Stefan Bradl: Wer bedroht seinen Platz bei LCR-Honda?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl

Stefan Bradl

Nach drei schwachen Rennen werden etliche Spitzenfahrer mit LCR-Honda in Zusammenhang gebracht. Ist Bradls Platz bei LCR ernsthaft in Gefahr?

Auch vor einem Jahr um diese Zeit war Stefan Bradl bewusst, dass er sich steigern musste, um seinen Platz im LCR-Honda-Team behalten zu können.

Spätestens beim GP von Deutschland auf dem Sachsenring wurde ihm bewusst, dass HRC auch mit Cal Crutchlow verhandelte.

Nach vier Podestplätzen auf der Tech3-Yamaha wollte der schnelle Brite ins Yamaha-Werksteam, das jedoch für 2014 mit Jorge Lorenzo und Valentino Rossi verbarrikadiert war.

Bradl geriet unter Druck – und zeigte ausgerechnet im Juli starke Leistungen. Er sorgte Grand Prix auf dem Sachsenring am Freitag für eine Bestzeit, er führte das Rennen an – und sicherte sich eine Woche später nach Pole-Position und Platz 2 in Laguna Seca einen neuen Honda-Vertrag.

Auch jetzt tauchen jede Woche neue Namen von Kontrahenten auf, die Bradls Platz bei LCR-Honda beanspruchen könnten.

Fakt ist: Die letzten drei Rennen (Platz 10 in Jerez wegen «arm pump», Platz 7 in Le Mans, in Mugello Sturz nach Abschuss durch die Crutchlow-Ducati) braucht Bradl dringend ein paar Erfolgserlebnisse. Er ist durch den Nuller in Mugello in der WM vom sechsten auf den achten Platz zurückgefallen. 2003 war er WM-Siebter, 2012 WM-Achter.

Aber: Der Bayer liegt in der WM immer noch vor dem vier Jahre älteren Alvaro Bautista, der sein direkter Gegenspieler udn dessen Position ebenfalls gefärdet ist.

Wenn Bradl in Barcelona, Assen und auf dem Sachsenring wieder an die Erfolge von Austin (Platz 4) und Las Termas (Platz 5) anknüpfen kann, muss er sich um seine Zukunft in der MotoGP-Klasse keine Sorgen machen.

Bisher gibt es keine ernsthafte Bedrohung für Bradls Platz bei LCR.
Wir haben die mutmasslichen Kandidaten (in alphabetischer Reihenfolge) unter die Lupe genommen:

Crutchlow Cal: Mit Startplatz 6 in Mugello zeigte er einen Aufwärtstrend, er hat einen Ducati-Vertrag für 2015 und will auf seine 2,5-Mio-Euro-Gage nicht verzichten. Bei Yamaha sind für ihn die Türen zu, die Suzuki ist nicht konkurrenzfähig, bei einem Honda-Kundenteam könnte er nur ein Fpünfter der Ducati-Gage verdienen.

Dovizioso Andrea: Marlboro und Ducati werden alles tun, um den Italiener zu halten. Er gilt hinter den «Grossen Vier» (Márquez, Lorenzo, Rossi, Pedrosa) als «best of the rest». Er wird bei Ducati bleiben, auch wenn sein Manager Simone Battistella durch Gespräche mit anderen Werken (Suzuki) den Preis in die Höhe treiben will.

Iannone Andrea: MotoGP-Sechster in Las Termas und Siebter in Mugello, Startplatz 2 in Mugello, fährt jetzt Kunden-Ducati im Pramac-Team, hat aber Werksvertrag mit den Roten. «Wir wollen bei Ducati bleiben, am liebsten im Werksteam. Wir reden auch mit Suzuki und Yamaha, Honda hat kein Interesse», erklärte sein Manager Carlo Pernat gegenüber SPEEDWEEK.com

Miller Jack: Moto3-WM-Leader, der für 2015 und 2016 einen Moto2-Vertrag bei Marc VDS hat. HRC wäre daran interessiert, Miller in die MotoGP zu transferieren. Aber die Japaner wollen keinen Rechtsstreit, schon gar nicht mit ihrem besten Moto2-Team (Honda-Einheitsmotoren) und potenziellen Kunden für eine Production-MotoGP-Honda. Und Miller will vor seiner MotoGP-Laufbahn eine Moto2-Saison fahren.

Rea Jonathan: Superbike-Pilot bei Honda, war schon für 2013 für die MotoGP-WM im Gespräch, versagte aber als Stoner-Ersatzfahrer im September 2012 kläglich, ist bei keinem namhaften MotoGP-Team erwünscht. Die LCR-Sponsoren würden dankend ablehnen.

Redding Scott: Moto2-Vizeweltmeister 2013, jetzt Honda-RCV1000R-Production-Racer-Pilot bei Go&Fun-Gresini. Hofft auf einen Prototyp, wurde aber in der Open-Class zuletzt (Platz 13 in Mugello) sogar von Karel Abraham besiegt. Wird wohl eine weitere Open-Saison fahren müssen – oder bestenfalls den Bautista-Platz bei Gresini erben.

Stoner Casey: MotoGP-Weltmeister 2007 und 2011, wird nur von besonders phantasiebegabten «Experten» mit LCR-Honda in Verbindung gebracht. Aber der Australier denkt nicht an ein Comeback, und schon gar nicht bei LCR-Honda. Dort fuhr er 2006 seine erste MotoGP-Saison und ist bis heute gekränkt, weil er damals im November keine Freigabe für die Ducati-Tests bekam.

Vinales Maverick: Moto3-Weltmeister 2013, Moto2-WM-Dritter 2014. Er hat mit dem HP 40 Pons-Team einen Vertrag für die Moto2-WM 2014 und 2015 und wird ihn auch einhalten. Das hat der Spanier Honda unmissverständlich mitgeteilt. Sein Verhältnis zu HRC ist nicht das Beste. Viñales trat beim Malaysia-GP 2012 als Titelanwärter in den Streik und reiste vor dem ersten Training ab, weil Honda keine Weiterentwicklung betrieb. Er wechselte dann sein Management und das Team, ging zu Calvo-KTM – und wurde Weltmeister.

Über andere Kandidaten zu sprechen, ist Zeitverschwendung. Pol Espargaró ist für 2015 bei Tech3-Yamaha unter Vertrag, sein Bruder Aleix schwankt zwischen Forward-Yamaha und Suzuki.

Ausserdem: Es sitzen bereits drei Spanier (Márquez, Pedrosa und Bautista) auf drei der vier Honda RC213V-Protoptypen, was aus Marketingsicht für einen Global Player nicht gerade weitblickend ist.

Fest steht: Der mächtige Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta macht sich für Bradls Verbleib bei LCR-Honda stark, er braucht für das weltweite Geschäft (mit den GP-Veranstaltern und TV-Sendern) nicht nur starke Spanier und Italiener, sondern auch Briten, einen Deutschen, Franzosen, Australier und so weiter.

Und LCR-Honda-Teambesiter Lucio Cecchinello will sein Projekt mit Stefan Bradl unbedingt fortsetzen. «Stefan hat noch nicht sein ganzes Können gezeigt», ist Lucio überzeugt. «Er kann in der WM immer noch unter die ersten fünf kommen», weiss der Ex-Rennfahrer. «Wir wollen mit Stefan als starkem Deutschen in der MotoGP-WM weitermachen.»

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