MotoGP-Feld 2016: Nur noch wenige Plätze frei

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Start beim Mugello-GP: Die grossen Werksteams sind für 2016 alle besetzt

Start beim Mugello-GP: Die grossen Werksteams sind für 2016 alle besetzt

Aprilia Racing hat erst einen Fahrer fix, Pramac-Ducati hält noch einen Platz für 2016 frei, Bradley Smith hat bei Tech3 noch nicht unterschrieben. Auch LCR-Honda hat sich für 2016 noch nicht festgelegt.

Einige Top-Ten-Fahrer von Cal Crutchlow bis Bradley Smith haben noch keinen Vertrag für 2016 unterschrieben. Die lukrativen Plätze sind spärlich geworden, denn die grossen Werksteams sind besetzt.

Für die nächste Saison ​haben die grossen Werksteams von Honda (Márquez, Pedrosa), Yamaha (Rossi, Lorenzo), Ducati (Dovizioso, Iannone) und Suzuki (Aleix Espargaró, Maverick Vinales) bereits ihre Fahrerwahl getroffen.

Nur bei Aprilia Racing ist für 2016 der Platz neben Alvaro Bautista frei. Zumindest hat Sam Lowes bisher nur einen Vorvertrag unterschrieben.

Wie es bei den restlichen Teams aussieht, zeigen wir in einer aktuellen Zusammenfassung auf.

Tech3-Yamaha
Die Verträge mit dem WM-Fünften Bradley Smith und dem WM-Neunten Pol Espargaró laufen am Jahresende aus. Der Engländer hat seine Position in Indy mit einer erstklassigen Performance gestärkt. Er hat Andrea Dovizioso vom fünften WM-Rang verdrängt. Smith werde spätestens beim Silverstone-GP einen neuen Vertrag unterschreiben, ist zu hören.

Teamchef Hérve Poncharal hat die Suche nach einem Ersatz längst aufgegeben. Denn wirklich bessere Fahrer sind nicht auf dem Markt, der junge Moto2-Fahrer Alex Rins hat einen Vertrag bei Pons für 2016.

Espargaró war für 2014 und 2015 direkt bei Yamaha Factory Racing unter Vertrag, er galt als Personalreserve für den Fall, dass sich Lorenzo für 2016 Richtung Ducati verabschiedet hätte. Dieses Szenario war vor einem Jahr denkbar, bevor Crutchlow bei Ducati Corse vor dem Vertragsende ausstieg. Damit machte er im Ducati-Werksteam für Iannone Platz, der gleich für zwei Jahre verpflichtet wurde.

Pol Espargaró stand zwar in der Saison 2015 bisher im Schatten von Smith, sein Yamaha-Vertrag wurde aber in Indy vor dem ersten Training um ein Jahr verlängert.

CWM-LCR-Honda
Das Team rüstet in diesem Jahr erstmals zwei Fahrer aus​: Jack Miller auf einer Open-Honda mit HRC-Vertrag, Cal Crutchlow fährt die Factory-Honda; er ist WM-Achter und hat bisher einen Podestplatz erbeutet – Platz 3 in Argentinien.

Da Hauptsponsor CWM wirtschaftlich ins Trudeln geraten ist, darf Teambesitzer Lucio Cecchinello 2016 nicht mehr mit CWM-Geld rechnen. Falls kein Ersatz gefunden wird (es geht um 6,5 Millionen Euro), muss Cecchinello seine Truppe voraussichtlich wieder auf ein Ein-Fahrer-Team umstellen – wie von 2006 bis 2014.

Der Teamchef hat klar gemacht, dass er nur Cal Crutchlow behalten will, wenn das Geld nicht für zwei Fahrer reicht.

Crutchlow hat sich zwar bei Ducati und Forward erkundigt, bei Ducati ist er aber 2014 regelmässig durch rufschädigende Äusserungen in Ungnade gefallen. Eine Rückkehr zu Tech3, wo Cal vor zwei Jahren WM-Fünfter wurde und bis Saisonmitte 2013 schon vier Podestplätze erzielte, war auch nie vorstellbar. Yamaha betrachtet den Tech3-Rennstall als Junior-Team, Crutchlow geht auf die 30 zu.

Crutchlow wird finanzielle Einbussen hinnehmen müssen, wenn er sich bei LCR wieder konkurrenzfähiges Material sichern will.
Miller soll von HRC zu Martinez abgeschoben werden – falls dieser bei Honda bleibt.

Estrella Galicia 0,0 Marc VDS Honda
Scott Redding sollte eigentlich nur dort nur bleiben, wenn er in der WM-Endabrechnung unter die ersten sieben kommt. Nach einigen enttäuschenden Darbietungen ist Redding nur WM-Vierzehnter. Marc VDS hat sich aber zum Weitermachen mit dem Engländer entschieden, obwohl HRC von den Factory-Piloten Top-3-Plätze oder zumindest Ergebnisse in den Top-5 sehen will. Rabat hatte Interesse an einem MotoGP-Deal mit Marc VDS, ist aber abgeblitzt.

