Phillip Island: So blamierte sich die MotoGP-Szene

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Australien-GP 2013: Ein Rennen, das in die Geschichte eingeht

Australien-GP 2013: Ein Rennen, das in die Geschichte eingeht

Von Professionalität war beim Australien-GP wenig zu sehen. Reifen, die nur zehn Runden hielten, verspätete Boxenstopps, schwarze Flagge für den falschen Fahrer.

Beim MotoGP-Rennen in Phillip Island ging es drunter und drüber. Jedes Erntedankfest ist professioneller organisiert.

Als «verrückt und chaotisch» bezeichnete Sieger Jorge Lorenzo die Vorkommnisse in diesem ereignisreichen Rennen, das in die Geschichte eingehen wird.

Neben Marc Márquez gelang es auch dem Australier Bryan Staring, Claiming-Rule-Pilot aus dem Go&Fun-Honda-Team von Gresini, elf statt zehn Runden mit dem ersten Reifensatz zu fahren.

Er sollte deshalb die schwarze Flagge kriegen.

Aber die Race-Direction war mit den Aufräumarbeiten nach dem Marc Márquez-Desaster so stark beschäftigt, dass zuerst versehentlich der bedauernswerte und unschuldige Damian Cudlin auf der PBM-Aprilia mit der schwarzen Flagge gestoppt wurde.

Cudlin hatte vor dem Rennen seine eigenen Sorgen. «Mein Ersatz-Motorrad funktioniert nicht ordentlich. Ich wäre am liebsten an die Box gefahren, um nur das Hinterrad wechseln zu lassen. Aber das Team wollte unbedingt, dass ich das Motorrad wechsle», erklärte der in Deutschland lebende Australier im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Wie es zur Verwechslung kam, ist rätselhaft: Staring trägt Startnummer 67, Cudlin die 50.

Cudlin trug aber keinen Schaden davon. Er musste wegen nicht funktionierender Bremsen ohnedies einen zweiten Stopp (nach Runde 17) einlegen, er ignorierte danach zwei Runden lang die schwarze Flagge – und wurde als 20. gewertet. Die Disqualifikation wurde brav zurückgenommen...

«Das Rennen war trickreich», bemerkte auch Dani Pedrosa, mit 28 Jahren und acht MotoGP-Jahren einer der Routiniers in der Königsklasse. «Alle fünf Minuten hat uns die Renndirektion ein neues Rennformat aufgetischt. 27 Runden, dann 26 Runden mit Pflichtstopp, dann 19 Runden mit Stopp, irgendwann war von 15 Runden die Rede, nachher von 14, die Situation hat sich pausenlos geändert. Es war anfangs nicht einfach zu verstehen, wann man genau an die Box fahren musste. Am Ende der neunten Runde? Oder zu Beginn der neunten Runde? Aber wir haben uns genau erkundigt und haben alles perfekt geplant. Leider konnte ich nicht um den Sieg fighten, weil ich mit dem zweiten Motorrad Probleme mit dem Vorderreifen hatte. Es fühlte sich an, als hätte ich einen Plattfuss.»

Lorenzo erzählte: «Ich habe vor dem Rennen gemeinsam mit meinem Team entschieden, so lange wie möglich draussen zu bleiben, also nach der zehnten Runde zum Stopp zu fahren. Ich habe also sehr sorgfältig auf meine Boxentafel geachtet. Als ich das Zeichen ‹IN› gesehen habe, bin ich am Ende dieser Runde reingefahren.»

Pedrosa liess sich die Entscheidung offen. «Ich habe der Crew gesagt, ich komme entweder nach der neunten oder nach der zehnten Runde rein. Ich wollte zuerst schauen, wie sich die Rennsituation entwickeln würde. Schliesslich bin ich bei der ersten Gelegenheit eingebogen. Dadurch war weniger Verkehr in der Boxengasse.

Rossi: «Ich hatte mich vor dem Rennen entschieden, nach Runde 9 zum Stopp rein zu kommen. Aber für mich hat das keinen grossen Unterschied gemacht. Es wäre einfach weniger Durcheinander gewesen auf diese Weise, weil Jorge und ich nicht in der gleichen Runde abgefertigt worden wären. Ich wollte ihn nicht behindern. Aber in dieser neunten Runde habe ich mich mit Bautista bekämpft. Dadurch habe ich die Boxentafel nicht gesehen – und habe dadurch in der Hitze des Gefechts das Reinfahren verschlafen... Als ich aus Kurve 11 rausgeprescht bin, sah ich Bautista vor mir in die Boxengasse einbiegen. Für mich war es zu spät. Ich dachte: FUCK! Aber es war ja eine Runde später auch noch erlaubt.»

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