Alberto Puig (Honda): «Unser Paket funktioniert»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Alberto Puig mit Marc Márquez

Alberto Puig mit Marc Márquez

Honda hat sechs der letzten sieben MotoGP-Fahrer-WM-Titel gewonnen, doch jetzt sind Yamaha, Ducati, Suzuki und KTM mächtige Gegner geworden. Hat HRC Fehler gemacht? Honda-Manager Alberto Puig verteidigt sich.

Alberto Puig weiß, wie gefährlich der Motorradsport sein kann. Er gewann am 7. Mai 1995 auf einer Honda NSR 500 des Teams von Sito Pons den Jerez-GP und krachte zwei Monate später beim Le-Mans-GP bei 272 km/h gegen die Airfences. Damals hätte beinahe sein rechter Unterschenkel amputiert werden müssen.

Deshalb kann er auch mit dem Oberarmbruch von Marc Márquez gut umgehen, denn dabei handelt es sich um eine vergleichsweise harmlose Verletzung, die mit einer Titanplatte und einigen Schrauben fixiert werden konnte.

Allerdings zeigt sich jetzt, dass Honda den ganzen MotoGP-Erfolg in den letzten Jahren auf Marc Márquez aufgebaut und konzentriert hat. Dank des spanischen Überfliegers konnte das Scheitern der Nachwuchspflege vertuscht werden, die bei Yamaha, Ducati, Suzuki und KTM wesentlich besser funktioniert.

Cal Crutchlow hat zwar in fünfeinhalb Honda-Jahren drei GP-Siege errungen, mit der Honda RC213V aber auch eine Reihe schwerer Stürze und Verletzungen erlitten. Und ehemalige Rennfahrer wie Simon Crafar, der Boxen-Reporter von motogp.com, werfen Honda vor, ein Motorrad entwickelt zu haben, mit dem nur Marc Márquez zurechtkommt. Selbst sein Bruder Alex steht momentan im Schatten der KTM-Rookies Brad Binder und Iker Lecuona. Crafar: «Honda braucht den besten Fahrer der Welt, um dieses Bike flott um die Ecken zu bringen.»

Puig wird aber ungehalten, wenn dieses Thema angesprochen wird. «Ich gebe darauf nur eine kurze Antwort: Wir haben die letzten sieben Weltmeisterschaften gewonnen.»

Naja, das ist leicht übertrieben, denn 2015 räumte Yamaha mit Jorge Lorenzo und Valentino Rossi den Fahrer-Titel, die Team-WM und die Marken-WM ab.

«WM-Titel, die nicht  von einem Honda-Fahrer gewonnen wurden, zählen offenbar nicht und verdienen keine Erwähnung», wunderte sich gestern ein Yamaha-Manager.

«Im Motorsport geht es ums Gewinnen», setzte Puig fort. «Wir haben ein gewisses Paket, und das ist so, wie es ist.»

Aber selbst de Honda-Ingenieure sehen Handlungsbedarf, schließlich hat Marc Márquez oft 30 Saisonstürze im Jahr hingelegt und oft genug erklärt, er wolle die Anzahl der Stürze und meisterhaften Saves dringend verringern. Honda baute für 2020 ein neues Chassis, das aber beim Katar-Test im Februar als ungenügend eingestuft wurde, es kam dann in Jerez letzte Woche wieder eine 2019-Version zum Einsatz. Und gestern testete Crutchlow ein offenbar eilig zusammengeschustertes neues Chassis. «Es wirkte hand gemacht», sagte Simon Crafar.

Zur Erinnerung: Honda liegt in der Konstrukteurs-WM 2020 hinter KTM!

Und Pol Espargaró wird sich vielleicht manchmal fragen, ob er sich mit dem Wechsel zu Repsol-Honda für 2021 und 2022 einen Gefallen getan hat. «Womöglich schaut er schon ins Kleingedruckte des HRC-Vertrags, ob er wieder aussteigen kann», scherzte TV-Reporter Matthew Birt gestern.

«Ja, Cal hat am Freitag ein paar neue Dinge probiert», räumte Alberto Puig inzwischen ein.

Puig fühlte sich gestern von Simon Crafar gehörig provoziert. Er will nicht bestätigen, dass Honda außer Marc Márquez seit Jahren keinen Topfahrer hat, der verlässlich um Podestplätze fighten kann.

Doch wenn Marc und Cal verletzt sind, kommt diese Misere umso deutlicher zum Vorschein.