Pramac-Ducati
Danilo Petrucci ist erstaunlicher WM-Elfter und macht in seiner ersten Pramac-Saison auf konkurrenzfähigem Material eine ausgezeichnete Figur. Er war zuletzt starker Fünfter im Qualifying von Indianapolis – als bester Ducati-Fahrer.

Yonny Hernandez hat sich hingegen gegenüber 2014 nicht gesteigert; er ist WM-13.

Ducati wird ihn deshalb zu Avintia-Ducati transferieren, wo Barbera gesetzt ist für 2016, während der Franzose Mike di Meglio gehen muss. Für Avintia-Teambesitzer Raul Romero ist Hernandez kein Unbekannter, er fuhr für sein damaliges Blusens-Team bereits 2010 und 2011 die Moto2-WM und 2012 eine MotoGP-Maschine – eine FTR-Kawasaki.

Durch den Abschied von Hernandez schaffen Ducati und Pramac einen freien Platz an der Seite von Petrucci – Stefan Bradl soll ihn einnehmen. Aber der Bayer betont, er habe bisher kein konkretes Angebot auf dem Tisch.

Ducati wird die Pramac-Mannschaft 2016 mit GP15-Maschinen aus dem diesjährigen Werksteam-Fundus versorgen.

Aprilia Racing Team Gresini
Alvaró Bautista hat einen Zwei-Jahres-Vertrag bis Ende 2016, für den zweiten Platz ist bisher Sam Lowes vorgesehen; er hat einen Vorvertrag in der Tasche. Aber die Leistungen von Stefan Bradl in Indianapolis brachten die Italiener ins Grübeln. Für Aprilia wäre seine MotoGP-Erfahrung wertvoll, auch Bradls Set-up-Ideen werden von Renndirektor Romano Albesiano als nützlich betrachtet.

Power Electronics Aspar Honda Team
Die Verträge mit Nicky Hayden und Eugene Laverty laufen am Jahresende aus. Teamchef Jorge Martinez muss noch klären, welches Material er von Honda für 2016 zu erwarten hat. Die beiden 2016-Factory-Bikes neben Repsol werden wohl an LCR und Marc VDS gehen. Aspar müsste mit 2015-Maschinen vorliebnehmen. Deshalb zieht er einen Wechsel zu Aprilia in Erwägung.

Honda möchte Jack Miller bei Aspar unterbringen, denn der Australier hat einen 3-Jahres-Vertrag bei HRC – deshalb muss ein Team für Miller gesucht werden und dieser Platz dann mit rund 2 Mio HRC-Mitgift subventioniert werden. Aber momentan ist Miller schwer vermittelbar.

Forward Racing
Stefan Bradl hat seinen Vertrag aufgelöst, Loris Baz sieht sich nach anderen Möglichkeiten um, seit Teambesitzer Giovanni Cuzari verhaftet wurde und die Zukunft des Teams ungewiss ist.

Leopard Racing interessiert sich für die Rolle des Investors, Teammanager Marco Curioni will das Team unbedingt fortführen.

Aber bisher ist nur die Teilnahme am Brünn-GP gesichert, die Kapitaldecke ist dünn geworden. Ob auch der Silverstone-GP am 30. August finanziert werden kann, ist noch ungewiss.

Ungeklärt ist auch die Frage, ob Forward finanzielle Altlasten in ein mögliches Joint Venture mitbringt und ob Yamaha noch einmal Material für die Saison 2016 liefert.

Avintia Ducati Racing
Open-Class-Leader Héctor Barbera gilt für 2016 als Fixstarter, der zweite Platz wird mit Yonny Hernandez besetzt. 2016 wird mit GP14.2-Maschinen gefahren.

Iodaracing Aprilia
Das Geld ist nach den Ausstiegen der Sponsor Came und Octo knapp, obwohl 2015 noch mit den preiswerten alten Claiming-Rule-Bikes von 2014 gefahren wird. Alex De Angelis bemüht sich redlich. Ob dieser Rennstall 2016 noch in der Königsklasse zu sehen sein wird, ist fraglich.

AB Motoracing Honda
Fahrer Karel Abraham ist seit 15 Rennen mit der Open-Honda punktelos. Die Zukunft des Teams, das seinem gleichnamigen Vater gehört, ist ungewiss. Es steht ein Wechsel in die Superbike-WM zur Diskussion. Abraham könnte auch KTM-MotoGP-Testfahrer werden.

Übrigens: Die Moto2-Fahrer Zarco und Rabat könnten 2016 bestenfalls bei Martinez-Team einen Platz finden.

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