1000 KM Hockenheim 2018: Teuchert als Osterhase

Von Esther Babel
Rundstrecke

Das Team MGM Yamaha war beim Auftakt zum Deutschen Langstrecken Cup mit Michael Galinski, Tim Holtz und Ex-Weltmeister Jörg Teuchert am Start. Am Ende wurden sie Zweite.

Das Team MGM tritt regelmäßig beim Langstrecken-Klassiker in Hockenheim an und will sich vor allen Dingen einen schönen Tag mit viel Motorradfahren machen. Wenn dabei noch ein gutes Ergebnis rausspringt umso besser. Das Team pepe-Tuning war am vergangenen Samstag wie schon im Vorjahr nicht zu schlagen und das MGM Trio holte vor allem am Ende auf, doch landete im Ziel auf Platz 2.

«Mein Federbein war nicht kaputt», erklärt Teuchert, der wie seine Kollegen mit einer Yamaha R1 unterwegs war, «ich hatte bloss keine Zugstufe mehr. Während des gesamten Rennens. Ich bin zum Teil gehoppelt wie ein Hase. Aber es war ja Ostern, hat also gepasst. Aber es macht schon viel aus. Beim Beschleunigen ist es nicht so toll und das Hinterrad fängt an zu springen. Es ist unmöglich, sich am Limit zu bewegen. Man muss mit viel Gefühl in die Kurven rein, aber es schwingt sich trotzdem auf. Es kostet stumpf eine Sekunde pro Runde.»

IDM Superbike-Teamchef Galinski hatte Teucherts R1 frisch vom Prüfstand mit nach Hockenheim gebracht. Im Training kam Teuchert wegen einer neuen Kette und zwei Abbrüchen nur fünf Runden zum Fahren. «Das mit der Zugstufe merkt man erst, wenn man am Limit fährt», erklärt er. «Und in den ersten Runden war das mit der Kette. Es hat sich angefühlt, als wäre sie einen Meter länger als geplant.»

Nachdem Teuchert den Hockenheim Start im Jahr 2014 total versemmelt hatte, musste er zu Übung in diesem Jahr wieder ran. «Vor drei Jahren», erinnert er sich noch lebhaft, «hab ich nach unten geschaut, ob ich da auch richtig an der Linie stehe. In dem Moment senkte Rennleiter Ottmar Bange die Flagge. Als ich wieder hoch schaute, waren alle anderen schon auf der anderen Seite. Noch eine Sekunde länger und ich hätte warten müssen, bis alle weggefahren wären. Aber ich behaupte ja bis heute, dass alle, ja wirklich alle, einen Frühstart gemacht haben, nur ich nicht.» Das Gelächter ist bis heute groß.

Lediglich einen neuen Dunlop-Reifen gönnte sich Teuchert, gesponsert aus Galinskis Fundus. «Mit allen anderen Reifen bin ich schon sonst wo gefahren. Mit einem Reifen bin ich noch das Training und 40 Runden im Rennen gefahren. Der war dann allerdings wirklich fertig. Unser Reifen-Budget lag irgendwo bei Null Euro. Aber der zweite Platz war unter den Umständen maximaler Erfolg bei minimalem Aufwand.»

An die 5000 Kilometer ist Teuchert in diesem Winter als Instruktor in Spanien unterwegs gewesen. Doch im Rennen wurden ihm bereits nach zehn Runden die Arme lang. «Mir taten die Unterarme weh», gibt er zu. «Ich hatte keinen Rhythmus und kein gutes Timing. Aber als Instruktor fährt man ja nie in seinem eigenen Tempo. Hockenheim fahre ich blind. Doch zu Anfang fehlte der Flow. Die Reflexe fehlten und dann macht man alles mit Kraft. Aber es wurde immer besser und ich wurde relaxter.»

Lob gab es auch für seine beiden Mitstreiter Michael Galinski und Tim Holtz. «Der Vater von Tim war bei meiner ersten Veranstaltung am Spreewaldring dabei. Da war Tim 11 Jahre alt und heute sind wir Teamkollegen. Aber er war souverän unterwegs und mit seinem Vater ist er ein eingespieltes Team. Der Kerl hatte Spaß und genau das war auch meine Ansage vor dem Rennen.»

«Michael war am Freitag noch etwas kränklich», so Teuchert. «Aber am Samstag fit und schnell. Im letzten Jahr hatten ihn ja noch ein paar Zipperlein gequält. Man hat gemerkt, dass ihn die Situation mit der IDM belastet. Aber am Karsamstag hatte er das abgelegt und wir hatten einfach unsere Freude.»

Der tödliche Trainings-Unfall der Dänin Julie Brondum Mortensen war natürlich auch im Team MGM ein Thema. «Schon der erste Abbruch im Training dauerte lange, dann gleich der zweite», berichtet er. «Danach wurde das Training nicht mehr aufgenommen sondern es ging mit dem Rennen weiter. Am Nachmittag habe ich dann von dem tragischen Ausgang des zweiten Abbruchs erfahren. Doch erst am Abend bei der Siegerehrung wurde das offiziell bestätigt und es gab eine Schweigeminute.»

«Das sind leider die Schattenseiten unseres faszinierenden Sports», gibt Teuchert zu Bedenken. «Wie immer gibt es bei solchen Geschehnissen im Fahrerlager Mutmaßungen, an denen ich mich nicht beteilige und immer wieder stellt sich bei solchen Veranstaltungen die Frage, wer darf fahren und wer nicht. Rein theoretisch dürften die ersten Zehn und die letzten Zehn nicht fahren. Denn da sind die Unterschiede schon groß. Aber das ist bei der Langstrecke so, da werden schon ein Haufen Motorräder aufeinander losgelassen. Das ist in der WM nicht anders. Solche Veranstaltungen haben ihre eigenen Gesetze und die muss man respektieren.»

Zum Unfall selber äußert sich Teuchert nicht. «Das Ganze ist tragisch genug», hält er fest. «Die Aufgabe haben jetzt andere. Nämlich sich zu kümmern und die Geschehnisse korrekt aufzuarbeiten.»

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