Iodaracing-Chef Sacchi: Ab Jerez mit Leon Camier?

Von Jordi Gutiérrez
MotoGP
Iodaracing-Teambesitzer Giampiero Sacchi wirkt niedergeschlagen. Er hat schwierige Monate hinter sich. BMW hat ihn enttäuscht. Für zwei Fahrer fehlt momentan das Geld.

Das Team Iodaracing Project tauchte erstmals in diesem Jahr bei einem MotoGP-Test. Der Rennstall ist auf einen Fahrer geschrumpft, für Leon Camier ist momentan kein Platz. Das Geld reicht nicht.

Danilo Petrucci rückte mit der ART-Aprilia aus, er schaffte aber nur die 16. Zeit. Rückstand: 3,972 sec.

Giampiero, endlich habt ihr es zu einem Test geschafft. Erleichtert?

Wir haben einen schrecklichen Winter hinter uns. Aber so ist das Leben.
Wir waren bisher nicht in der Lage, zwei Fahrer einzusetzen. Also kann ich nicht glücklich sein. Anderseits bin ich froh, dass wir wenigstens einen Fahrer auf der Piste haben.
Die Situation in den letzten zwei Monaten war sehr mühsam. Unser Job ist sehr seltsam. An einem Tag bist du im Himmel, am nächsten in der Hölle. Aber ich kenne dieses Geschäft seit vielen Jahren.
Und ich weiss: Man muss immer weiter fighten. Ich habe einen Traum. Das heisst: Ich will eines Tages auch Leon Camier auf die Aprilia setzen. Vielleicht nach den drei Übersee-Rennen. Es tut mir leid, dass ich ihn vorläufig im Stich lassen muss.

Iodaracing tritt erstmals mit ART-Maschinen an.

Wir sind das dritte Jahr in der MotoGP, und wir haben jedes Jahr ein anderes Fabrikat... Zuerst hatten wir Eigenbau-Stahlchassis mit selbst getunten Aprilia-Motoren, dann Suter-BMW. Das ist eine kostspielige Angelegenheit.
Wenn ich zurückblicke, muss ich sagen, ich würde noch einmal dieselbe Wahl treffen. Ich glaube nicht, dass wir grosse Fehler gemacht haben.
Das Problem ist, dass man so viel Geld braucht.
Als ich in die MotoGP-WM eingestiegen bin, gab es dieses neue Claiming-Rule-System. Es gefiel mir. Es erinnerte mich an die alten Formel-1-Zeiten vor 30 Jahren mit den «Garagisti», mit den kleinen Teams, die eigene Fahrzeuge bauten. Wenn du ein Teambesitzer mit viel Leidenschaft bist und die Möglichkeit bekommst, ein eigenes Motorrad zu bauen, das war sehr interessant.
Aber jetzt kommen wir wieder in das Fahrwasser, wo alles sehr teuer wird.
Jetzt hoffe ich, dass Danilo in diesem Jahr mit diesem Material bessere Resultate erzielt. Er hat eine grosse Verantwortung. Aleix Espargaró hat 2013 gezeigt, was mit diesen Bikes möglich ist. Ich hoffe, er macht sich nicht zu viel Druck, um die Espargaró-Zeiten aus dem Vorjahr zu erreichen.

Wann habt ihr die ART-Bikes bekommen?

Es hätte vielleicht gerade noch gereicht, um sie zum zweiten Sepang-Test zu schicken. Aber es wäre zu knapp gewesen. Danilo hat dann nur ein kurzes Roll-out in Valencia gemacht, aber mit Pirelli-Reifen, ohne Karbonbremsen, ohne Einheits-ECU. Das war nur ein Funktionstest.

Das Motorrad ist in letzter Minute für Katar startklar gemacht worden?

Ich bin nur hierher geflogen, weil ich im Flugzeug fehlende Brembo-Teile mitgebracht habe. Die sind erst letzten Freitag bei uns eingetroffen.
Wir mussten zuerst Bremsen für unsere alten Räder besorgen... Wir bekommen grosse Hilfe von Aprilia. Aber die neue ECU bedeutet viel Arbeit.
Wir verlieren das ganze Know-how, das wir uns 2013 mit BMW erarbeitet haben. Wir haben letztes Jahr keinen schlechten Job gemacht.

Du ärgerst dich, weil BMW keine Weiterentwicklung mehr machen wollte?

Ja, das tut mir leid. Berti Hauser hat sich viel Mühe gegeben. Aber wir haben nie den Eindruck gewonnen, dass BMW eines Tages in der MotoGP werkseitig engagiert sein will. Am Schluss war der BMW-Motor sehr gut. Und die Truppe von Eskil Suter hat mit dem Motorrad erstklassige Arbeit geleistet.
Aber wenn unser Team weiter in dieser Klasse bleiben soll, brauchen wir irgendwann die Unterstützung eines starken Werks. Sonst ist das Material zu teuer. Ohne so eine Hilfe sind wir zu klein für dieses MotoGP-Geschäft. Wenn die CRT-Philosophie noch Erfolg haben würde, wäre ich von Suter und BMW nie weggegangen.

Könnte Aprilia nicht dieses Werk im Hintergrund werden?

Die Zusammenarbeit klappt sehr gut. Wir haben mit Gianni Sandi einen sehr renommierten Cheftechniker. Aprilia-Rennchef Albesiano ist ein guter Typ, dazu ein ausgezeichneter Techniker. Man wird sehen, was aus dieser Zusammenarbeit entsteht.

Du hast zwei Bikes in der Box. Du hast überlegt, Leon Camier mit dem zweiten Motorrad fahren zu lassen?

Ja, darüber haben wir nachgedacht. Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn ich das leugnen würde. Aber ich will zuerst alle Sponsorengespräche abschliessen. Bevor wir nicht genug Budget haben, können wir nicht zwei Fahrer einsetzen. Nach diesem Winter fällt es mir sehr schwer, Zuversicht auszustrahlen. Wir haben im Januar einen grossen Sponsor verloren. Das war ein schwerer Rückschlag; schwer zu glauben.
Ich tue mein Bestes, um Leon ein zweites Motorrad zu geben. Aber ich will keine Sprüche machen, so lange das Geld fehlt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, werden wir zwei Fahrer an den Start bringen.
Ich habe hier in Katar eine Box gesehen, mit zwei Maschinen für zwei Fahrer. Wir werden gemeinsam mit Aprilia entscheiden, ob wir für die Europa-Saison auch Camier ins Startfeld bringen.

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