Sito Pons: MotoGP-WM mit Viñales und Kalex?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Seit zehn Jahren hält sich Teambesitzer Sito Pons von der MotoGP-Klasse fern. Aber unter gewissen Voraussetzungen würde er einsteigen. Sogar schon 2015?

Alfonso «Sito» Pons (54), der 250-ccm-Weltmeister von 1988 und 1989, hat 2013 mit Pol Espargaró und seinem Tuenti HP 40-Team die Moto2-Weltmeisterschaft gewonnen: Sein erster Fahrer-WM-Titel als Teambesitzer in rund 20 Jahren.

Pons brachte ausserdem den dreifachen Saisonsieger Tito Rabat auf den dritten WM-Rang, insgesamt wurden neun der 17 Rennen gewonnen!

Sito Pons betrieb nach seinem Rücktritt jahrelang ein Team für die 500er- und MotoGP-WM mit Stars wie Barros, Capirossi und Bayliss. Als sich Sponsor Camel zurückzog, musste er seinen Rennstall zusperren, obwohl Max Biaggi als Fahrer zur Verfügung gestanden wäre.

Seither wird Pons regelmässig mit der MotoGP-Klasse in Verbindung gebracht. Aber die Claiming-Rule-Teams reizten ihn nicht, obwohl er sich Chassis-Partner Kalex sehr gut in der Königsklasse vorstellen könnte.

Sito, du hast mir im Mai 2013 zahlreiche Gründe genannt, warum die MotoGP momentan für dich als Teamchef nicht in Frage kommt. Im Grunde war das Problem, das du 5 Millionen für zwei Fahrer brauchst und dann bestenfalls 15. werden kannst. Hat sich durch die Production-Racer etwas geändert?

Zuerst brauchst du einen Fahrer...

Du hast Maverick Viñales für zwei Jahre unter Vertrag. Er ist erst 18 und könnte in drei Jahren aufsteigen.

Vielleicht schon in zwei...
Also: Wir benötigen einen vielversprechenden Fahrer. Und dann brauchen wir ein konkurrenzfähiges Technik-Paket. Dieses Paket werden wir vorfinden, sobald in der MotoGP-Klasse ein ähnliches Technik-Reglement zum Tragen kommt wie jetzt in der Moto3.
Sie müssen auf Einheits-Elektronik umsteigen, auch die Werksteams. Dazu kommen die Einheitsreifen und identische Motoren. Damit meine ich, dass jeder Hersteller seine Fahrer mit gleichwertigen Motoren versorgen muss, wie es 2014 erstmals in der Moto3-WM der Fall sein wird.

Das kann frühestens 2017 passieren. Aber bisher sträuben sich die Werke gegen die Einheits-ECU. Zumindest die Japaner, weil sie da offenbar Vorteile haben gegenüber Ducati.

Sobald es in der MotoGP eine einheitliche Elektronik gibt, wird diese Klasse aufblühen. Dann wird es wieder volle Felder geben, es werden neue Teams, neue Sponsoren und neue Fahrer einsteigen.
Momentan haben wir in der MotoGP eine Art Monopol von Honda und Yamaha. Das ist nicht gut. Interessant ist sie nur, weil wir Stars wie Lorenzo, Márquez, Rossi und Pedrosa haben. Aber richtig populär ist diese Serie momentan nur in Spanien – wegen den vielen spanischen Teams und Piloten.
In der Realität – auf der ganzen Welt – reicht das nicht aus. Wir brauchen mehr Hersteller, die um den Sieg fighten, auch Suzuki und  Ducati. Wir brauchen mehr Teams und Fahrer, die für Podestplätze in Frage kommen.
Wenn das passiert, wenn dieses Technik-Paket eingeführt wird, werden wir auch das nötige Geld auftreiben. Das finden wir dann schon.
Wir brauchen mehr Spitzenmotorräder und mehr Spitzenfahrer. Dann entsteht eine Rennserie, die sich verkaufen und vermarkten lässt.

