Wilco Zeelenberg: Jorge Lorenzos Schutzengel

Von Manuel Pecino
MotoGP

Als ehemaliger GP-Pilot und Mitglied des Yamaha-Werksteams war der Niederländer Wilco Zeelenberg in den letzten sechs Jahren der Schatten des zweifachen MotoGP-Weltmeisters Jorge Lorenzo.

Er ist diskret und hält sich im Hintergrund, obwohl er im Erfolgskonzept des spanischen Champions Jorge Lorenzo eine wichtige Rolle spielt. Mehr noch: Ich würde sagen, dass er fundamental dafür ist: Wilco Zeelenberg.

«Er vertraut mir. Wenn er etwas wissen will, dann gehe ich los und frage», erklärte Zeelenberg seine Rolle in Lorenzos Welt. «Technisch ist Ramón Forcada die Nummer 1. Er entscheidet jeden Schritt, der am Bike vorgenommen werden muss. Er trägt die gesamte Verantwortung, das ist zu hundert Prozent klar. Doch oft muss Jorge wissen, was die anderen tun, damit er ruhig bleibt.»

Aufgrund seiner Persönlichkeit ist Lorenzo ein Fahrer, der alles kontrollieren will, was ihn umgibt. In diesem Moment schreitet Zeelenberg ein, um ihm die Antworten zu geben, die er sucht. «Ramon erklärt ihm gewisse Dinge, aber eine halbe Stunde später hat er vielleicht Fragen. In diesem Moment schalte ich mich ein und sage: Dies und jenes passiert im Moment.»

Zeelenberg ist zudem ein ständiger Beobachter an der Strecke während der freien Trainings. Wenn die MotoGP-Fahrer trainieren, fährt er mit seinem Roller von einer Kurve zur nächsten. Seine Antwort auf meine bissige Frage, wie ein durchschnittlicher ehemaliger GP-Pilot einem zweifachen MotoGP-Weltmeister helfen kann, war sehr interessant und didaktisch.

«Jorge fährt die Maschine sehr gut, aber er ist nicht der technisch versierteste Kerl auf der Welt... Lärm zum Beispiel: Die Traktionskontrolle ist zu stark. Es gibt zu viele Wheelies. Bei dieser Elektronik kann man nicht nur sehen, sondern auch hören.»

«Sein Fahrstil ist immer weich. Wenn er zwei Maschinen probiert, sieht das ziemlich gleich aus. Doch von außen kann man vielleicht mehr sehen. Dieser Blickwinkel macht es etwas einfacher. Sobald er in die Box kommt und die Probleme schildert, kann ich sagen: ‹Die anderen Fahrer haben dieselben Probleme.› Ich sehe sie direkt, er muss sich die Videos nicht ansehen. ‹Du hast Probleme in Kurve 1 und 2, aber sie sind im Vergleich zu den anderen gering.›» Interessant, oder?

In sechs Jahren an Jorge Lorenzos Seite, der sicherlich nicht die einfachste Persönlichkeit ist, kennt Wilco Zeelenberg den Charakter des spanischen Fahrers genau. Das war sehr wichtig, um sich aus der Krise zu befreien, die Lorenzo am Anfang dieser Saison durchlebte. Es ist nicht einfach, sich vor einen vierfachen Weltmeister zu setzen und ihm zu sagen, dass er etwas falsch macht und seine Einstellung ändern muss. Viele Psychologen würden das nicht wagen.

«Jorge zu überzeugen, dass er seine Einstellung und Herangehensweise ändern muss, war einfach. Wir sprachen in Jerez darüber, dass wir ein bisschen schlauer vorgehen müssen. Er ist immer in der Lage, zuzuhören und über neue Dinge und Lösungen nachzudenken. Natürlich ist dabei die Art und Weise wichtig. Jeder Fahrer hat seine eigene Persönlichkeit. Man muss den richtigen Weg finden, um ihm die richtigen Informationen zu geben, ruhig zu bleiben und sich zu verbessern.»

Zeelenberg musste in seinen sechs Jahren mit Lorenzo und Yamaha unterschiedliche «Missionen» erfüllen. Eine davon war es, sein Fitness-Training in der Vorsaison zu beobachten. Nachdem Lorenzos Fitnesslevel Anfang 2014 alarmierend war, wurde Zeelenberg gebeten, seine Vorbereitung im Winter zu verfolgen. Dafür verbrachte er in der Winterpause viel Zeit mit seinem Fahrer und trainierte mit ihm.

Man kann sich vorstellen, dass sich Lorenzo nicht damit wohlfühlt einen «politischen Kommissar» an seiner Seite zu haben. «Ich habe ihm erklärt, dass es nicht so ist, dass ich nur einen Einblick haben will, wie er lebt, wie sein Gewicht ist und so weiter.» Obwohl er keine Person ist, die normalerweise auf Fotos auftaucht, scheint Wilco Zeelenbergs Beitrag zu Lorenzos erfolgreichem Comeback grundlegender Natur zu sein. Oder nicht?

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