Stefan Bradl und Aprilia: Alles in Butter?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
GP in Silverstone: Alvaro Bautista (19) vor Stefan Bradl (6)

GP in Silverstone: Alvaro Bautista (19) vor Stefan Bradl (6)

Es deutet alles darauf hin, dass das Aprilia Racing Team Gresini auch in der MotoGP-WM 2016 mit Alvaró Bautista und Stefan Bradl aufmarschieren wird.

Viele Stefan Bradl-Fans machen sich weiter Sorgen. Wird der 25-jährige Bayer auch 2016 auf der Aprilia-RS sitzen? Wird nach 2012, 2013, 2014 und 2015 auch im nächsten Jahr ein Deutscher in der Königsklasse vertreten sein?

Eines ist klar: Stefan Bradl hat alle anderen Türen (nur bei Martinez-Honda wäre noch ein Platz frei) zufallen lassen, auch in der Moto2-Klasse.

Das lässt darauf schliessen, dass er sich seiner Sache bei Aprilia sehr sicher ist. Im ganzen Paddock zweifelt niemand mehr an dieser Konstellation.

Sam Lowes hat sogar beim British Grand Prix ganz offen erzählt, dass sein Aprilia-Werksvertrag nach den jüngsten Verhandlungen erst 2017 wirksam wird. Der Vorvertrag wurde also auf Wunsch von Aprilia umgeändert. Aprilia-Renndirektor Romano Albesiano hatte diesen Vertrag nach einem ausführlichen Gespräch mit Stefan Bradl (auf dem Sachsenring) gar nie unterschrieben.

Albesiano lässt seit dem Brünn-GP in jedem Interview durchblicken, dass seine Wunschpaarung für 2016 Bautista/Bradl heisst. «Wir suchen für 2016 einen jungen Fahrer. Stefan ist jung», lautet eine eindeutige Aussage des Italieners.

Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass der Vertrag zwischen Aprilia und Bradl beim Misano-GP verkündet werden soll. Das passiert dann meistens am Mittwoch oder Donnerstag vor dem ersten Training, sonst geht die Neuigkeit unter. Das war bei Bradley Smith (Tech3-Yamaha) und Cal Crutchlow (LCR-Honda) vor dem Silverstone-GP nicht anders. «Wir waren uns mit Bradley eigentlich bereits seit Mugello oder Barcelona einig. Danach haben wir nie mehr einen anderen Fahrer für 2016 gesucht», gab Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal in Silverstone zu.

Romano Albesiano wünschte sich von Bradl vor dem ersten Grand Prix mit Aprilia in Indy, der Bayer möge ​beim fünften Grand Prix (das wäre Aragón am 27. September) dicht an Alvaró Bautista herankommen. Doch Bradl liess den Spanier bisher bei allen Qualifyings hinter sich und holte die Startplätze 17, 16 und 14.

«Jetzt müssen wir gemeinsam mit dem Team an der Verbesserung der Rennperformance von Stefan arbeiten», sagte Albesiano nach dem British Grand Prix. Er traut dem deutschen Aprilia-Neuling 2015 sogar noch Top-Ten-Ergebnisse zu und möchte ihn am liebsten manchmal im Qualifying 2 der schnellsten zwölf sehen.

Aprilia setzt auf Kontinuität, deshalb hatte neben Marco Melandri (2014/2015) auch Alvaró Bautista einen Zwei-Jahres-Vertrag erhalten.

Nach dem starken Auftritt bei den ersten drei Grand Prix will Aprilia bei der Weiterentwicklung der RS-GP nicht auf Bradl verzichten. Kein anderer verfügbarer MotoGP-Pilot hat Erfahrung mit Honda und Yamaha. Deshalb wird Aprilia mit Bradl weitermachen.

Albesiano hat mehrmals festgestellt, dass Bradl einen frischen Wind ins Team gebracht hat. Kein Wunder: Melandri war bei den ersten acht Qualifyings (er wurde nach der Duthch-TT in Assen entlassen) jeweils 1,5 bis 2,9 sec langsamer als Bautista. Bradl ist dem 30-jährigen Teamkollegen in den Qualifyings leicht überlegen.

Und Bradls Technikcrew war schon lange nicht so happy: Die Mannschaft rund um Crew-Chief Diego Gubellini arbeitete 2013 für den australischen Claiming-Rule-Piloten Bryan Staring, 2014 für Redding auf der Open-Honda, 2015 ein halbes Jahr lang für Melandri – und stand in dieser Zeit immer deutlich im Schatten von Bautista und dessen Technikern.

Jetzt wirkt die ganze Mannschaft erleichtert und erlöst. Diego Gubellini macht kein Geheimnis daraus, dass er unbedingt weiter mit Stefan Bradl zusammenarbeiten will, seine Crew ebenfalls. «Als wir mit Marco Melandri so langsam waren, kamen wir alle ins Grübeln und Zweifeln», gibt Gubellini zu. «Es war ja kaum zu glauben und darzustellen, dass solche Misserfolge allein mit dem Fahrer zu tun haben könnten.»

Stefan Bradl wirkt sorglos, was die Saison 2016 betrifft. «Ich habe mich noch nie in einem Team so wohl gefühlt», stellt der Moto2-Weltmeister von 2011 fest. «Jetzt erlebe ich erstmals den Unterschied zwischen einem Werksteam und einem Kundenteam. Wir haben bei Aprilia mit dem Laboratory Bike schon eine gute Basis. Und es macht mir Freude, dieses Motorrad weiterzuentwickeln. Aprilia wird 2016 sicher noch einen klaren Schritt nach vorne machen.»

Der neue V4-Motor wird eine gegenläufige Kurbelwelle haben, hat Romano Albesiano kürzlich durchblicken. Dann wird das lästige Untersteuern voraussichtlich der Vergangenheit angehören, dann wird sich die Maschine besser auf der Ideallinie halten lassen.

Auch wenn man Romano Albesiano eindringlich fragt, wie es mit Bradl und Aprilia 2016 aussieht, gibt er keine eindeutige Antwort. «Wir arbeiten an einer Lösung», betont er – mit einem vielsagenden, verschmitzten Lächeln.

Draufgänger und «King of Slide» Sam Lowes könnte also bei Gresini 2016 auf einer Kalex die Moto2-WM bestreiten und in dieser Kategorie noch einmal auf Titeljagd gehen, mit einer siegreichen Kalex statt mit der Speed-up.

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