Du traust Maverick den Moto2-Titelgewinn 2014 zu. Das bedeutet: Du musst ihm womöglich schon für 2015 oder spätestens 2016 ein Zuhause in der MotoGP-WM anbieten?

(Er seufzt) Für einen Fahrer wie Pol Espargaró oder Maverick macht es keinen Sinn, mit einem Claiming-Rule-Team in die MotoGP-WM einzusteigen. Oder in einem Open-Team, wie sie jetzt heissen. Solche Fahrer müssen irgendwo antreten, wo sie ihre Fähigkeiten richtig entfalten können.
Also müssen die Dorna, die Werke und die Teams diese Plattform zur Verfügung stellen. Sonst wird diese Kategorie nie ihre maximale Anziehungskraft erreichen.
Schau dich jetzt mal um: Stefan Bradl. Auch wenn Honda sagt, er hat dasselbe Motorrad wie Repsol, das stimmt einfach nicht. Und die anderen Piloten haben überhaupt keine Chance.
An dem Tag, an dem wir eine Kalex mit einem konkurrenzfähigen Motor von Honda oder Yamaha oder sogar Ducati bauen können, mit derselben Elektronik und mit derselben Power wie die Werksmaschinen, an diesem Tag wird es für mich wieder interessant.
Dann müssen wir alle guten Fahrer aus den anderen Meisterschaften in die MotoGP einschleusen und mitfahren lassen.
Die Dorna marschiert in diese Richtung. Schritt für Schritt. Carmelo Ezpeleta weiss, dass die MotoGP nur auf diese Weise gerettet werden kann. Das ist der einzige Weg. Sonst geht es immer weiter bergab.
Wenn wir auf die Einheits-ECU umsteigen und die Werke verpflichten, ihre Teams mit identischen Motoren zu versorgen, dann erleben wir einen Aufschwung.
Wie sieht es heute aus? Die Werke profitieren von der Dorna, von den Teams, von der Meisterschaft, von den Veranstaltern, von den Sponsoren... Die Werke verlieren nie. Sie nützen nur ihre Macht aus.

Du hast Stefan Bradl erwähnt. Wie schlägt er sich bisher im Vergleich zu den besten Fahrern aus den Kundenteams?

Stefan leistet sehr gute Arbeit. Aber er hat ganz sicher nicht dasselbe Material wie das Repsol-Werksteam mit Márquez und Pedrosa. Auch wenn Honda das behauptet...
Ich bin sicher, er wäre viel näher an Márquez und Pedrosa dran, wenn er gleichwertiges Material hätte. Und so ein System brauchen wir.
Jetzt geht Pol Espargaró in die MotoGP-WM. Aber er hat nicht dieselben Voraussetzungen wie früher. Als wir in der MotoGP-WM mitgefahren sind, haben wir die Werksteams regelmässig besiegt. Dem Gresini-Team ist es auch damals gelungen. Dadurch hatten wir Sponsoren. Heute kommen keine Geldgeber in diese Meisterschaft, weil nur zwei Teams gewinnen können. Aber ohne Sponsoren können wir nicht überleben.

Wenn Maverick Viñales bei Halbzeit 2014 in der Moto2-WM führt oder in aussichtsreicher Position liegt: Machst du dann MotoGP-Pläne für 2015? Du hast einen Zwei-Jahres-Vertrag mit ihm?

Vielleicht sogar über drei Jahre... Es sind zwei Jahre plus eines.
Wenn wir die Moto2-WM gewinnen, ist die MotoGP eine Möglichkeit. (Er lacht). Aber es ist zu früh, um jetzt darüber zu reden.

Aber in fünf Monaten müsstest du bereits das Material bestellen?

Wir werden sehen. Ich würde nichts lieber tun, als ein Kalex-Motorrad in der MotoGP-WM einzusetzen. Ich würde auf jeden Fall eine Kalex nehmen. Denn ich bin überzeugt, dass sie eine perfekte Maschine bauen würden.
Wir brauchen allerdings einen ausgezeichneten Motor dazu. Keinen Production-Motor. Das macht keinen Sinn.

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