Redding: «Will bester Production-Racer-Pilot werden»

Von Jordi Gutiérrez
MotoGP
Der Moto2-Vizeweltmeister musste angeschlagen die erste Probefahrt auf der neuen Honda RCV1000R absolvieren. Im Winter will Scott Redding mit Marcel Schrötter und Jonas Folger trainieren.

Die Voraussetzungen für den Valencia-Test von Scott Redding waren nicht wirklich ideal. Denn der Brite leidet noch immer an den Nachwirkungen seines vor drei Wochen gebrochenen Handgelenks und den Rückenproblemen, die er zwei Wochen zuvor in Japan erlitten hat. Zudem steckte dem Briten noch das letzte Moto2-Rennen in den Knochen, bei dem sich der Vizeweltmeister auf Rang 15 ins Ziel quälte.

Der angeschlagene 20-Jährige liess sich die beiden ersten Arbeitstage für seinen neuen Arbeitgeber Go&Fun Gresini trotzdem nicht entgehen. Redding testete am Montag und Dienstag den neuen Production Racer von Honda, mit dem er 2014 seine erste Saison in der MotoGP-WM bestreiten wird.

Scott, wie sind deine Eindrücke von den beiden MotoGP-Testtagen?

Es war eine sehr gute Erfahrung. Es war ja nicht mein erstes Mal auf einer MotoGP-Maschine, ich bin schon die Ducati gefahren, ich habe mehr oder weniger gewusst, was ich erwarten kann.
Es stellte sich heraus, dass das Bike ziemlich klein für mich ist. Da müssen wir für den Sepang-Test eine Lösung finden. Wir müssen für meine Grösse mehr Platz schaffen.
Ich habe den ersten Tag sehr genossen, wir haben noch nicht viel Elektronik verwendet, wir haben am Montag noch keine Traktionskontrolle und keine Anti-Wheelie-Einrichtung.
Dann haben wir am Montagnachmittag ein Elektronikproblem gehabt und auch am Dienstag, darum haben wir viele Runden verloren. Aber am Ende haben wir aufgehört, weil ich im der Hand keine Kraft mehr hatte. Ich war dafür, dass wir auf einem guten Niveau aufhören, bevor es nur noch sinkt und sinkt.

Auf den dritten Tag hast du freiwillig verzichtet?

Für den ersten Test haben wir nur zehn Runden geplant, aber ich habe am Montag 37 und und etwa zehn Runden am Dienstag gedreht, es war ein recht guter Test. Für den Mittwoch haben wir die Maschine Aoyama überlassen. Aber wir hätten sowieso aufgehört, mein Handgelenk hatte schon ein ganzes Rennwochenende hinter sich und dann zwei weitere Tage. Das war schon weit über dem Limit.

Wie stark haben dich die Blessuren eingebremst?

Mein Rücken ist in ziemlich mieser Verfassung, ich konnte ihn nicht gut einsetzen. Ich hatte wenig Kraft, um damit zu arbeiten, auch beim Handgelenk war die Kraft weg. Ich musste so oft hart bremsen mit diesem Motorrad, das ist wirklich hart.
Aber ich hatte dann im Rücken keine Kraft mehr, um das Handgelenk etwas zu entlasten. Die Kombination aus den beiden Problemen führte dazu, dass ich einfach immer weniger Kraft hatte.

Du hast von einem Ducati-Test in Mugello MotoGP-Erfahrung. Wie stark unterscheidet sich die Honda von der Ducati?

Im Vergleich zur Ducati ist es mit der Honda einfacher, die Richtung zu wechseln und aus den Kurven herauszukommen. Bei der Honda ist das Einbiegen nicht so gut, aber wir haben noch nicht viel verändert. Das Ansprechverhalten bei der Ducati war etwas geschmeidiger. Aber wir haben mit der Arbeit an der Elektronik erst begonnen, wir müssen uns an das Niveau herantasten. Im Moment kann ich sagen, dass die Honda nicht genügend gut einlenkt, aber die Ducati hat zu stark eingelenkt. Wir müssen eine gute Balance finden. Ich denke, dieses Motorrad hat viel Potenzial.

Wie trickreich ist der Umgang mit den MotoGP-Reifen von Bridgestone?

Ich habe mich gut gefühlt mit den Bridgestone. Wir haben zuerst den weichen verwendet, danach die mittelharte Mischung. Ich habe mich rasch gut gefühlt, obwohl ich in den ersten Runden noch etwas skeptisch war. Aber je öfter du rausfährst, desto weniger Kurven hast du, wo du noch übervorsichtig bist.
Bei Dunlop war es so, dass du nach zwei Runden an der Front keine Unterstützung mehr hattest. Aber ich muss zuerst wieder ganz fit werden, um das ganze Potenzial aus den Reifen rauszuholen.

Konntest du auf der Strecke die etablierten Stars beobachten und ihnen etwas abschauen?

Ich bin momentan noch so langsam, dass sie nach zwei, drei Runden schon mehr oder weniger schon wieder verschwunden waren… Einmal konnte ich aber Lorenzo beobachten und konnte etwas bei seiner Linienwahl mit der Yamaha erkennen. Er biegt in der zweiten Kurve erst im allerletzten Moment ein und richtet danach sehr rasch wieder auf. Als ich noch immer versuchte, richtig einzubiegen, hatte er schon wieder aufgerichtet und war weg.
Ich habe gesehen, dass die Yamaha sehr gut für diese Fahrweise ist. Die Ducati waren diesbezüglich irgendwo zwischen Yamaha und mir. Es war ein bisschen einfacher, den Ducati zu folgen, denn sie haben auch Probleme beim Reinfahren.

