Ex-Weltmeister Manuel Poggiali: «Die Rennen wurden zu einer Belastung»
Zwei WM-Titel, dann kam ein Bruch. Manuel Poggiali galt in den 2000ern als möglicher Rossi-Nachfolger. Warum seine Karriere ins Stocken geriet und wo er heute eine Schlüsselrolle spielt.
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Anfang der 2000er sorgten in der Motorrad-Weltmeisterschaft zahlreiche Italiener für Furore. Neben Valentino Rossi, Max Biaggi und Loris Capirossi in der MotoGP fuhren Nachwuchspiloten in den Zweitakt-Klassen regelmäßig Siege ein. Einer davon war Manuel Poggiali, zweifacher Weltmeister, der Mitte der 2000er in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Im Podcast von Andrea Migno blickte der San Marinese zurück auf seine Karriere und gab Einblicke in seine heutige Tätigkeit bei Ducati.
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Poggiali kam über die Minibikes zum Motorsport. Bei einem Besuch auf einer Rennstrecke verliebte er sich sofort. «Was mich fasziniert hat, war das Grinsen hinter den Visieren.» Schnell stand das erste Minibike in der Garage. Über erste Fahrten auf einem Parkplatz, die ersten Rennen und einem sich gegenseitig anspornenden Umfeld wuchs eine neue Generation junger Motorradrennfahrer heran. «Wenn die anderen schneller waren, musstest du nachlegen. Eine Alternative gab es nicht.» 2001 holte Poggiali den WM-Titel in der 125er-Klasse. Für ihn war dieser Titel kein Zufall, sondern ein Zusammenspiel aus guter Vorbereitung, Vertrauen und mentaler Klarheit. «Ich fühlte mich anders als sonst. Ruhiger. Ich hatte alles unter Kontrolle.» Dieses Gefühl beschrieb er als Schlüssel. Zwei Jahre später folgte der nächste Meilenstein: 250er-Weltmeister in der Saison 2003 mit Aprilia. Logisch wäre danach, nach heutigen Maßstäben, der Schritt in die MotoGP.
Meine Karriere als Fahrer war vorbei, aber meine Liebe zum Motorrad nicht!Manuel Poggiali
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Doch es kam anders. Entgegen allen Erwartungen blieb Poggiali ein weiteres Jahr in der 250er-Kategorie, welches sich als Wendepunkt seiner Karriere herausstellte. «2004 war ein Jahr des Scheiterns. Nicht nur sportlich.» Er sprach von internen Querelen, fehlendem Vertrauen zum Bike und dem Druck, die erfolgreiche Vorsaison wiederholen zu müssen. Dazu kam eine unglückliche Verletzung in Katar, als er im Hotel stolperte und eine Glasscherbe eine tiefe Wunde in seine linke Wade schnitt, die ihn Wochenlang beeinträchtigte.
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Der entscheidende Punkt war aber mental. Poggiali sagte offen, dass ihm in dieser Phase die Gelassenheit fehlte, die er für die Leistung brauchte. Die Rennen wurden zunehmend zu einer Belastung und auch das Umfeld schenkte ihm nicht das nötigte Vertrauen, weshalb seine Motivation verloren ging. Er betonte, dass dies ein schleichender Prozess gewesen sei.
Die Chance auf einen direkten MotoGP-Aufstieg zerschlug sich. Rückblickend sagt er selbst, dass er mit mehr Informationen anders entschieden hätte. Damals hielt er an seinen Verpflichtungen fest. Nach einer durchwachsenen Rückkehr in die 125-ccm-Klasse und zwei weiteren katastrophalen Jahren mit den 250ern zog er sich zurück. Nach Jahren Abstand kehrte Poggiali schrittweise zurück – zunächst über Entwicklungsarbeit in der italienischen Meisterschaft. «Meine Karriere als Fahrer war vorbei, aber meine Liebe zum Motorrad nicht.» Der Wendepunkt kam mit Fausto Gresini. In dessen Struktur fand Poggiali eine neue Rolle: Als Mentor, Analytiker und Coach für junge Fahrer. «Fausto hat mich in 15 Minuten überzeugt.» Es folgten Jahre im Gresini-Team, MotoGP-Siege, Aufbauarbeit – und schließlich der Wechsel in den Ducati-Kosmos. Heute arbeitet Poggiali mit den Ducati-Fahrern zusammen. «MotoGP ist heute ein Prozess, Geschwindigkeit entsteht durch Wiederholbarkeit.»
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Wie sieht er den heutigen Kalender, der von März bis Ende November vollgepackt mit Rennen ist? «Wir sind praktisch den ganzen Tag an der Strecke, bis 23 Uhr. Zwischen Meetings, Analysen und weiteren Meetings bleibt kaum Zeit für etwas anderes. Früher war es viel ruhiger. Heute sind die Verpflichtungen – vor allem medial – viel intensiver und alltäglich.» Poggiali sieht sich nicht als Ex-Weltmeister im Fahrerlager, sondern als Teil des Systems. Seine Aufgabe ist es, Strukturen zu schaffen und Ruhe zu vermitteln. «Am Ende entscheidet der Fahrer. Aber das Umfeld muss stimmen.»
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