Valentino Rossi: «Marc Márquez ist beängstigend»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Strahlt wieder: Valentino Rossi

Strahlt wieder: Valentino Rossi

Valentino Rossi blieb den Stars als Vierter dicht auf den Fersen. Vor Pedrosa, Lorenzo und Márquez hat er viel Respekt.

Valentino Rossi erzählte, er habe nach dem erfreulichen Beginn des Sepang-Tests gut geschlafen, er sei beruhigt gewesen nach Platz 4 am Dienstag, mit entsprechend überschaubarem Rückstand. Am Mittwoch gelang ihm mit 2:01,038 min wieder Rang 4, diesmal blieb er 0,489 Sekunden hinter Dani Pedrosas Bestzeit. Jovial wie in seinen besten Tagen begrüsste der Italiener die Journalisten, er beantwortete geduldig jede Frage, die Genugtuung widerspiegelte sich in seinen glänzenden Augen. Sicher hatte er inzwischen auch einen Blick auf Ducati geworfen: 9. Hayden, 10. Dovizioso, mit Rückständen von 1,5 und 1,8 Sekunden. Das übliche Bild, das Rossi zu Genüge kennt.

Valentino, wieder Platz 4, die letzten Zweifel sind verflogen. Wie beurteilst du den zweiten Testtag?
Es war ähnlich wie gestern. Ich bin glücklich, vor allem weil ich mich gesteigert habe. So etwas habe ich in den letzten zwei Jahren fast nie erlebt... Das ist ein grossartiges Gefühl. Ich habe es lange nicht mehr gespürt.

Mit neuen Reifen bin ich heute 0,5 sec schneller gefahren als am Dienstag. Langsam wird unsere Rundenzeit recht interessant. 2:01,038 min, das kann sich sehen lassen. Aber es bleibt ein kleiner Beigeschmack: Es wäre noch zwei Zehntel schneller gegangen, aber ich habe in der Haarnadel kurz vor dem Regen einen Fehler gemacht. Ohne diesen Fehler hätte ich Márquez einholen können. Ich habe erwartet, dass auch Pedrosa, Lorenzo und Márquez stärker werden. Sie befinden sich in ausgezeichneter Form. Sie haben ein hinreissendes Gefühl mit ihren Motorrädern. Auch Márquez – aber er vielleicht ein bisschen weniger als die beiden anderen.

Erinnert euch: In der zweiten Saisonhälfte 2012 waren Lorenzo und Pedrosa eine einzigartige Macht; sie waren immer vorne. Selbst Stoner konnte nicht mithalten. Also ist es positiv, wenn ich Vierter bin, mit sehr geringem Rückstand.

Ich habe Lorenzo einmal aus nächster Nähe beobachtet. Ich habe gesehen, wie entschlossen er auf die Piste stürmt und wie schnell er auf Topzeiten kommt.

Auch beim Rhythmus habe ich mich klar gesteigert. Ich konnte heute konstant niedrige 2:01er-Zeiten fahren. Das ist sehr wichtig. Für Donnerstag habe ich noch einige weiche Reifen übrig. Wenn es trocken bleibt, rechne ich mit einem unterhaltsamen, spannenden Tag.

Hast du für Yamaha neue Teile getestet?
Ich habe einen anderen Sitz probiert, kleine Dinge. Am Donnerstag bekomme ich eine Spezifikation des Motorrads, das Lorenzo heute schon verwendet hat.

Du hast heute wieder 45 Runden gedreht. Fühlst du dich müde?
Ja, ziemlich müde. Aber es geht; es wird langsam besser. Am Dienstag war ich am Abend ziemlich kaputt. Heute ging es besser. Morgen wird es hoffentlich noch eine Spur besser. Ich habe nicht genug Kraft, um einen Long-Run zu machen. Länger als vier Runden bin ich nie auf der Piste geblieben. Drei, vier Runden, das geht problemlos.

Dein Crew-Chief Jeremy Burgess muss erleichtert sein?

Ja, er ist sichtbar happy. Er trägt den ganzen Tag ein breites Grinsen im Gesicht. Die Atmosphäre im Team ist viel besser als in den letzten zwei Jahren. Die Crew geht um 19 Uhr heim, oder früher. Vor einem Jahr lag um diese Zeit war in der Box noch das ganze Gerümpel zerlegt in der Gegend verstreut rum. Die Jungs in der Box haben jetzt viel mehr Motivation. Sie haben am Abend genug Zeit, um ein paar Bier zu trinken. Das ist sehr wichtig für die Laune.

Du bist jetzt hier zwei Tage mit der Yamaha gefahren. Hast du schon Schwachstellen aufgespürt, wo sich Yamaha verbessern muss in den nächsten Wochen oder Monaten?
Hm, die Beschleunigung ist ein wichtiges Gebiet, wo wir stärker werden müssen. Die M1 ist gut beim Beschleunigen, aber wenn wir mehr Power nützen wollen, dann pumpt sich die Maschine auf, sie macht Wheelies, dann geraten wir in die Krise. Das ist ein Bereich, in dem wir besser werden müssen.

