Paolo Ciabatti: «Beim Motor gibt es kein Tabu»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Paolo Ciabatti, Teammanager Guareschi

Paolo Ciabatti, Teammanager Guareschi

Bei Ducati rauchten nach dem ersten Testtag in Sepang die Köpfe. Exklusiv-Interview mit Projektleiter Paolo Ciabatti.

Der erste Testtag in Sepang brachte für Ducati eine Ernüchterung. Es gibt keine wundersame Genesung, die Desmosedici GP13 bleibt ein Sorgenkind. Ducati hatte immer eine Rakete auf zwei Rädern, aber mit den Bridgestone-Reifen harmoniert dieses Paket nicht so ideal wie einst das Konzept des Gitterrohrstahlrahmens mit den Michelin.

Sogar MotoGP-Rookie Bradley Smith war mit der privaten Tech3-Yamaha schneller als Andrea Dovizioso, die grosse neue Hoffnung der Roten. Wir haben uns mit Ducati-MotoGP-Projektleiter Paolo Ciabatti unterhalten. Er wirkte niedergeschlagen und ratlos. Denn nach den zwei Jerez-Tests im November und Januar war Optimismus und die Ansicht verbreitet worden, in diesem Motorrad stecke unentdecktes Potenzial. Aber es bleibt offenbar eine Missgeburt. Nicky Hayden büsste als Zehnter 2,179 Sekunden ein, Andrea Dovizioso als 13. sogar 2,378 Sekunden.

Paolo, deine Miene ist ernst. Hast du so ein Schlamassel befürchtet? Wie arg ist die Enttäuschung?
Hm, ich kann nicht sagen, ich bin enttäuscht. Ich kann aber auch nicht behaupten, ich sei glücklich. Wir wussten, dass wir im Grunde mit dem Vorjahres-Motorrad beginnen. Nicky ist momentan unser schnellster Mann, obwohl er nicht wirklich schnell ist. Aber wir probieren ein paar neue Sachen aus. Und für «Dovi» ist es eigentlich der erste ernsthafte Testtag gewesen. Ich denke, wir sollten erst am Donnerstag ein endgültiges Urteil abgeben. Nach dem dritten Testtag.

Hoffentlich bleibt das Wetter gut, damit wir unser Testprogramm durchziehen können. In Europa hat uns das Wetter mehrmals einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Jerez haben wir Ende Januar auf drei komplette Testtage gehofft, aber wir konnten wegen des Regens nur einen halben Tag richtig fahren. Deshalb konnten wir keine wirklich neuen Teile hierher bringen.

Es ist schwierig. Wir wussten, es wird schwierig. Wir haben das auch so kommuniziert.

Ducati braucht die ersten zwei Sepang-Tests, um eine Richtung für die Weiterentwicklung festlegen zu können?
Ja, wir sind im Rückstand. Unsere Konkurrenten Honda und Yamaha waren im Vorjahr super konkurrenzfähig. Seither haben sie ihre Produkte weiter verbessert.

Wir stehen dort, wo wir uns erwartet haben. Wir wissen, wir haben viel Arbeit. Aber wir hoffen, wir können uns in den nächsten zwei Tagen noch steigern. Und hoffentlich werden wir beim zweiten Sepang-Test Ende Februar etwas Neues probieren können.

Welcher Zeitrückstand wäre hier nach drei Testtagen akzeptabel?
Das wäre jener Abstand, den wir beim Rennen hier im Oktober hatten. Das waren damals bei Nicky im Qualifying 1,2 Sekunden.

Ducati-Corse-Chef Bernhard Gobmeier hat mir letzte Woche gesagt, man müsse das Motorrad benutzerfreundlicher machen? Wie wird das angepackt?
Das Motorrad ist ein sehr komplexes Vehikel. Aber da geht es natürlich in erster Linie um den Motor und um die Elektronik. Auch das Chassis spielt eine Rolle.

Muss womöglich sogar die Spitzenleistung reduziert werden?
Hm, ich glaube, es geht in erster Linie um die «throttle control», um die Gasannahme. Das ist der Punkt, an dem es im Moment stark hapert. Es ist für die Fahrer schwierig das Limit zu fühlen, wenn sie in der Kurve das Gas aufdrehen. Dieses Problem müssen wir lösen.

Wenn man die Ducati auf der Strecke beobachtet, hört man in den schnellen Kurven dauert Aussetzer. Das muss die Fahrer gehörig nerven. So kann man kein Vertrauen zum Bike finden?
Das ist definitiv richtig. Die Traction-Control ist dauernd «on/off». Zuerst keine Leistung, dann der ganze Schub gleichzeitig. Das macht das Rausfahren aus den Kurven sehr kompliziert, besonders was die «throttle control» betrifft. Wir müssen den Fahrern volles Vertrauen beim Fahren vermitteln, damit sie mehr riskieren können.

Kann man für den Jerez-Test Ende März oder für den Katar-GP schon mit schwerwiegenden Up-dates rechnen?
Beim Chassis sind Modifikationen möglich. Beim Motor ist das komplizierter. Aber wir werden beim zweiten Sepang-Test unseren Testfahrer Michele Pirro mitnehmen, er wird Neuigkeiten testen. Er wird eine Evolution des augenblicklichen Motorrads ausprobieren, in dem ein paar neue Ideen und Konzepte stecken. In Jerez war es zu kalt. Deshalb haben wir uns entschieden, das Testteam und das Entwicklungs-Motorrad Ende Februar mitzunehmen. Dann können wir prüfen, ob sich unsere Verbesserungen auch bei solchen  Bedingungen im Ernstfall bewähren. Pirro wird auch am Jerez-Test und am Jerez-GP teilnehmen.

Wie schnell kann das Material vom Test-Motorrad ins Werksteam transferiert werden? Für den Katar-GP?
Das hängt davon ab, welche Teile dann benötigt werden. Manche lassen sich schneller herstellen als andere.

Beim Motor herrscht Handlungsbedarf. Für Ing. Filippo Preziosi galt er jahrelang als unantastbar?
Es gab in letzter Zeit viele Meetings der Motoren-Entwickler mit Bernhard Gobmeier. Es gibt keine Tabus mehr. Es darf alles probiert werden. Filippo hatte gewisse Ideen beim Motor und manchen Komponenten... Power, Power, Power, ja.

Wir haben einen sehr kraftvollen Motor, der sehr schwer zu beherrschen ist. Dann benützt du die Elektronik, um die Leistung zu kastrieren...

Die Ducati harmoniert nicht so gut mit den Bridgestone-Reifen wie die Honda und Yamaha?
Wir müssen uns den veränderten Verhältnissen anpassen und dem geänderten Reglement Rechnung tragen. Wir müssen mit den augenblicklichen Reifen das Maximum herausholen. Punkt, aus.

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