Suter MMX 500: Die Rückkehr einer Legende

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Begeisterung für den Rennzweitakter ist bei den Fans ungebrochen. Das Interesse für die käufliche 500-ccm-Zweitakt-Rennmaschine von Suter Racing ist riesig.

«Die 500er-Zweitakter waren sehr schwierig zu beherrschen, und wir waren mit diesen Bikes sehr aggressiv», erzählt Wayne Gardner, wenn er auf die glorreichen Halbliter-GP-Jahre zu sprechen kommt. «Die Technologie war damals noch nicht so weit entwickelt wie heute. Deshalb kam es zu vielen Knochenbrüchen.»

Gardner spricht noch heute voller Bewunderung über die glanzvolle 500-ccm-Ära, er gewann insgesamt 18 Grands Prix und die Weltmeisterschaft 1987.

«Das waren erstaunliche Motorräder. Und Eskil Suter hat den Nagel auf den Kopf getroffen, indem er jetzt eine Kleinserie dieser 500-ccm-V4-Rennmaschinen mit modernster Technologie baut», frohlockt der 56-jährige Australier. «Du vergisst das nie wieder, wenn du jemals auf so einer 500er gesessen bist. Es gibt nichts Vergleichbares auf der Welt. Diese 500er sind wahrhaft einzigartig, sie sind ganz besondere Motorräder.»

Die neuen Suter MMX 500 werden in einer limitierten Anzahl von 99 Exemplaren gebaut. Was macht diese 500-ccm-Zweitakt-Motorräder so besonders?

Gardner: «Sie sind sehr aggressiv. Es ist wahnsinnig aufregend, damit zu fahren. Sie sind sehr leicht, nur 127 kg. Das ist, als würde man ein Fahrrad mit einem Jet-Motor fortbewegen. Einmalig. Die heutigen MotoGP-Maschinen sind Viertakter. Das nimmt den Motoren diese aggressive, reaktionsschnelle Power weg. Es sind halt Viertakt-Motoren... Ich habe viel Respekt für die Performance der heutigen MotoGP-Fahrer. Aber die 500er sind aussergewöhnlich. Nichts kommt an sie heran. Nur einmal habe ich eine ähnliche Aufregung gespürt, das war, als ich mit einem Kampfjet mitfliegen durfte. Das sind die einzigen Fortbewegungsmittel, die mit einem 500er-Bike vergleichbar sind.»

Gardner zählt zu den Organisatoren der «World GP Bike Legends»-Serie, die 2015 von 19. bis 21. Juni in Jerez debütierte und 2016 auf drei Events ausgeweitet werden soll.

«Bei diesen Events haben wir alten Hasen die Möglichkeit, wieder mit unseren Bikes zu fahren. In Zukunft wird es noch spannender, wenn wir mit diesen Suter-Legends-Bikes fahren können, alle auf identischen Maschinen und Reifen. Wir können unsere alten Fans treffen. Wir lieben Racing noch immer, wir fahren gerne mit diesen Motorrädern. Es bleibt auch genug Zeit für Partys und Bier... Wir erzählen uns die alten Geschichten. Es gibt so viele Vorteile bei diesen Events.»

«Es existieren sehr viele Sammler, die unsere alten Bikes besitzen. Aber sie haben Angst, uns damit fahren zu lassen, weil sie Angst vor Beschädigungen und Stürzen haben. Als ich dann hörte, dass Eskil diese Production-Racer baut, habe ich mir gedacht: Vielleicht können wir zusammen etwas machen», schildert Wayne.

Eskil Suter: Der erste käufliche V4-Zweitakter

Firmenchef Eskil Suter erzählte, er und seine Brüder hätten vom Vater einst kein Taschengeld erhalten, sondern eine kleine Werkstatt. «Dort haben wir Mopeds frisiert und uns mit dem erwirtschafteten Geld immer grössere und schnellere Mopeds und später Motorräder gekauft», schildert der Ex-Rennfahrer. «Später haben wir Schritt um Schritt die Firma Suter Racing aufgebaut, die heute 35 Mitarbeiter beschäftigt. Von 2010 bis 2012 haben wir dreimal die Konstrukteurs-WM in der Moto2-Klasse gewonnen, dazu 2012 den Fahrer-WM-Titel mit Marc Márquez. Es war einmalig für uns, mit einem so grossartigen Fahrer zusammenzuarbeiten. Und wir haben schon 1998 Chassis für die 500-ccm-V4-swissauto gebaut, die dann unter den Namen MuZ 500 eingesetzt wurde.»