Ich bin hier mit der Yamaha noch nie einer Honda nachgefahren. Aber letztes Jahr, wenn ich da eine Honda mit der Ducati verfolgt habe, war der Unterschied in der Beschleunigung beachtlich.

Es sieht so aus, dass die Honda zwar nicht mehr Power hat, aber mehr Power auf den Boden bringt als wir. Sie können mehr Power nützen als wir. Mechanischer Grip, mechanische Traktion, glaube ich.

Es geht in erster Linie um den zweiten Teil der Kurve, wo wir verlieren. Dort, wo wir Volgas geben.

Das Ziehkeilgetriebe der Honda, das 700.000 Euro kostet, ist sein Geld wert. Wann baut Yamaha eines?
Ich weiss es nicht. Ducati hatte auch so ein ähnliches Getriebe, nicht ganz so perfekt wie jenes der Honda. Das Ducati-Getriebe lag irgendwo zwischen Honda und Yamaha. Honda hat da einen klaren Vorteil. Ich habe Druck auf Yamaha ausgeübt, damit sie so ein Getriebe konstruieren. Aber bisher hat mir keiner gesagt, ob sie dran sind und wann es eventuell eingesetzt werden kann.

Dir fehlen jetzt 0,3 oder 0,4 Sekunden auf Dani und Jorge. Kannst du das aufholen?
Ich weiss es nicht. Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Ich hoffe, dass ich aufholen Kann. Normal fahre ich im Rennen etwas stärker als im Training. Aber die Performance von Pedrosa und Lorenzo bei den letzten Rennen 2012 war eindrucksvoll. Von der ersten Runde an sehr stark. Es wird schwer für mich.

Marc Márquez war auch am zweiten Testtag wieder Dritter. Er beeindruckt dich weiterhin?
Ja, das macht mir Eindruck. Er hat mich sogar ein bisschen erschreckt und eingeschüchtert. Denn mit 19 Jahren hat er von uns allen die meisten Möglichkeiten, noch besser zu werden. Er ist der jüngste und hat die wenigste Erfahrung. Das ist beängstigend.


MotoGP-Test Sepang/MAL, zweiter Tag (Mittwoch)
1. Dani Pedrosa (E), Honda, 2:00,549 min (37 Runden)
2. Jorge Lorenzo (E), Yamaha, 2:00,568 (43)
3. Marc Márquez (E), Honda, 2:00,803 (34)
4. Valentino Rossi (I), Yamaha, 2:01,038 (45)
5. Cal Crutchlow (GB), Yamaha, 2:01,311 (41)
6. Stefan Bradl (D), Honda, 2:01,369 (31)
7. Alvaro Bautista (E), Honda, 2:01,729 (36)
8. Bradley Smith (GB), Yamaha, 2:01,931 (40)
9. Nicky Hayden (USA), Ducati, 2:02,110 (40)
10. Andrea Dovizioso (I), Ducati, 2:02,379 (39)
11. Kousuke Akiyoshi (J), Honda, 2:02,526 (22)
12. Katsayuki Nakasuga (J), Yamaha, 2:02,701 (30)
13. Ben Spies (USA), Ducati, 2:03,002 (27)
14. Wataru Yoshikawa (J), Yamaha, 2:03,156 (39)
15. Andrea Iannone (I), Ducati, 2:03,169 (29)
16. Aleix Espargaró (E)*, ART-Aprilia, 2:03,251 (40)
17. Randy de Puniet (F)*, ART-Aprilia, 2:03,791 (49)
18. Danilo Petrucci (I)*, Ioda-Suter, 2:04,284 (48)
19. Takumi Takahashi (J), Honda, 2:04,559 (44)
20. Hiroshi Aoyama (J)*, FTR-Kawasaki, 2:04,786 (32)
21. Héctor Barberá (E)*, FTR-Kawasaki, 2:04,989 (28)
22. Karel Abraham (CZ)*, ART-Aprilia, 2:05,028 (48)
23. Michael Laverty (GB)*, PBM-Aprilia, 2:05,417 (31)
24. Claudio Corti (I)*, FTR-Kawasaki, 2:05,721 (22)
25. Yonny Hernández (CO)*, ART-Aprilia, 2:05,837 (36)
26. Colin Edwards (USA)*, FTR-Kawasaki, 206,205 (23)
27. Bryan Staring (AUS)*, FTR-Honda, 2:06,898 (33)
– Lukas Pesek (CZ)*, Ioda-Suter, nicht im Einsatz

Rundenrekord: Casey Stoner (AUS), Ducati, 2:02,108 min (2007)
Pole-Rekord: Jorge Lorenzo (E), Yamaha, 2:00,334 min (2012)
* = Claiming-Rule-Fahrer

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