Puig: «Hat jemand schon einen untalentierten Fahrer gesehen, der die WM gewonnen hat? Normal haben die talentierten Piloten die besten Bikes – und gewinnen damit. Es steht außer Zweifel, dass Márquez Talent hat. Unser Paket funktioniert.»

Und immerhin schaffte Takaaki Nakagami gestern die Bestzeit im FP2, aber in der Gesamtwertung des Tages landete er nur auf Rang 8 – als bester Honda-Fahrer. Drei KTM und drei Yamaha waren schneller.

Dazu kommt: Der Japaner aus dem Idemitsu-LCR-Team fährt eine 2019-Honda. Die HRC-Ingenieure haben also bei der Entwicklung der 2020-Maschine bisher keine Meisterleistung vollbracht.

Márquez und Crutchlow wollten die Mängel ihrer Bikes letzten Sonntag mit viel Einsatz ausbügeln. Zwei Tage später lagen sie bei Dr. Mir auf dem Operationstisch.

Kein Wunder, wenn jetzt bei der sieggewohnten Honda-Truppe die Nerven blank liegen.

Honda kann nur hoffen, dass Márquez heute und morgen ein kleines Wunder vollbringt. Denn Crutchlow verlor gestern 1,9 sec. Und Taka Nakagami hat in mehr als zwei MotoGP-Jahren nur einen fünften Platz ergattert.

Andalusien-GP, MotoGP, FP2:

1. Nakagami, Honda, 1:37,715 min
2. Zarco, Ducati, + 0,155 sec
3. Pol Espargaró, KTM, + 0,174
4. Morbidelli, Yamaha, + 0,295
5. Viñales, Yamaha, + 0,392
6. Quartararo, Yamaha, + 0,417
7. Mir, Suzuki, + 0,429
8. Rossi, Yamaha, + 0,577
9. Bagnaia, Ducati, + 0,594
10. Miller, Ducati, + 0,670
11. Binder, KTM, + 0,726
12. Dovizioso, Ducati, + 0,727
13. Petrucci, Ducati, + 0,828
14. Rabat, Ducati, + 0,842
15. Oliveira, KTM, + 0,927
16. Aleix Espargaró, Aprilia, + 1,007
17. Lecuona, KTM, + 1,053
18. Alex Márquez, Honda, + 1,091
19. Crutchlow, Honda, + 1,132
20. Rins, Suzuki, + 1,386
21. Smith, Aprilia, + 1,761

Ergebnisse MotoGP Jerez, 24. Juli, kombinierte Zeitenliste:

1. Viñales, Yamaha, 1:37,063 min
2. Rossi, Yamaha, 1:37,205, + 0,142 sec
3. Binder KTM, 1:37,370 min, + 0,307 sec
4. Morbidelli, Yamaha, + 0,353
5. Pol Espargaró, KTM, + 0,379
6. Oliveira, KTM, + 0,429
7. Miller, Ducati, + 0,503
8. Nakagami, Honda, + 0,529
9. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,672
10. Dovizioso, Ducati, + 0,676
11. Mir, Suzuki, + 0,686
12. Lecuona, KTM, + 0,769
13. Zarco, Ducati, + 0,807
14. Quartararo, Yamaha, + 0,829
15. Alex Márquez, Honda, + 0,894
16. Petrucci, Ducati, + 0,934
17. Bagnaia, Ducati, + 1,246
18. Rabat, Ducati, + 1,330
19. Smith, Aprilia, + 1,629
20. Crutchlow, Honda, + 1,784
21. Rins, Suzuki, + 2,038

Ergebnisse MotoGP FP1 Jerez, 24. Juli

1. Viñales, Yamaha, 1:37,063 min
2. Rossi, Yamaha, 1:37,205, + 0,142 sec
3. Binder KTM, 1:37,370 min, + 0,307 sec
4. Morbidelli, Yamaha, + 0,353
5. Pol Espargaró, KTM, + 0,379
6. Oliveira, KTM, + 0,429
7. Miller, Ducati, + 0,503
8. Nakagami, Honda, + 0,529
9. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,672
10. Dovizioso, Ducati, +0,676
11. Mir, Suzuki, + 0,686
12. Lecuona, KTM, +0,769
13. Quartararo, Yamaha, + 0,829
14. Zarco, Ducati, + 0,892
15. Alex Márquez, Honda, + 0,894
16. Petrucci, Ducati, + 0,934
17. Bagnaia, Ducati, + 1,246
18. Rabat, Ducati, + 1,330
19. Smith, Aprilia, + 1,629
20. Crutchlow, Honda, + 1,987
21. Rins, Suzuki, + 3,159

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