Alex Hofmanns Expertenmeinung zu Aprilia in MotoGP

Von Ivo Schützbach
MotoGP

Von 2008 bis 2014 hat Alex Hofmann als Testfahrer für Aprilia gearbeitet. Kaum ein anderer kann die Leistungsfähigkeit des Herstellers aus Noale so gut beurteilen wie er. Was er zu Alvaro Bautista und Melandri sagt.

Ein Jahr früher als geplant ist Aprilia werksseitig in die MotoGP-WM zurückgekehrt. Mit Alvaro Bautista (30) und Marco Melandri (32) hat das Team zwei sehr erfahrene Piloten verpflichtet, man ging auf Nummer sicher. Für die Entwicklung des neuen MotoGP-Bikes RS-GP sicher kein schlechter Schachzug, doch werden sie auch gute Ergebnisse bringen?

«Das Bike, wie es jetzt ist, ist noch nicht wertig», meint der ehemalige Aprilia-Testfahrer Alex Hofmann, seit vielen Jahren als Experte für die MotoGP-Übertragungen im Fernsehen tätig. «Aprilia hat von Anfang an gesagt, dass 2015 ein Testjahr sein wird. In so einem Jahr ist es wichtig, dass du erfahrene Leute auf dem Bike hast. Jetzt haben sie zwei erfahrene Piloten, mir fehlt in dieser Paarung der junge wilde Hungrige, der, egal welches Problem auftaucht, egal welches Wetter grade ist, die Kiste hernimmt, komme was wolle. Einer muss sagen was nicht funktioniert und wie es geändert werden muss, und einer muss das, was vorhanden ist, bis ans Limit fahren, damit du weißt, wo dein Stand ist. Bei der Paarung wie jetzt läufst du Gefahr, dass sie nicht das letzte Risiko gehen, wenn das Bike noch nicht da ist, wo es sein sollte.»

«Bei Suzuki haben sie zwei extrem junge Wilde», weiß Hofmann. «Bei Aprilia haben sie zwei extrem Erfahrene. Wenn sie untereinander einen Fahrer tauschen würden, wäre es wahrscheinlich das Optimum. Erfahrung hilft beim Einstellen, die Jungen umfahren gerne Probleme, ohne darüber nachzudenken. Ein älterer Fahrer erkennt das Problem und will es nicht mehr umfahren.»

Über Melandri gewundert

Aprilia-Werksfahrer Marco Melandri ist dafür bekannt, dass er Siege einfahren kann, wenn mit dem Motorrad alles perfekt ist. Passt dem Mann aus Ravenna etwas nicht, macht er aus seinem Frust keinen Hehl.

Während der Testfahrten in Malaysia fuhr Melandri nur hinterher, Bautista nahm ihm zuletzt 2,2 Sekunden ab, auf die Spitze verlor er 4,4 sec.

«Mich hat gewundert, dass Melandri diesen Job angenommen hat», gibt Hofmann gegenüber SPEEDWEEK.com unumwunden zu. «Vielleicht hat er sich gedacht, dass das Angebot finanziell okay ist, auch wenn er mit dem Bike nicht gewinnen kann. Ich kenne seine Herangehensweise nicht. Einen Erfahrenen wie Melandri oder Bautista und dazu einen jungen Wilden wäre gewiss besser gewesen. Aber Aprilia hatte auch nicht mehr die große Auswahl, als sie sich für MotoGP entschlossen und mussten gucken, was der Markt noch hergibt. Das wird kein leichtes Unterfangen. MotoGP hat dieses Jahr ein Niveau, wie wir es in der Breite an Fahrern und Technik lange nicht mehr gesehen haben. Spannend wird es.»

Aprilia sagt, dass Top-10-Platzierungen 2015 gegen Honda, Yamaha und Ducati als Erfolg gewertet müssen. Schätzt du das auch so ein?

Hofmann: «Ja, definitiv. Ich habe auch gute Jahre in der MotoGP-WM miterlebt, etwa 2004, als fast alle Werke vorhanden waren, da wusstest du ganz klar, dass vier Honda im Feld sind, die du nicht schlagen kannst. Da sind vier Yamaha im Feld, die du eigentlich nicht schlagen kannst, dazu zwei Werks-Ducati, dann bist du schon bei zehn Leuten. Das wird dieses Jahr auch so sein. Wie sollen die vier Honda und die vier Yamaha geschlagen werden? Da sitzen überall gute Jungs drauf, die alle hoch motiviert sind. Ducati ist auf dem Vormarsch, das Reglement erlaubt es neuen Werken aufzuholen. Ich habe oft kritisiert, wenn die Organisatoren geschlafen und die Meisterschaft in ein Loch getrieben haben. Aber jetzt haben sie einen Weg gefunden, den ich loben muss. Die Meisterschaft wird ein Knaller, Top-10 für Aprilia wird schwierig.»

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