Stoner: Sein Erfolgsheimnis

Kolumne von Günther Wiesinger
MotoGP 800 ccm
Casey Stoner

Casey Stoner

Casey Stoner stellt seit drei Jahren alle andern Ducati-Piloten klar in den Schatten. Ein Erkärungsversuch.

Casey Stoner demonstrierte bei den Wintertests und bei seinem Sieg in Katar (Bestzeit in allen Trainings und im Warm-up) seine beispielhafte Fahrkunst. Gestern behinderten ihn Bremsprobleme – nur Rang 4. Insider sind aber überzeugt, die herausragenden Resultate des Ducati-Werkspiloten haben viel mit seinem grenzenlosen Vertrauen in die elektronischen Systeme der Ducati GP9 zu tun.

Valentino Rossi hat Stoner schon 2007 als ersten Fahrer der «generation traction control» bezeichnet.

Randy Mamola, vierfacher 500-ccm-Vizeweltmeister und regelmässiger Chauffeur des Ducati-Zweisitzers, kennt die Tücken des V4-Heulers. «Bei Ducati hat die Traction Control viel mehr Einfluss als bei allen anderen Motorrädern», weiss er. «Casey ist der einzige Ducati-Fahrer, der dem System blind vertraut.»

Noch im Jahr 2000 gab es keinerlei elektronische Fahrhilfen. «Das rechte Handgelenk war die Lebensversicherung aller guten 500er-Piloten», weiss DSF-Moderator Alex Hofmann. Damals bestand die Verbindung vom Gasgriff zu den Vergasern aus einem Kabel, die Kommandos wurden 1:1 übertragen. Bei den heutigen Ride-by-wire-Systemen mündet das Kabel in einen Sensor, der dank komplizierter Elektronik die Befehle des Fahrers umrechnet. Die Elektroniker in der Box entscheiden mit, wie sie den Befehl des Piloten verarbeiten.

Bei Ducati wird der Bordcomputer (er arbeitet zehnmal schneller als 2008!) so programmiert, dass die Elektronik zu jeder Zeit weiss, an welcher Stelle der Strecke sich das Fahrzeug befindet, welche Schräglagen an dieser Stelle möglich sind und wie viel Leistung ans Hinterrad geliefert werden kann.

Trotzdem reagiert das Ride-by-wire-System mit einer Verzögerung von rund 0,1 sec auf die Befehle der Gashand.
Stoner war 21 Jahre alt, als er 2007 bei diesem drehfreudigen 800-ccm-Motor (er tönt wie ein Formel-1-Triebwerk) mit diesem komplexen System konfrontiert wurde.

Hayden ist heute 27, Gibernau gar 36 Jahre alt. Sie sind von Kindesbeinen an gewöhnt, das Limit des Hinterreifens mit der Gashand und ihrem Allerwertesten auszuloten. Die Ducati-Ingenieure hingegen trichtern ihnen ein: «Dreht einfach das Gas rücksichtslos auf, die Elektronik regelt alles.» Es gibt eine Vielzahl verschiedener Mappings für den Motor; Spritverbrauch, Traction Control, Anti-Wheelie-Control, alles kann kunstvoll programmiert werden.

Es existieren aber auch zahllose Möglichkeiten, die das Vertrauen des Fahrers zum Motorrad verringern können.
Hayden und Gibernau drehen das Gas gewohnheitsgemäss etwas zaghaft auf, weil sie in ihren Hinterköpfen aus der Ära der 500er und 990er böse Highsider abgespeichert haben. So lässt sich die brachiale Power der GP9 nie optimal bändigen. Mamola: «Wenn du in einem Serienauto auf Schnee sanft aufs Gas trittst, spürst du den Einsatz der Traction Control nicht. Wenn du wuchtig aufs Gas steigst, merkst du den Eingriff der Elektronik sofort!

Casey reisst das Gas in der Kurve einfach in blindem Vertrauen auf die Elektronik blitzartig voll auf, auch wenn er spürt, dass er sich bereits an der Rutschgrenze befindet. Nur so wird die Traction Control zum blitzartigen Eingreifen verleitet. Normal -reagiert ein Rennfahrer in diesem Fall instinktiv durch Zudrehen des Gasgriffs. Dann hilft dir aber die Elektronik nicht, die Traction Control reagiert nicht schnell genug, sie lässt dich im Stich.»

Mamola fällt auf, dass die moderne MotoGP-Generation beim Beschleunigen und Bremsen ihr Körpergewicht zur Gewichtsverlagerung kaum einsetzt. «Die Elektronik erledigt alles», sagt Randy.

MotoGP-Neuling Mika Kallio (24) steuerte seine Kunden-Ducati bei den Rennen in Doha und Motegi auf Platz 8. «Man muss im Kopf umdenken», bestätigt der Finne. «Wenn du ins Rutschen kommst, musst du das Gas voll aufdrehen. Du musst also dein Hirn völlig umprogrammieren.» Übrigens: Im Freitag-Training von Motegi verzeichnete Kallio einen wilden Highsider…

«Kühle, emotionslose Typen wie Stoner und Kallio kommen mit diesen Systemen am besten zurecht», ist Alex Hofmann überzeugt. «Hayden und Gibernau können nicht mehr umlernen…»

Der Deutsche kennt aus seinem Ducati-Jahr 2007 durch Datenvergleiche weitere Vorzüge von Stoner. «Casey benützt die Hinterbremse mehr beim Beschleunigen als beim Bremsen», weiss Hofmann. «Dadurch sieht seine Ducati beim Rausfahren aus den Kurven nicht so wacklig aus wie die andern. Seine Truppe wechselt hinten jeden Tag die Bremsbeläge. Ein Highsider wie Hayden in Katar passiert ihm deshalb gar nicht.»

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