Politiktheater: Brünn-GP 2015 wackelt heftig

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Karel Abraham sr. und der mährische Politiker Michael Hasek streiten seit August 2014 um die Austragungsrechte für den Brünn-GP. Jetzt droht die Absage des tschechischen Traditionsrennens.

Seit 1987 ist der Motorrad-WM-Lauf auf dem Masaryk Ring in Brünn Bestandteil des GP-Kalenders. Aber seit einem Jahr wird in Tschechien um den Grand Prix gestritten.

Deshalb existiert für den Brünn-GP 2015 immer noch kein gültiger Vertrag, und ob der «bwin Grand Prix České republiky» am 16. August 2015 wirklich ausgetragen wird, ist vorläufig höchst fraglich.

Denn Rennstreckenbetreiber Karel Abraham senior liegt weiterhin im Clinch mit Michael Hasek, Landeshauptmann von Südmähren, der den Event am liebsten selbst veranstalten und promoten würde.

Schon im Vorjahr gab es Diskussionen, weil die Dorna vom Brünner Veranstalter eine Austragungsgebühr von ca. 2,73 Millionen Euro (75 Millionen tschechische Kronen) pro Jahr verlangt und Abraham dieses Geld nicht allein aufbringen kann. Die Stadt Brünn und die Provinz Mähren waren in der Vergangenheit in der Lage, 30 bis 40 Prozent zur verlangten Summe beizusteuern. 2014 fehlten noch 1,09 Millionen Euro (30 Millionen CZK), die der Betreiber künftig aus seiner eigenen Tasche hätte zahlen müssen, wie Abraham durchblicken lässt.

Denn das nationale Olympische Komitee wollte die Unterstützung für den Brünn-GP damals zurückziehen.

Seither macht der Brünn-GP ständig Schlagzeilen, seine Zukunft steht in Frage, dabei ist das Zuschauerinteresse gewaltig. 2012 wurden zum Beispiel für drei Tage 212.303 Zuschauertickets verkauft (Renntag: 139.232) und im Vorjahr 222.719 (Renntag: 142.030). Erst bei 170.000 Zuschauern über drei Tage würde der Event Verluste erwirtschaften.

Brünn: Superbike-WM ist schon weg

Die Superbike-WM hat sich unter Rennstreckenbetreiber Abraham aus finanziellen Gründen bereits aus Mähren verabschiedet: Sie gab 2012 dort ihr letztes Gastspiel.

Der Motorrad-Grand Prix in Brünn hingegen ist längst ein Klassiker geworden. Seit der Eröffnung der permanenten Berg-und-Tal-Rennstrecke 1987 fand jedes Jahr ein Grand Prix statt, mit Ausnahme von 1992, als die Dorna erstmals die kommerziellen Rechte besass und keine finanzielle Einigung über die Austragungsgebühr erzielt wurde.

Seit Dezember 2005 ist Karel Abraham Pächter und Betreiber der traditionellen WM-Strecke namens Automotodrom Brno oder Masaryk Ring.

Jetzt hat Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta den Tschechen ein Ultimatum gestellt: Wenn sich Karel Abraham in der ersten Juni-Woche 2015 nicht mit Landeshauptmann Hasek einigt, fliegt Brünn bereits 2015 mit sofortiger Wirkung aus dem Kalender. Dann gibt es nach dem Indy-GP (9. August) eine dreiwöchige Pause bis Silverstone (30. August).

Da seit dem Brünn-GP 2014 gestritten wird und sich die Fronten verhärtet haben, grenzt es an ein Wunder, wenn jetzt in zwei Wochen eine Einigung erzielt werden könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass Abraham und Hasek seit Monaten nicht einmal miteinander reden. Abraham lässt die Verhandlungen durch die Brünn-Managerin Ivana Ulmanova führen.

Hasek flog im November 2014 zum Superbike-WM-Finale nach Katar und im Winter nach Spanien, um mit Ezpeleta persönlich zu verhandeln und zu betonen, dass die Regierung der Provinz Südmähren am liebsten selbst den Vertrag mit der Dorna aushandeln und abschliessen würde.

«Aber wie soll ich mit einer Regierung über einen Grand Prix verhandeln? Mit wem rede ich, wenn es um die Streckenposten geht, um die Anzahl der Ärzte und andere Themen? Das Problem ist: Karel Abraham gehört die Rennstrecke. Aber er hat nicht genug Geld, um sich den WM-Lauf in Zukunft leisten zu können», erklärte Carmelo Ezpeleta. «Die Politiker von Südmähren wollen Brünn im Kalender halten, ausserdem haben sie das nötige Geld. Aber wie kommen die zwei Streitparteien zu einer Einigung? Sie wollen, dass ich Frieden stifte und mich einmische. Das habe ich abgelehnt. Wenn die Tschechen ihr Problem nicht untereinander lösen können, werden wir den Grand Prix 2015 absagen. Ende der Story! Es wäre schade... Ich denke, das Problem Brünn kann immer noch gelöst werden. Aber ich will spätestens in der Woche nach dem Mugello-GP Bescheid wissen.»

Ezpeleta ist mit seiner Geduld am Ende. Denn Abraham liess 2014 im Rahmen des Brünn-GP ein Press Release verschicken, in dem er ankündigte, die Zukunft des GP-Events sei dank der Regierung von Südmähren gesichert.

Ezpeleta: «Aber seither hat sich nichts getan.»

Dazu kommt, dass Karel Abraham seit Jahren mit dem tschechischen Motorradverband streitet, er hat sogar einen eigenen Verband gegründet und 2013 versucht, eine eigene Rennserie aufzuziehen. Es handelte sich um die «Central European Motorcycle Championship», kurz CEMC. Als Veranstalter trat Abrahams Verband CAMS (Cesky svaz motocyklového sportu) auf. Inzwischen ist das Projekt im Sande verlaufen.

«Ich habe Abraham und Hasek erklärt, dass sie zwei Dinge brauchen, wenn sie einen Grand Prix veranstalten wollen, eine homologierte Rennstrecke und das Geld, um die nötigen Gebühren zu bezahlen», betont Ezpeleta gegenüber SPEEDWEK.com. «Ich habe ihnen klargemacht, dass sie erst wieder zu mir kommen sollen, wenn eine Lösung existiert. Ich will nicht ständig unabhängig mit den beiden Streitparteien diskutieren, das führt zu nichts. Ich bin kein Schiedsrichter.»

«Die tschechische Regierung hat 30 Millionen Tschechische Kronen (mehr als 1,1 Millionen Euro) frei gegeben. Diese Summe wird in den nächsten Tagen von der Region Südmähren an die Dorna überwiesen. Das ist ein großer Teil der Veranstaltungsgebühr des Grand Prix 2014», kündigte Hasek im vergangenen Winter an. Aber bisher sei die Gebühr für den Brünn-GP 2014 noch immer nicht zur Gänze bezahlt worden, war in Le Mans zu hören.

Monatelang hatte Hasek die 1,1 Millionen von 2014 einfach nicht an die Dorna überwiesen, weil er sich über die Zukunft des Brünn-GP mit Abraham nicht einig wurde. Auch kein Geschäftsgebaren, das der Dorna wahrhaft Freude machte.

Und Brünn-Managerin Ivana Ulmanova hat schon im Februar 2015 erkärt: Wenn der Grand Prix abgesagt werden muss, wird das Geld für die Ticketkäufe zurückerstattet.

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