Exklusiv: Sebastian Risse über die Fortschritte von KTM – und Pedro Acosta
Die positive Überraschung des MotoGP-Auftakts 2026 kam aus Österreich. Technik-Direktor Sebastian Risse über die wichtigsten Verbesserungen der KTM RC16, mit der Pedro Acosta die WM-Tabelle anführt.
Auch gut eine Woche nach dem Start der MotoGP-Rennsaison 2026 kommt beim Studium der WM-Tabelle nicht aus dem Staunen heraus. Vor vier Aprilia-Fahrern
Zustande kam die Tabellenführung durch den
Wichtig: Keine Sturzorgie in der Testphase
Im Vieraugengespräch mit SPEEDWEEK.com beginnt Sebastian Risse als technisch Verantwortlicher des KTM-MotoGP-Projekts an der Rennstrecke auch mit der Leistung des jungen Piloten: «Bei allen Aspekten rund um das Bike – es war Pedro, der es umgesetzt hat. Er ist ein wesentlicher Faktor. Und nicht erst seit Buriram. Pedro war bereits Ende letzten Jahres sehr stark und mit der richtigen Einstellung unterwegs. Dazu kam eine sehr gute Saisonvorbereitung. Die Tatsache, dass er während der gesamten Testphase nicht einen Sturz hatte, ist nicht zu unterschätzen.» Sebastian Risse bringt es auf den Punkt: «Pedro hat derzeit alles unter Kontrolle.»
Und an welcher Stelle sieht der Ingenieur die größten Pluspunkte der aktuellen RC16-Spezifikation? Risse holt aus: «Man muss sagen, dass wir den Weg in vielen kleinen Schritten gegangen sind. Zirka ab der Sommerpause 2025 haben wir uns für eine Richtung entschieden – und die haben wir konsequent verfolgt. Es klingt sehr einfach, aber das Ziel ist es, immer das Motorrad schneller zu machen. Es ging und geht in erster Instanz darum, die Rundenzeit zu verbessern und nicht etwa darum, den Reifenverschleiß zu verbessern.»
Der Technik-Chef weiter: «Das eine kam mit dem anderen. Es gibt viele Möglichkeiten, um schneller zu werden. Eine davon – schon mehr Speed mit auf die Geraden zu nehmen, die Leistungsspitzen etwas herauszunehmen, auch etwas Topspeed aufzugeben.»
Aerodynamik-Paket ein Mittel gegen Überhitzung
Risse zu einem relevanten Instrument: «Wir haben dazu stärker als zuvor auch den Bereich Aerodynamik benutzt. Sowohl um das Ziel, das Kurvenspeed und die Rundenzeit zu verbessern, es hat sich aber auch gezeigt, dass wir mit dem Aero-Paket in der Lage sind, der Überhitzung der Reifen entgegenzuwirken.»
Stichwort Reifen – auch die Ware von Ausrüster Michelin hat geholfen: «Insgesamt gab es keine negativen Überraschungen. Das, was wir bekommen haben, war das, was wir erwartet hatten. Entsprechend hat die Abstimmung auf die Reifen auch so funktioniert wie angenommen. Man muss aber auch sagen, dass in Thailand nicht die Standardkarkasse von Michelin zum Einsatz kommt Unsere Abstimmung muss sich also erst noch auf dem «normalen» Unterbau beweisen», so der Technik-Chef.
Bemerkenswert sind die Aussagen des langjährigen Renningenieurs zur Konkurrenz: «Dadurch, dass wir uns ausschließlich mit der Frage beschäftigt haben, wie wir unser Ziel erreichen können, haben wir uns nicht direkt mit den Gegnern beschäftigt. Die Erfahrungen zeigen, dass auch die Wintertests kein wahres Bild vom Leistungsstand abgeben. Ich erinnere mich an die Tests vor der Saison 2020. Unsere Testzeiten im Vergleich waren schlicht mies – aber wir haben für uns das Bike im Vergleich zum Vorjahr so stark optimieren können, dass wir in der Rennsaison den Durchbruch in Richtung Spitze erlebt haben. Der Maßstab ist die eigene Leistung von Rennen zu Rennen, nur die können wir beeinflussen.»
Wenn auch mit dem Risiko einer Fehlentwicklung behaftet, die Tunnel-Taktik des KTM-Projekts hat sich zumindest beim Auftakt des Jahres voll bezahlt gemacht. Über die Renndistanz war die RC16 im Vergleich zum Vorjahr kaum wiederzuerkennen – und dank eines fehlerfreien und zugleich aggressiven Pedro Acosta liegt die Paarung nun erstmals vor der gesamten Konkurrenz.
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