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Circuito de Jerez: Rennstrecke mit langer Geschichte

Von Helmut Ohner
Seit 1987 findet sich der Circuito de Jerez als Austragungsort des spanischen WM-Laufes im Kalender der Motorrad-Weltmeisterschaft. Die Strecke in Andalusien erfreut sich bei Fahrern und Zusehern großer Beliebtheit.

Seit 1951 wird mit kurzen Unterbrechungen in Spanien ein Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft, die 1949 vom Motorradweltverband Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) ins Leben gerufen wurde, ausgetragen. In den Anfangsjahren wurde im mondänen Montjuic Park in Barcelona gefahren, ab 1969 wechselte man sich mit dem bei San Sebastián de los Reyes gelegenen Circuito del Jarama als Austragungsort ab.

Anfang der 1980er-Jahre wurde nahe Jerez de la Frontera begonnen, in der strukturschwachen Region im Süden Spaniens eine weitere permanente Rennstrecke zu errichten. Obwohl es weder Boxen noch ein Gebäude für die Rennleitung gab, fand bereits im Dezember 1985 das erste Rennen statt. Trotz einiger Schwierigkeiten wurden die Erwartungen an die Rennstrecke, die neun Rechts- und fünf Linkskurven aufweist, erfüllt.

Nur vier Monate danach erlebte Andalusien den ersten spanischen Formel-1-Grand-Prix. Diese Veranstaltung blieb vielen Fans bis heute im Gedächtnis. Ayrton Senna im Lotus-Renault und Nigel Mansell im Williams-Honda lieferten sich ein Rad-an-Rad-Duell, das die Zuseher förmlich von den Sitzen riss. Im Ziel hatte die brasilianische Legende seinen britischen Kontrahenten um lächerliche 14 Tausendstelsekunden besiegt.

1987 wurde auf dem 4,428 Kilometer langen Asphaltband auch erstmals der Große Preis von Spanien im Rahmen der Motorrad-WM abgewickelt. Jorge Martinez und Fausto Gresini hießen die Sieger in den Kategorien 80ccm bzw. 125ccm. Martin Wimmer feierte damals in der Viertelliterklasse einen seiner drei GP-Siege. In der Königsklasse legte Wayne Gardner den Grundstein zu seinem WM-Titel und das Seitenwagen-Rennen gewannen Steve Webster/Tony Hewitt.

1988 kehrte der WM-Tross zwar noch einmal nach Jarama zurück, aber seit 1989 trifft sich alljährlich im Frühling die Elite des Zweiradsports in Andalusien. Seit seiner ersten Ausgabe hat die Rennstrecke nicht zuletzt durch eine besondere Atmosphäre zehntausende Motorradfans aus aller Welt in ihren Bann gezogen. Sie verwandeln Jahr für Jahr die für den Likörwein Sherry berühmte Gegend in ein buntes Tollhaus.

Anforderungen an die Sicherheit machten immer wieder tiefgreifende Umgestaltungen erforderlich. So wurden zwischen 2017 und 2019 neue Beläge und Randsteinanpassungen vorgenommen und die Sturzzonen erweitert. 2002 wurde eine Aussichtsplattform – allgemein als UFO bekannt – errichtet. Sie ist der Blickfang der Anlage, weil sie direkt über der Ziellinie liegt und einen direkten Blick auf viele Kurven der Strecke bietet.
Von den Zuschauerrängen sind große Teile der Rennstrecke einsehbar, so auch die Zielkurve, die im Laufe der Jahre so manch spektakuläres Ausbremsmanöver gesehen hat.

Das in der MotoGP von 2005 blieb besonders in Erinnerung. Beim Kampf um den Sieg kam es zum Kontakt zwischen Valentino Rossi und Sete Gibernau. Der Spanier konnte im Kiesbett zwar einen Sturz vermeiden, musste aber seinem italienischen Kontrahenten den Sieg überlassen.
Die jüngere Generation der Motorradrennfahrer hat sich dieses Manöver als Vorbild genommen, seither gab es in allen Kategorien immer wieder ähnliche Vorfälle an dieser Stelle. 2013 kam es zwischen Marc Marquez und Jorge Lorenzo zu einem «Copy-Paste». Dieses Mal war es der aufstrebende Jungstar Marquez, der seinen spanischen Landsmann – damals immerhin regierender MotoGP-Weltmeister – kompromisslos von der Strecke rempelte.

Die Rennstrecke, die wegen des milden Klimas in der Winterpause gerne als Teststrecke für die MotoGP und Superbike-Weltmeisterschaft dient, trägt seit einigen Jahren den Zusatz «Angel Nieto» im Namen. Die spanische Motorradlegende, die 2017 bei einem Verkehrsunfall unverschuldet sein Leben verlor, hat nicht nur 13 Weltmeisterschaften gewonnen, mit elf Siegen ist sie auch noch immer der Rekordsieger in Jerez.

Dieses Jahr dürfen sich die heimischen Motorsportfans wieder auf spannende Rennen freuen. In der MotoGP gibt es aus spanischer Sicht mit Jorge Martin, Pedro Acosta, Maverick Viñales, Aleix Espargaro und den Márquez-Brüdern Alex und Marc gleich mehrere Sieg-Anwärter und mit den KTM-Testfahrer Dani Pedrosa einen hochkarätigen Wildcard-Piloten, der nichts zu verlieren hat. Und in den kleineren Klassen sind die Spanier ohnedies tonangebend.

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