MotoGP

Mike Leitner (KTM): «Keine Abkürzungen in MotoGP»

Von - 04.11.2019 10:33

KTM-Werksfahrer Pol Espargaró kommt als Elfter zum MotoGP-WM-Finale nach Valencia. «Wir konzentrieren uns seit Juni voll auf das 2020-Motorrad, zum Ende der Saison beißt sich das», sagt Teammanager Mike Leitner.

Nach den Startplätzen 3 (Zarco in Brünn) und 2 (Pol Espargaró in Misano) machte sich im österreichischen Red Bull KTM Factory Team Begeisterung breit. Aber dann riss der Teamführung mit Johann Zarco nach Misano der Geduldsfaden, er wurde mit sofortiger Wirkung nach Platz 11 freigestellt. Ersatzmann Mika Kallio fehlt der Speed, Miguel Oliveira war seit dem Abschuss durch Zarco in England an der rechten Schulter angeschlagen. Trotzdem schaffte der Portugiese auf der KTM RC16 des Red Bull Tech3-Teams noch einige ansehnliche Ergebnisse. Doch nach dem 300-km/h-Crash in Australien (Windböe in FP4) musste er sich nach dem FP1 in Sepang in ärztliche Pflege begeben. Ob er in Valencia fahren kann, ist fraglich.

KTM stand am Freitag in Malaysia eine Minute vor dem Ende auf den letzten drei Plätzen, dann verbesserte sich Pol Espargaró noch auf Platz 16. Für den Samstag wurde das Motorrad grob umgebaut, Gewichtsverteilung, Höhe, Balance – alles wurde geändert. Und dazu die Motorcharakteristik. Es ging um die endlose Suche nach mehr Grip.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com gab KTM-Teammanager Mike Leitner über die schwierigen letzten Wochen Auskunft. Denn es musste auch der Platz von Johann Zarco im Werksteam neu besetzt werden. Brad Binder wurde schließlich an die Seite von Pol Espargaró befördert, seinen Platz im Tech3-Team bekommt der 19-jährige Rookie Iker Lecuona. Diese Entscheidung stieß beim Portugiesen Miguel Oliveira nicht gerade auf Begeisterung.

Mike, in Misano hat Pol Espargaró unerwartet den zweiten Startplatz erobert. Aber seither lassen die MotoGP-Rennergebnisse zu wünschen übrig. Was ist passiert, abgesehen von den Verletzungen von Pol in Aragón, dem Weggang von Zarco und der langwierigen Schulterverletzung von Oliveira?

Es stimmt, Misano war positiv. In Aragón waren wir am Freitag noch Fünfter, dann ist im FP4 die Verletzung von Pol passiert. Deshalb haben wir dort das Rennen nicht heimgebracht. Logisch.

Und in Phillip Island und Sepang haben wir wirklich mit dem Hinterradgrip gekämpft. Und ehrlich gesagt: Wir wissen nicht genau, warum so viele Probleme aufgetaucht sind.

Eines muss man klar sagen. Wir haben uns beim Testbetrieb seit Juni mit Dani Pedrosa voll auf das 2020-Motorrad konzentriert. Irgendwann beißt dich diese Entscheidung am Ende der Saison.

Wenn wir wenigstens unser eigenes Potenzial erreichen könnten, würden wir nicht schlecht aussehen. Aber wir haben es zuletzt nicht erreicht.

Der Freitag in Sepang war ganz schlimm.

Aber am Samstag im FP4 hat die Rundenzeit von Pol gepasst. In den Long-runs lagen alle Fahrer innerhalb von zwei Zehntelsekunden.

Aber Pol Espargaró stand nur auf Startplatz 15. Von dieser Basis sind die erhofften einstelligen Rennergebnisse schwierig zu erreichen.

Ja, das ist schwierig, das muss man klar sagen. Aber unmöglich ist es trotzdem nicht. Wir haben ja mit Platz 9 im Warm-up einen Aufwärtstrend gesehen. Aber von Startplatz 15 aus war uns klar, dass wir kaum um ein einstelliges Ergebnis kämpfen konnten. Es war schwierig, die Bikes auf zwei Rädern zu halten. Ab Halbzeit haben wir Rundenzeiten erreicht, die auch die Fahrer auf den Rängen 6 und 7 erzielt haben.

