstes Jahr grundlegend zu ändern. Ich habe das Gefühl, unser jetziges Motorrad befindet sich am Ende seiner Kapazitäten. Deshalb brauchen wir ein komplett neues. Dann können wir neues Potenzial finden.»

Aprilia Racing hat mit Teambesitzer Fausto Gresini ein Joint Venture bis Ende 2021. Danach will Aprilia wie die fünf anderen Hersteller zwei eigene Plätze im Feld. Die Dorna hat noch zwei MotoGP-Plätze frei, die für Valentino Rossi reserviert waren und die vor einem Jahr bei Marc VDS wegfielen. Aber auch das finanzschwache Avintia-Team könnte mit sanftem Druck der Dorna zur Überlassung seiner beiden Plätze an Aprilia überredet werden.

Das bedeutet aber: Aprilia muss 2020 einen klaren Aufwärtstrend zeigen, damit Colaninno zu dieser langfristigen Investition überredet werden kann.

Rivola stimmt zu. «Ja, ja. Das ist richtig. Genau! Es ist wahr. Die Saison 2020 wird sehr wichtig für uns. Und wir wissen, dass wir schwierigen Zeiten entgegensteuern, weil wir das Motorradkonzept total umkrempeln. Wenn wir das Motorrad erstmals auf die Piste bringen, könnte es anfangs langsamer sein als das heutige. Es könnte ein schlechtes Gefühl an die Fahrer vermitteln. Besonders bei Aleix, der seit drei Jahren an das jetzige Bike gewöhnt ist.»

Welche Schwerpunkte haben bei der Neuentwicklung Vorrang? Aleix Espargaró klagt zum Beispiel immer über einen mangelhaften Top-Speed. «Ich glaube, die Motorleistung ist nicht unser Hauptproblem. Es handelt sich um eine Mischung mehrerer Faktoren. Es ist klar: Man kann nie genug Power haben. Trotzdem meine ich, die Power ist nicht unsere größte Schwäche.»

WM-Stand MotoGP nach 14 von 19 Rennen

1. Marc Márquez 330. 2. Dovizioso 202. 3. Rins 156. 4. Petrucci 155. 5. Viñales 147. 6. Rossi 137. 7. Quartararo 123. 8. Miller 117. 9. Crutchlow 98. 10. Morbidelli 80. 11. Pol Espargaró 77. 12. Nakagami 68 . 13. Mir 49. 14. Aleix Espargaró 46. 15. Iannone 32. 16. Bagnaia 29. 17. Oliveira 29. 18. Zarco 27. 19. Lorenzo 23. 20. Rabat 18. 21. Bradl 16.

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