«Ich hatte damals eigentlich meine Laufbahn in der 250er-WM schon beendet gehabt, ich war schon zurückgetreten. Aber swissauto-Chef Urs Wenger hat mich gefragt, ob ich Testfahrer spielen will. Als sich dann Doriano Romboni verletzt hat, habe ich einige 500er-GP bestritten. Das war die grossartigste Erfahrung meiner GP-Karriere; das waren unvergessliche Erlebnisse.»

Suter Racing baute damals die Chassis für den Schweizer 500er-Motor, Jürgen van den Goorbergh stellte das Bike 1999 bei zwei Grands Prix auf die Pole-Position, Teamkollege war Luca Cadalora.

«Irgendwann vor fünf, sechs Jahren sind mein Bruder Simon und ich zusammen gesessen und haben gesagt: Wir haben Chassisteile rumliegen, wir haben Zylinder, wir haben ein Getriebe», erinnert sich Eskil Suter. «Lass' uns doch nebenher einen 500-ccm-Production-Racer für die Zweitakt-Freaks bauen. So als Hobby, aber mit einer professionellen Herangehensweise. Wir wollten mit diesem Projekt beweisen, was heute technologisch auf diesem Sektor machbar ist. Es gibt auch bei der Fahrwerks-Geometrie viele Einstellmöglichkeiten. Welche Steifigkeit bei so einem Chassis gefragt ist, wussten wir durch unsere früheren Aufträge und Projekte in der 500er- und MotoGP-Klasse. Es hat noch nie einen käuflichen V4-Zweitakt-Production-Racer gegeben, schon gar keinen so modernen. Wir haben uns für eine elektronische Benzineinspritzung entschieden, weil dafür heute alle nötigen Komponenten verfügbar sind. Sie funktioniert wirklich tadellos. Wir haben den Hubraum von 500 auf 576 ccm erhöht, um mehr Drehmoment zu erzeugen und das Motorrad ein bisschen fahrbarer zu machen. Ich bin stolz, was meine Jungs bei Suter da auf die Räder gestellt haben. Ohne dieses leidenschaftliche Team wäre ich nie in der Lage gewesen, mit unserer Engineering-Company so erfolgreich Motorsport zu betreiben.»

Suter Racing: In allen GP-Klassen aktiv gewesen

Suter Racing hat es in allen Klassen schon mit den grössten Herstellern der Welt aufgenommen – von der 125er-WM über die Moto3 und Moto2 bis zur MotoGP mit dem Chassis für die Werks-Kawasaki, für die Ilmor sowie die Suter-BMW. Vor rund 15 Jahren kam noch das Petronas-900-ccm-Dreizylidner-Superbike-Projekt mit Carl Fogarty dazu. Heute ist Suter Racing Entwicklungspartner von Mahindra, es wurden sogar schon MotoGP-Chassis für Ducati Corse gebaut.

Suter hat aber nicht als einziger Hersteller die Beliebtheit der 500er erkannt: Ronax in Deutschland baut 500er-Zweitakter, in Italien sind ehemalige Cagiva-Techniker bemüht, ein paar Cagiva 500-Maschinen nachzubauen.

«Wir haben für die MMX 500 alles In-house gebaut, alles weitestgehend in Handarbeit», erzählt Suter. «Ein Detail: Die Schwinge und das Chassis wurden aus einem soliden Block Aluminium gefräst, das Stück war anfangs fast 200 kg schwer.»

Der Suter-Motor wird nach Angabe von Konstrukteur Alex Giussani rund 195 PS leisten, Gewicht: 127 kg; Top-Speed: 310 km/h; Drehzahl 13.000/min; Hubraum: 576 ccm; Bohrung 56 mm, Hub 58,5 mm; Zylinderwinkel 80 Grad; Sechs-Gang-Kasettengetriebe. Das komplette Motorrad wird fahrfertig und «ready to race» 120.000 Franken kosten und ist mit 17-Zoll-Rädern ausgestattet. Bei den Events sollen Einheitsreifen verwendet werden, wahrscheinlich von Dunlop. «Im Moment haben wir Moto2-Reifen von Dunlop drauf», verriet Eskil Suter.

Auf der Website www.suter500.com kann die Geräuschkulisse des Zweitakters abgerufen werden. Die Sammler und Team Owner können auch auswählen, in welchem Design sie ihr Einzelexemplar lackiert haben wollen – von Rothmans-Honda über Lucky-Strike Suzuki bis zu Red Bull-Yamaha.

«Ich habe extra ein paar Kilogramm abgenommen, weil ich möglichst oft mit diesem 500-ccm-Bike fahren will», versicherte Suter.

«Es gibt eine etwas voluminösere Verkleidung, damit wir alten Helden mit unseren Bäuchen besser Patz haben», deckte Wayne Gardner ein wichtiges technisches Detail der Suter MMX 500 auf.

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