Nun beginnt die Winterpause. Wie lange wird die Rehabilitation für deine Verletzungen brauchen?

Die Heilung wird einfach Zeit brachen. Sie haben gesagt, das Handgelenk braucht drei bis vier Wochen. Ich habe aber intensiv damit gearbeitet und der Hand nicht wirklich viel Ruhe gegönnt. Möglicherweise heilt es schneller, wenn ich es etwas ruhen lasse.
Beim Rücken ist es dasselbe. Die Verletzung braucht auch Zeit, wir haben bisher einfach viel Therapie gemacht. Ich sehne mich zurück nach meinem Fitnesstraining.
Nach Australien habe ich ein bisschen was gemacht, aber im Prinzip habe ich seit einem Monat nicht mehr richtig trainiert. Ich fühle mich deshalb ein bisschen scheisse, denn ich bin nicht auf dem Level, das ich mir gewohnt bin.
Diese Woche werde ich mit dem Training wieder beginnen. Danach werde ich auch mit der Hand wieder mehr arbeiten, um die Kraft zurückzubekommen. Ich will so schnell wie möglich wieder fit sein.

Wirst du den ganzen Winter in Spanien verbringen?

Ich bleibe jetzt noch eine Woche in Spanien. Danach geht es nach England zurück, um einige Pressetermine zu erledigen. Am Tag nach Weihnachten werde ich aber wieder zurück in Spanien sein. Ich will es gleich wie letztes Jahr machen und Motocross und Supermoto fahren. Ich habe einige gute Freunde hier in Spanien.
Marcel und Jonas leben auch hier, vielleicht kann ich mit ihnen einiges unternehmen, denn wir sind gute Freunde. Wir haben alle dieselbe Mentalität. Ich werde In Barcelona sein, aber auch in Valencia, ich will nicht immer am gleichen Ort sein. Ich habe ein Motorhome, ich werde damit hinfahren, wohin ich will.

Der nächste Test wird in Sepang stattfinden. Was erwartest du vom ersten Test im Februar?

Der grosse Unterschied wir mein Körper sein. In Valencia habe ich eine Sekunde deswegen eingebüsst. Ich konnte es spüren, dass ich Zeit einbüsse beim Fahren. Bei den Rechtskurven fühlte ich mich gut, da stimmt es. Aber bei den Linkskurven habe ich Mühe gehabt, ich war immer zwei Meter neben der Ideallinie.
Ich fühle mich ziemlich schlecht momentan. Aber wenn ich 100-prozentig fit nach Sepang komme, werden wir uns mehr und mehr herantasten. Dann werden wir uns auch bei der Elektronik verbessern. Mein Ziel ist es, der schnellste Production-Racer-Pilot zu werden. Nicky war schon ziemlich schnell. Wir wissen also, dass das Motorrad ein gutes Potenzial hat. Damit können wir gut arbeiten.

Die RCV1000R wurde von Casey Stoner in Japan vorbereitet, er war angeblich nur 0,3 sec langsamer als mit dem Prototypen-Bike. Wie meinst du dazu?

Es ist gut, jemanden für diese Arbeit zu haben, der ein derartig hohes Niveau hat. Das ist ein grosser Vorteil für Honda. Der einzige Unterschied ist die Elektronik, denn Stoner testete nicht mit der Magneti-Marelli-Hardware. Wenn sie also sagen, das Bike ist 0,3 sec langsamer als der Werks-Prototyp, ist das nur möglich mit der eigenen Honda-ECU.
Ich denke, bei der Ausstattung, die wir jetzt haben, ist das nicht möglich. Um das Motorrad gut hinzukriegen, war es sicher gut, mit der anderen ECU zu fahren. Aber nun ist es für alle neu. Am ersten Tag habe ich noch keine Traktionskontrolle und Anti-Wheelie gehabt.  Wir haben erst am Dienstag ein bisschen begonnen, damit zu arbeiten. Aber ich hatte keine Kraft, um das Bike wirklich zu kontrollieren. Ich werde es erst in Sepang sehen, wie es wirklich ist.

 

Die kombinierte Zeitenliste, Montag - Mittwoch
Pos Rider Team Zeit Tag
1. Marquez, Marc (Repsol Honda) 1:30.287 3
2. Smith, Bradley (Tech 3 Yamaha) 1:30.598 3
3. Lorenzo, Jorge (Yamaha) 1:30.768 2
4. Bradl, Stefan (LCR Honda) 1:30.868 3
5. Pedrosa, Dani (Repsol Honda) 1:30.948 2
6. Bautista, Alvaro (Gresini Honda) 1:31.208 2
7. Rossi, Valentino (Yamaha) 1:31.350 1
8. Espargaro, Pol (Tech 3 Yamaha) 1:31.533 3
9. Iannone, Andrea (Pramac Ducati) 1:31.594 3
10. Espargaro, Aleix (Forward Racing) 1:31.644 3
11. Dovizioso, Andrea (Ducati) 1:31.661 2
12. Crutchlow, Cal (Ducati) 1:31.875 3
13. Pirro, Michele (Ducati Test Team) 1:31.833 3
14. Hayden, Nicky (Aspar) 1:32.123 3
15. Aoyama, Hiroshi (Aspar Honda) 1:32.530 3
16. Hernandez, Yonny (Pramac Ducati) 1:32.745 1
17. Laverty, Michael (PBM) 1:33.055 3
18. Edwards, Colin (Forward Racing) 1:33.149 2
19. De Puniet, Randy (PBM) 1:33.833 2
20. Redding, Scott (Gresini Honda) 1:34.195 1
21. Di Meglio, Mike (Avintia Blusens) 1:34.618 2
22. Bauer, Martin (Remus Racing) 1:35.115 1

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