Ich muss auch Mika Kallio lobend erwähnen, weil er im Training ein paar Ideen probiert hat, wie man das Motorrad schneller machen könnte. Er ist am Ende mit einem Punkt belohnt worden. Leider hat uns Miguel Oliveira ab FP1 gefehlt.

Pol Espargaró hat erzählt, für Samstag wurde in Sepang mehr am Motor umgestellt als am Chassis. Wie muss man sich das vorstellen?

Da ging es rein um Abstimmungssachen.

Da wird als Beispiel der Drehmomentverlauf elektronisch verschoben?

Ja, genau. Es wird an einer anderen Motorcharakteristik gearbeitet. Wir haben dabei schon ein bisserl was gefunden. Aber wir haben beim Test im Februar eine bessere Traktion aufgebaut als jetzt beim Grand Prix am Freitag. Am Samstag sind wir wieder auf unseren Normalzustand gekommen.

Die einzelne schnelle Runde ist im Q1 leider nicht gekommen.

Beim Test im Februar hatte KTM sechs Tage Zeit für das Set-up. Am GP-Wochenende hast du vier freie Trainings mit dreimal 45 und einmal 30 Minuten.

Es war immer schon so, dass in Sepang beim Test alle Hersteller mehr Grip aufbauen als später beim Rennen. Aber bei uns war der Unterschied zu stark. Trotzdem: Wir haben uns bis Sonntag verbessert.

Dass Miguel daheim ist und Mika als Testfahrer nicht den Speed hat wie die Stammfahrer, das mussten wir auch erwarten.

Wir haben also momentan Pol als einzigen Topfahrer. Und wenn es bei ihm mal nicht so gut läuft, stehen wir entsprechend schlecht da.

Nächstes Jahr sind wir im Factory Team mit Pol Espargaró und Brad Binder besser aufgestellt.

Iker Lecuona gilt nicht gerade als Ideallösung für den zweiten Platz neben Oliveira bei Tech3 für 2020. Da hätte man Hafizh Syahrin auch behalten können?

Tech3-Teammanager Hervé Poncharal setzt auf Lecuona. Dass der jung ist und in dieser Klasse noch sehr viel lernen muss, ist klar. Aber man weiß nie, wie rasch er sich zurechtfindet.

Alle Werke hoffen, einen neuen Márquez, Quartararo oder zumindest Rins zu finden.

Ja, wobei Rins in seiner ersten MotoGP-Saison auch ganze schöne Schwierigkeiten hatte. Joan Mir war in diesem Jahr als Rookie auch schon für ein paar Rennen außer Gefecht. Diese Klasse ist so knallhart! Die Leistungsdichte ist extrem geworden. Wenn du dein Motorrad nicht zu 100 Prozent auf dein Level kriegst, dann fehlt schon was. Dann bist du vier Plätze hinten.

Es geht knapp zu. Dovizioso stand in Sepang eine Startreihe vor uns.

Wir suchen keine Ausreden. Wir wollen weiter nach vorne kommen – und daran arbeiten wir. Aber in dieser Klasse gibt es keine Abkürzung. Du musst durchmarschieren.

Yamaha hatte ein langes Tief und mischt jetzt wieder voll mit.

Bei Yamaha wundert mich das in jedem Jahr. Sie sind am Saisonstart in Doha immer stark, in der Europa-Saison haben sie dann zwischendurch oft Schwierigkeiten. Aber im letzten Saisondrittel sind sie plötzlich wieder sehr konkurrenzfähig.

In Sepang stand sogar das Repsol-Team auf den Startplätzen 11 und 18.

Das zeigt, dass nicht nur wir bei KTM solchen Schwankungen unterliegen. Suzuki hatte bei den letzten Rennen auch Mühe. Petrucci hat in Mugello gewonnen und fährt jetzt in unserer Gegend herum. Aprilia hatte in Japan riesige Probleme. Das sollen keine Ausreden sein, es soll nur zeigen, wie knapp in MotoGP Erfolg und Misserfolg beisammen liegen.

Wenn das Motorrad nicht in bester Verfassung und dann der Fahrer noch leicht angeschlagen ist, dann kämpfst du um Platz 15. Es ist sehr schwierig, die Stabilität über eine ganze Saison und auf allen Pisten zu erreichen.

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