Stefan Bradl: «Man darf Katar nicht überbewerten»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl ist gespannt auf die nächsten zwei MotoGP-Rennen in Texas und Argentinien. «Dann kann man mehr über die Kräfteverhältnisse sagen», meint er.

Stefan Bradl (24) freute sich beim ersten Sepang-Test über die achtbeste Zeit, doch im Katar-Qualifying musste der Athina-Yamaha-Pilot aus dem Forward Racing Team mit Platz 18 vorlieb nehmen.

Für Texas rechnet sich das Forward-Team eine Steigerung aus, es sollen Plätze zwischen 9 und 12 angepeilt werden.

Stefan, welches Fazit kannst du nach dem ersten Grand Prix und den Wintertests ziehen? Ducati überrascht, auch Pramac-Ducati ist stärker als im Vorjahr, Suzuki hält ebenfalls tadellos mit?

Ja, Suzuki hat gute Ergebnisse erreicht, Pramac auch, aber Ducati war in Katar jetzt generell sehr stark. ​Die Ducati-Fahrer sind alle miteinander recht gut zurecht gekommen. Vielleicht ist ihnen die Strecke entgegen gekommen, was mich ein bisschen wundert. ​Ich bin aber gespannt, was bei den nächsten Rennen passiert. Ich glaube nicht, dass Ducati ein permanenter Podiumsanwärter ist. Sie haben sich sicher gesteigert. Aber ob sie bei allen Grand Prix auf dem Level von Honda und Yamaha fahren können, das muss sich erst zeigen.

Sogar die letztjährigen GP14 von Pramac und Avintia haben sich achtbar geschlagen?

Ja, die waren schon bei den Tests in Malaysia nicht schlecht. Aber so weit vorne wie in Katar waren sie dort nicht.

Forward-Elektronikchef Dirk Debus sagt, er erwartet dich in Texas fünf Plätze weiter vorne. Das heisst, er will dich auf den Plätzen zwischen 9 und 12 sehen. Ist das realistisch?

Wenn ich mehr zum Fahren komme und wenn wir von Anfang an besser aufgestellt sind, ist das möglich. Ich will jetzt Katar nicht als Massstab für die ganze Saison hernehmen. ​In Doha sind wir unter unseren Erwartungen geblieben.

Trotz der zahlreichen Probleme bist du in Katar als zweitbester Open-Fahrer hinter Barbera ins Ziel gekommen. Das heisst, der Gewinn der Open-Kategorie bleibt ein realischtisches Ziel?

Ja, das bliebt ein realistisches Ziel. Absolut.

Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari war selbst nach dem 16. Platz in Doha nicht enttäuscht. Aber du selbst hast höhere Ansprüche?

Mein eigener Ansp​ruch ist höher. Es ist nicht mein Ziel, über einzelne Punkte zu jubeln. Ich will nicht rechnen, dass mir Platz 15 einen Punkt bringt und solchen Schmarrn.
Das Wochenende in Katar war nicht einfach für mich, weil ich wirklich weit hinten war. Ich habe mich mit diesen Gegebenheiten erst anfreunden müssen. Aber man muss die Situation so nehmen, wie sie ist. Man darf ein einzelnes Wochenende nicht zu stark überbewerten.
Es sind 18 Rennen im Jahr, da muss man den Schwung von einem zum andern mitnehmen.
Dirk Debus hat es gesagt, wir wollen in Austin fünf Plätze weiter vorne sein. Das ist nicht unrealistisch.

Dein Material ist konkurrenzfähig. Du hast einen Top-Speed von 340,6 km/h erreicht, Rossi von 341,7 km/h. Aber Marc Márquez wurde mit 350,5 km/h gemessen, die beste Ducati mit 346,4.

Unser Top-Speed war okay, wenn man bedenkt, dass die Yamaha in dieser Hinsicht generell Aufholbedarf haben. Ich war dicht hinter Lorenzo und einer Tech3-Yamaha. Das war im grünen Bereich.

Scott Redding war in Doha als 13. auf der Factory-Honda im Rennen nur 1,9 Sekunden schneller als du. Zwischen Platz 10 und 15 ist also einiges möglich?

Ja, Redding hat auch einige Probleme gehabt. Unterhalten wir uns in zwei Wochen wieder. Nach dem Argentinien-GP kann man mehr sagen. Las Termas ist dann wieder eine flüssigere Strecke, das könnte der Yamaha entgegen kommen.

Auch Marc Márquez ist in Doha als Fünfter hinter den Erwartungen geblieben. Aber für Texas ist er wieder hoher Favorit?

Meiner Meinung nach ist Marc für Amerika haushoher Favorit. Er wird dort auf dem Podest stehen und wahrscheinlich gewinnen. Er hat das im ​Griff, man hat bei den Wintertests gesehen, dass er der Topfavorit ist, auch wenn Lorenzo und Rossi versuchen, ihm das Leben extrem schwer zu machen. Marc bleibt Titelfavorit Nummer 1.

Dani Pedrosa fällt zumindest für zwei Rennen aus. Du kennst diese «armpump-»Probleme aus eigener Erfahrung.

Ja, ich habe Danis deutschen Mechaniker Emanuel Buchner beim Heimflog aus Doha getroffen. Er hat gesagt, dass es sich um ein seriöses Problem handelt. Dani hat lange Zeit den Mund gehalten, aber jetzt hat es ihm gereicht. Texas ist sicher eine anstrengende Strecke für die Unterarme und «armpump».
Bei mir waren die Symptome eigentlich in Jerez immer am schlimmsten. Ich würde mich übrigens am rechten Unterarm nie mehr in Spanien operieren lassen. Einmal war genug.

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