MotoGP

Valentino Rossi über Márquez: «Es waren alles Lügen»

Von - 20.03.2016 13:08

Bei seinem Yamaha-Teamkollegen Lorenzo bemüht sich Valentino Rossi um ein anständiges Verhältnis, auch wenn es schwierig ist, immerhin herrscht gegenseitige Bewunderung. Aber zwischen Rossi und Márquez herrscht Eiszeit.

Vor dem Saisonauftakt in Katar waren die MotoGP-Stars von der Dorna angehalten worden, zum Sepang-Drama von 2015 (Kollision zwischen Rossi und Márquez in Runde 10) kein Öl mehr ins Feuer zu giessen und keine verbalen Feindseligkeiten mehr auszutauschen.

Aber das Misstrauen, die Rivalität und die Feindseligkeiten kommen täglich zum Vorschein.

Zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo herrscht zwar grundsätzlich ein Klima von gegenseitigem Respekt, aber man belauert sich, man beobachtet sich, jeder ist sich selbst der Nächste, jeder will einen Vorteil erarbeiten, jeder will Weltmeister werden.

Auf welch dünnem Eis diese Zusammenarbeit oder dieses professionell getrimmte Zusammenleben auf engstem Raum bei Yamaha abläuft, das kam gestern zum Vorschein, als sich Rossi laut beschwerte, weil Lorenzo keinen Strafpunkt für ein Vergehen im FP4 erhalten hat.

Was war genau passiert? «Lorenzo ist aus der Boxengasse rausgefahren und hat nicht auf die Rennstrecke geschaut. Er ist dann langsam zur ersten Kurve gekommen, er war aber auf der Ideallinie», schilderte Rossi. «Ich habe erwartet, dass er sich mit einem Handzeichen entschuldigt, als ich ihm gedeutet habe, was dieses Benehmen soll. Er hat mir mit einem unmissverständlichen Handzeichen geantwortet. Das sollte wohl bedeuten: 'Was zum Teufel passt dir nicht?' Nachher bin ich zu ihm gegangen. Aber er meinte, er sei im Recht gewesen... Ich weiss nicht. Das Problem ist: Ich habe denselben Fehler im Qualifying in Misano gemacht und habe einen Penalty Point bekommen. Er war damals extrem zornig auf mich. Ich weiss nicht, warum Mike Webb diesmal keinen Strafpunkt verteilt hat. Er konnte es mir nicht erklären. Egal. Es ist kein grosses Problem. Der Misano-Strafpunkt hat mir die ganze Saison 2015 vermasselt. An dieser Situation lässt sich nichts mehr ändern.» (Er lacht lauthals).

Deutlich zerrütteter ist das Verhältnis zwischen Rossi und Marc Márquez, das letztes Jahr spätestens zu einem Zeitpunkt enormen Schaden nahm, als der Italiener vom spanischen Superstar nicht mehr als alternder Meister wahrgenommen wurde, sondern als potenzieller Rivale und gefährlicher Titelkontrahent.

Und Marc Márquez musste in Las Termas und Assen erkennen, dass im Zweikampf um den Sieg mit Rossi nicht gut Kirschen essen ist. Denn «The Doctor» ist im Zweikampf deutlich stärker als Lorenzo und Pedrosa.

Naja, und was Márquez in Sepang und wohl auch Valencia aufgeführt hat, war nicht dazu angetan, bei Rossi wirkliche Begeisterung für den Repsol-Honda-Star und MotoGP-Weltmeister von 2013 und 2014 zu wecken.

Bei den Pressekonferenzen hält sich Rossi mit Aussagen über Márquez zurück. Im engeren Kreis macht er sich weniger Mühe, da liess er gestern auch über Lorenzo ein paar nicht druckreife Bemerkungen fallen.

Über Márquez sagte Rossi vor dem Katar-GP zum Thema, ob Márquez und Lorenzo im Saisonfinish 2015 zusammengearbeitet haben: «Marc hat wirklich betrogen. Nach diesen Vorfällen vom Oktober und November kann es zwischen uns keine persönliche Beziehung mehr geben, nicht einmal eine minimale», stellte der 37-jährige Vizeweltmeister fest. «Als er in die MotoGP gekommen ist, hat Márquez gesagt, er sei ein Fan von mir, aber das waren alles Lügen.»

Wir haben das schon im Winter vermutet: Der Bruch zwischen Rossi und Márquez lässt sich nicht mehr kitten, genau so wie früher bei Biaggi, Gibernau und Stoner, die der Yamaha-Star nach Meinungsverschiedenheiten irgendwann keines Blickes mehr würdigte.

Rossi zeigt Márquez jetzt die kalte Schulter, denn mit seiner Fahrweise in Sepang und seiner Schützenhilfe für Lorenzo hat er den 112-fachen GP-Sieger zur Weissglut getrieben.
Jetzt wird abgerechnet.

Vielleicht fährt Lorenzo beim Katar-GP heute auf und davon. Aber dahinter könnte es zu brisanten Aufeinandertreffen zwischen Rossi und Márquez kommen. Es knistert.

«Schon im Qualifying hätte ich weiter vorne landen können als auf Platz 5», meint Rossi. «Denn ich war nur 0,272 sec zurück. Ich weiss, dass ich aus der zweiten Reihe ein gutes Rennen zeigen kann, denn ich bin mit dem Motorrad happy und habe eine gute Pace. Aber es gibt viele Fahrer mit einer guten Pace. Es wird also hart. Meiner Meinung mach hat Márquez am Samstag gezeigt, dass er eine bessere Pace hat als alle andern. Wenn man das FP4 als Grundlage nimmt, ist er der Schnellste, wenn es über die Renndistanz geht. Aber Lorenzo hat sicher Siegchancen, ich hoffe, dass ich auch mitmischen kann, dazu rechne ich mit Vinales und mit den zwei Werks-Ducati. Es wird interssant.»

In Katar zeigte sich, dass manche MotoGP-Fahrer jetzt mit den Michelin-Reifen im Q2 keinen Stopp machen. Rossi, Lorenzo und Márquez hingegen stoppten einmal. «Welche Strategie man fährt, hängt vom Motorradfabrikat ab», ist Rossi überzeugt. Für uns war die Prozedur gleich wie bei Bridgestone. Wir haben zwei Runs gemacht mit jeweils zwei fliegende Runden. Das hat gut geklappt.»

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