Forward Racing: Der Überlebenskampf geht weiter

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Forward Racing kämpft ums Überleben. Ob die drei Übersee-GP im Oktober in Japan, Australien und Malaysia absolviert werden können, ist ungewiss.

Es ist ein schwieriges Unterfangen. Ein Kampf gegen Windsmühlen. Aber Marco Curioni, Managing Director von Forward Racing, lässt nichts unversucht.

Er will den Rennbetrieb des Rennstalls bis zum Jahresende aufrecht erhalten, die 40 Arbeitsplätze sichern und die Karriere der Moto2-Piloten Simone Corsi und Lorenzo Baldassari und der MotoGP-Fahrer Loris Baz und Claudio Corti. Doch es herrscht viel Ungewissheit, die Stimmung ist gedrückt.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Am Tag nach dem Deutschland-GP wurde Teambesitzer Giovanni Cuzari wegen Verdachts auf Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Korruption verhaftet. Nach 30 Tagen wurde er frei gelassen, die Anklagepunkte bleiben jedoch aufrecht.

Forward Racing verzichtete daraufhin auf die Teilnahme am Indianapolis-GP. Stefan Bradl bekam die Freigabe und unterschrieb für die restlichen neun Rennen beim Aprilia Racing Team Gresini.

Forward Racing kehrte Mitte August in Brünn in die Weltmeisterschaft zurück und steht jetzt unter Zeitdruck. IRTA und Dorna haben Forward für zwei Rennen eine Freistellung erteilt, ein Grand Prix (Indy) lief bereits ohne den gebeutelten Rennstall.

Deshalb unternimmt Curioni alles, um den Rennbetrieb auch nach dem Misano-GP fortführen zu können. Einzelne Sponsoren überwiesen wieder Geld, sie wollen jedoch nicht mehr auf den Maschinen in Erscheinung treten. Deshalb wurden alle Hinweise auf den bisherigen Hauptsponsor Athinà entfernt, es ist auf den MotoGP-Yamaha nur mehr Forward Racing zu lesen und Bridgestone sowie Total zum Beispiel.

Forward bemühte sich um Investoren, doch weder Leopard Racing noch Sito Pons wollten das MotoGP-Team zu den Vorstellungen des Teams übernehmen, ausserdem läuft die Zeit davon.

Grösstes Problem: Yamaha hat bisher kein Material für 2016 zugesagt, die Bestellfrist ist längst abgelaufen. Und solange kein neuer seriöser Teambesitzer vorhanden ist oder Cuzari nicht freigesprochen wurde, will Yamaha keinen neuen Deal vereinbaren.

Wenn kein Material aufgetrieben wird oder mehr als zwei Rennen verpasst werden, werden die beiden MotoGP-Plätze wertlos. Denn die Dorna will die Anzahl der Fahrer sowieso reduzieren, es werden 2017 zwei Plätze für das KTM-Werksteam benötigt.

In England war zu hören, Sito Pons sei an Kalex herangetreten; er wolle eigene Chassis bauen und bei Yamaha oder KTM Motoren auftreiben.

Aber diese Erzählungen entpuppten sich als Märchen. «Wir haben davon nichts gehört», versicherte Alex Baumgärtel, Managing Director von Kalex.

Der deutsche Motorradhersteller hat 2013, 2014 und 2015 die Konstrukteurs-WM in der Moto2-Klasse gewonnen und beliefert das Pons-Team seit 2010 mit Chassis.

Der Zeitplan wäre für 2017 sowieso illusorisch. Kalex wäre nicht imstande, jetzt noch ein Rolling-Chassis für die November-Tests oder Februar zu konstruieren und herzustellen.

Dazu kommt: Pons wollte von Forward nur einen Teamplatz, das erlaubten IRTA und Dorna nicht. Und der neue KTM-1000-ccm-V4-Motor läuft erst seit 1. Juli auf dem Prüfstand, er ist für 2016 nicht rennbereit. Und wie gesagt: Bei Yamaha ist die Bestellfrist vorbei.

Forward Racing will jetzt nach dem Misano-GP unbedingt auch in Aragón (27. September) antreten und bis dahin klären, ob auch der teure Übersee-Trip nach Japan, Australien und Malaysia finanzierbar ist, zumindest für die MotoGP-Mannschaft.

Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari besitzt inzwischen wieder seinen Reisepass. Er hat aber entschieden, sich vorläufig bei keinem Motorrad-GP zu zeigen, um das Image und den Ruf des Teams nicht weiter zu schädigen.

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